Löwenherz - Brettspiel-Test, Brettspiel, Spielkultur - 4Players.de

4Players.de Das Spielemagazin. Kritisch. Ehrlich. Aktuell. 4Players.de Das Spielemagazin. Kritisch. Ehrlich. Aktuell.

Um dieses Feature zu nutzen, musst du
"4Players pur" nutzen:

Du hast schon einen pur-Account? Dann logge dich ein!
Noch kein pur-Nutzer? 4Players pur – Zahl, was du willst!

Hinweis schließen.


Aufbaustrategie
Entwickler: Klaus Teuber
Publisher: Kosmos
Release:
2003
Spielinfo Bilder Videos
Keine Würfel, aber Diplomatie

Die Regeln für Eroberungen und Gebietserweiterungen sind einfach, die Anleitung gibt anschauliche Beispiele.
Manchmal ist die Diplomatie auch der beste Angriff: Man kann mit einer Karte dafür sorgen, dass zwischen zwei Gebieten kein Krieg herrschen darf - damit verhindert man zwar die eigene, aber auch die gegnerische Expansion in diesem Bereich der Karte. Wenn man das in dem Moment spielt, wo der Gegner gerade seinen fünften Ritter an der Grenze positioniert hat, wo man selbst nur vier hat, ist das ein klasse Konter. Denn man kann in Löwenherz nicht einfach so Einheiten verschieben, so dass man sehr gut überlegen muss, wo man sie positioniert. Die geostrategische Entscheidung wird dadurch noch wichtiger, dass Ritter nie auf Minen oder Dörfern stehen dürfen. Und im Wald kosten sie ein Kupferstück mehr.

Es wird übrigens nicht gewürfelt, es geht immer um den sofortigen Sieg des Stärkeren. Man gewinnt immer dann Gebiete, wenn man die betreffende Befehlskarte spielt und einfach mehr Ritter im Nachbarland hat: Vier schlägt drei, drei schlägt zwei etc. Es ist für die Spielbalance unheimlich wichtig , fast schon genial, dass man pro Zug auch nur zwei Felder erobern kann - so kann man den anderen nicht einfach so von der Karte fegen wie in Risiko; man knabbert quasi Runde für Runde an seinem Territorium oder bewegt sich Stück für Stück ins freie Reich hinein. Man kann sich auch so geschickt um einen Feind herum erweitern, dass man damit eigene schwächere Gebiete schützt.

Der taktische Bruder von Go

Auch zu zweit macht Löwenherz richtig Laune: Es bleibt bis zum Schluss spannend - hier hat Weiß im letzten Zug mit einem großen Gebiet gewonnen!
Löwenherz erinnert mit seiner langsam fortschreitenden Entstehung von territorialem Einfluss sowie den dynamischen Grenzverschiebungen angenehm an Go. Auch hier kann man mit ein, zwei cleveren Zügen plötzlich riesige Gebiete erobern - vor allem im letzten Drittel ergeben sich lukrative Möglichkeiten der Eroberung. So kommt es im Laufe des Spiels auch zu einem optischen Wettrüsten: Hey, hat er gerade seinen zweiten Ritter an der Grenze platziert? Dann muss ich wohl auch in einen investieren, damit ich nicht gleich ein Gebiet verliere. Oder ich lasse mich nicht davon beeinflussen und stelle meinen Ritter an einer anderen Grenze auf - wenn du da unten einfällst, konter ich einfach im Norden! Und weil da oben eine lukrative Mine steht, dürfte ihm das nicht egal sein. In diesem Fall wäre Angriff also die bessere Verteidigung.

Lediglich der in vier Phasen unterteilte Machtkartenstapel sorgt für etwas Glück beim Ziehen, was allerdings dadurch auf ein Minimum reduziert wird, dass man sich auch abgeschmissene Karten der Ablage aussuchen kann. Aber da der Hauptstapel so sortiert ist, dass erst später die mächtigen Karten kommen, vor allem die Diplomatie, der direkte Ritterklau sowie der sofortige Bau von zwei Rittern, kann das ewige Aussuchen von alten Karten ein entscheidender Nachteil sein.

Fazit

 Dieses Taktikspiel von Klaus Teuber gehört zu den besten seiner Art - nicht umsonst hat es zig Spielepreise gewonnen. Das Besondere an Löwenherz ist seine hervorragende Balance und seine herrliche Dynamik: Wie gewonnen, so zerronnen! Denn wer nicht aufpasst, kann in der nächsten Runde schon wieder Gebiete oder das Monopol über Minen verlieren. Man muss einmal geschaffenen Besitz also so gut wie möglich absichern, um ihn nicht abgeben zu müssen. Dieses Hin und Her zwischen Angriff und Verteidigung, zwischen Sicherung von und Expansion in Gebiete, erinnert angenehm an das japanische Brettspiel Go. Und selbst wenn man scheinbar hinten liegt, kann man das Spiel im letzten Drittel durch einen genialen Zug noch gewinnen. All das sind ideale Voraussetzungen für Strategen, die wenig dem Zufall überlassen und clever planen wollen. Und obwohl viele Spiele erst mit vier Kontrahenten ihren besonderen Reiz entfalten, kann man hier auch zu zweit jede Menge Spaß haben!
   
Für alle, die eine Wertung vermissen: Wir werden hier nur unsere Highlights vorstellen. Natürlich gibt es auch in der Brettspielwelt einen bunten Mainstream und billigen Murks, aber wir haben keine Zeit für Verrisse. Das ist zunächst ein Angebot, das wir euch zusätzlich bieten. Deshalb konzentrieren wir uns auf die empfehlenswerten Vertreter und die kreativen Geheimtipps, die man vielleicht nicht in jedem Kaufhaus findet.

Weitere Brettspieltests im Archiv!

Kommentare

UncleT schrieb am
UncleT hat geschrieben:Schöner Test, schönes Spiel.
Allerdings halte ich es für problematisch, Spiele zu testen, die regulär nicht mehr erhältlich sind. So ist die von Euch getestete Version nur noch zu Mondpreisen erhältlich (zumindest auf den Webseiten, auf denen man in diesem Falle als erstes nachschaut) .
So macht ein Review wenig Sinn. Die Fans, die bereit sind, für das Spiel soviel auszugeben, wissen eh schon alles darüber.
Ich hätte das Spiel wahrscheinlich gekauft. Aber bei Sammlerobjekten muss ich aus finanziellen Gründen passen.. :?
Gruß
UncleT
Kleiner Nachtrag: Konnte das Spiel jetzt doch für 20 Euro bekommen (Die Kosmos Variante). Der Test verspricht nicht zuviel: ein wirklich tolles Spiel in allen Besetzungen. Allerdings ist die Anleitung an einigen Stellen ein wenig vage bzw unübersichtlich. Man muß schon zwei Spiele komplett durch spielen, um den kompletten Mechanismus durchschaut zu haben. Aber dann macht alles Sinn und ist auch nicht weiter kompliziert. Bei zwei Spielern ist der Vergleich mit Go durchaus angebracht. Ein echtes Juwel.
Gruß
UncleT
4P|T@xtchef schrieb am
Kritik ist angekommen und wird berücksichtigt; ich war bei Löwenherz selbst überrascht, dass es so schwer zu kriegen ist. Vermutlich steht als nächstes Spiel Descent an oder Im Wandel der Zeit - beide kann man ohne Probleme kaufen. :wink:
UncleT schrieb am
Schöner Test, schönes Spiel.
Allerdings halte ich es für problematisch, Spiele zu testen, die regulär nicht mehr erhältlich sind. So ist die von Euch getestete Version nur noch zu Mondpreisen erhältlich (zumindest auf den Webseiten, auf denen man in diesem Falle als erstes nachschaut) .
So macht ein Review wenig Sinn. Die Fans, die bereit sind, für das Spiel soviel auszugeben, wissen eh schon alles darüber.
Ich hätte das Spiel wahrscheinlich gekauft. Aber bei Sammlerobjekten muss ich aus finanziellen Gründen passen.. :?
Trotzdem weiter so! Von einem Dominion Test würde ich übrigens absehen. Das ist schon so oft besprochen und getestet worden, dass ein weiteres Review überflüssig ist.
(@Mindflare: Dominion anfänglich unterschätzt: nach 5 bis 10 Partien merkt man plötzlich, wie taktisch und anspruchsvoll das Ganze ist. Die Regeln sind einfach, aber die möglichen Kombinationen der verschiedenen Karten machen jedes Spiel besonders.
Ich hatte am Anfang auch gerätselt, was an Dominion so toll sein soll.)
Gruß
UncleT
Mindflare schrieb am
ArcticAge hat geschrieben:Könnt ihr bitte auch mal Dominion vorstellen? Danke ! :D
Zu simpel, zu wenig Langzeitmotivation! ^^
Ist ja auch eher ein Kartenspiel in Brettspielverpackung. Für eine kleine Runde zwisschendurch oder Leute, die nicht viel von Regelwerken halten (sondern "nur" spielen wollen), ist es aber sehr zu empfehlen. Hoher Spaßfaktor, aber wenig Anspruch.
Wenn du noch Fragen hast, frag! Falls du nur auf das Spiel hinweisen wolltest, ignoriere alles vorherige *g*
ArcticAge schrieb am
Könnt ihr bitte auch mal Dominion vorstellen? Danke ! :D
schrieb am

Facebook

Google+