Photosynthese - Brettspiel-Test, Brettspiel - 4Players.de

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Photosynthese (Brettspiel) von Asmodee
Türme des Lichts
Aufbaustrategie
Entwickler: Hjalmar Hach
Publisher: Asmodee
Release:
01.10.2017
Spielinfo Bilder Videos
Was war nochmal diese Photosynthese? Irgendetwas mit Pflanzen, die im Licht wachsen? Auch wenn so mancher Biolehrer jetzt vielleicht die Nase rümpfen wird, beschreibt es das Brettspiel von Asmodee recht gut, das für knapp 35 Euro komplett auf Deutsch erhältlich ist. Bis zu vier Spieler pflanzen hier vom Samen aufwärts kleine bis große Bäume, die um Sonnenenergie wetteifern. Warum dem italienischen Designer Hjalmar Hach ein kreatives Strategiespiel für die ganze Familie gelungen ist, erläutern wir im Test.

Praise the Sun!

Keine Lust mehr auf Kampf, Monster und Eroberungen? Genug 4X oder Tabletop gespielt? Dann bietet sich Photosynthese als erholsame Alternative zum oftmals kriegerischen Brettspiel-Alltag an. Schon beim Aufbau der angenehm stabilen Bäume sorgt das helle Artdesign mit seinen strahlenden Farben für ein stimmungsvolles Ambiente. Zwar ist die Waldlichtung zu Beginn noch leer, aber das wird sich bald ändern: Nachdem man sich für eine Farbe bzw. Eiche, Ahorn, Tanne oder Linde entschieden hat, darf man je zwei kleine Bäume am äußeren Rand platzieren. Noch bekommen alle gleich viel Licht ab, aber je dichter der Wald, desto unterschiedlicher fällt die Ernte aus.

Zu Beginn ist die Waldlichtung noch leer.
Zu Beginn ist die Waldlichtung noch leer - alle starten im äußeren Ring mit zwei kleinen Bäumen. Im Zentrum gibt es die meisten Siegpunkte für gefällte Baumriesen.
Zwei kreativ miteinander verflochtene Mechaniken sorgen dafür, dass sich ein strategischer Wettstreit um die besten Plätze entwickelt: Zum einen wandert die Sonne jede Runde im Uhrzeigersinn weiter, dargestellt durch eine große Scheibe, so dass das Licht immer nur aus einer Richtung auf alle Felder trifft - so kann man perspektivisch planen und sich überlegen, wo sich ein neuer Baum lohnt. Zum anderen werfen die Bäume je nach Größe einen, zwei oder sogar drei Felder weit Schatten, so dass andere gleich große oder kleinere Bäume dahinter kein Licht abbekommen. Damit kann man also auch gezielt ganze Reihen blockieren! Aufgrund der klaren figürlichen Darstellung lässt sich das immer sehr schön ablesen, auch wenn man sich ab und zu nach vorne beugen muss.

Wettstreit um Sonnenpunkte

Das Licht wird wiederum in Form von Sonnenpunkten als Währung auf dem Tableau gespeichert, wobei die größten Bäume bis zu drei Punkte erhalten. Nur wenn man diese in seinem Zug ausgibt, kann man neue Samen oder Bäume in drei Größen kaufen, um Erstere auf einem leeren Feld einzupflanzen oder mit  Letzteren bereits vorhandene weiter wachsen zu lassen.
So langsam entsteht ein Wald. Vorsicht: Wer im Schatten steht, bekommt kein Sonnenlicht. Und nur damit darf man weitere Samen oder Bäume kaufen.
So langsam entsteht ein Wald. Vorsicht: Wer im Schatten steht, bekommt kein Sonnenlicht. Und nur damit darf man weitere Samen oder Bäume kaufen. Aber keine Bange, denn die Sonne wandert weiter und damit ändern sich auch die Schattenwürfe.
Dabei entsteht ein angenehmes Grübeln, denn man kann versuchen mit mehreren kleinen Bäumen in die Breite zu gehen oder schnell auf Wachstum einzelner setzen, um frühzeitig die wichtigen Siegpunkte zu ergattern. Oder man richtet sich ganz flexibel nach der Art des Waldes, der jedesmal eine andere Struktur zeigt.

Die wichtigen Siegpunkte gibt es im Gegensatz zu den regelmäßigen Sonnenpunkten übrigens nur, wenn man einen Baumriesen der dritten Stufe fällt - so entsteht auch wieder eine Lücke und Schatten verschwindet. Oder soll man nicht lieber noch ein paar Runden dieses Licht bunkern, immerhin bringt er ja drei Sonnenpunkte! Einerseits muss man darauf achten, diesen Pool stets gefüllt zu halten, damit man auch etwas pflanzen kann. Andererseits muss man auch clever expandieren, um nicht im wahrsten Sinne des Wortes im Schatten der anderen zu stehen - es geht also durchaus kompetitiv zur Sache, denn alle buhlen um die besten Stellen.

Die besten Plätze und erweiterte Regeln

Sehr schön und klar designt sind ei Spieler-Tableaus.
Sehr schön und klar designt sind die Spieler-Tableaus. Es gibt Samen sowie Bäume in drei Größen.
Weil die Plätze auf der Waldlichtung von außen nach innen mehr Siegpunkte bringen, lohnt sich der Vorstoß in die Mitte. Auch hier bildet das Spiel auf sehr logische Art natürliche Prozesse nach: Denn man kann nur in Reichweite seiner Bäume neue Samen pflanzen, die sich erst mit ihrer Größe auf einen Radius von bis zu drei Feldern erhöht. Zu Beginn kann also niemand das wertvolle Zentrum besetzen, in dem man für einen Baumriesen die meisten Siegpunkte bekommt. Aber selbst eine Taktik am Rande kann sich lohnen, denn wer in der Mitte steht, steht ja auch schnell im Schatten! Es ist schön, dass man auf so viele Arten vorgehen kann.

Wer es etwas strategischer mag, sollte die zwei Zusatzregeln aktivieren: Weil man recht spät punktet, sollte man statt der drei die empfohlenen vier Runden spielen. Und für etwas mehr Grübelei sorgt die sinnvolle Regel, dass nichts wachsen darf, was sich im Schatten befindet - so kommt es noch mehr darauf an, wann und wo man pflanzt. Photosynthese besticht übrigens durch sein klares Regelwerk, das auch direkt auf den Tableaus einsehbar ist, was Aktionen, Werte, Preise, Reichweiten & Co betrifft. So eignet es sich auch hervorragend als schnell erklärtes und aufgebautes Familienspiel. Zwar kann man auch zu zweit loslegen, aber mit drei oder vier Leuten ist es spannender.

Fazit

Das hat über Ostern richtig Spaß gemacht! Zwar mag ich auch sehr gerne komplexe Brettspiele, aber manchmal hat man keine Lust auf langwierigen Aufbau oder 4X-Abnutzungskämpfe. Daher tut es immer wieder gut, zwischendurch etwas flotteres Kompetitives wie Photosynthese zu spielen. Nicht falsch verstehen: Das ist kein bunter Schnellschuss, sondern ein durchdachtes und angenehm kreatives Strategiespiel, das auf sehr logische Art die natürlichen Prozesse des Wachstums nachbildet. Während die Sonne wandert, entsteht ein spannender Wettstreit um die besten Plätze auf einer Waldlichtung, wobei man sein Licht clever managen und den Schatten im Gelände beachten muss. Falls ihr ein stimmungsvoll präsentiertes, schnell erlerntes und kreativ designtes Familienspiel sucht, bei dem auch Kinder ab acht bis zehn Jahren mitmischen können, kann ich Photosynthese wärmstens empfehlen.

Für alle, die eine Wertung vermissen: Wir werden hier nur unsere Highlights vorstellen. Natürlich gibt es auch in der Brettspielwelt einen bunten Mainstream und billigen Murks, aber wir wollen euch alle zwei Wochen kreative Geheimtipps, Klassiker oder ungewöhnliche Spieleperlen empfehlen, die man vielleicht nicht in jedem Kaufhaus findet. Mehr Brettspiel-Tests und eine Top 20 findet ihr hier.

Kommentare

Raskir schrieb am
4P|T@xtchef hat geschrieben: ?
06.04.2018 16:51
Erwischt. Ich kann nicht ohne. Solln se halt endlich Bloodborne 2 ankündigen. Oder wenigstens Demon's Souls.;)
Zur Not auch was Neues in die Richtung. Aber dennoch Herr Luibl. Was ist denn da los, keine Selbstbeherrschung mehr oder was? Da wartet man 10 Jahre auf den geistigen Nachfolger von Shadow of the colossus und kriecht nach 2 Jahren nach Darksouls 3 (oder 1,5 wenn man das Dlc mitzählt), bzw 3 Jahre nach Bloodborne, auf dem Zahnfleisch. Ist der Bart denn nur Zierde ;)
4P|T@xtchef schrieb am
Erwischt. Ich kann nicht ohne. Solln se halt endlich Bloodborne 2 ankündigen. Oder wenigstens Demon's Souls.;)
GhostRecon schrieb am
Cool... Das scheint genau das richtige (Brett-)Spiel für meine Family zu sein... On my list.
Danke Jörg! :-)
el bolfo schrieb am
Ich kann der Review nur zustimmen, das Spiel macht richtig Laune und ist wäre mich ein Anwärter auf das "Spiel des Jahres". Einfach zu lernen und doch schwierig zu meistern, denn es gibt kein Patentrezept. Selbst meine Tochter, die eher ein Brettspielmuffel ist, fragt regelmässig, ob wir es wiedermal spielen...
schrieb am

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