Civilization: Das Brettspiel
Strategie (Runden-Strategie)

Special: Civilization: Das Brettspiel

So testet 4Players
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Autor:
Jörg Luibl

Unterschiede zum Computerspiel

Die Stapel für Infanterie, Kavallerie, Artillerie und Luftwaffe. Zu Beginn ist jeder auf der ersten Stufe.
Die Stapel für Infanterie, Kavallerie, Artillerie und Luftwaffe. Zu Beginn ist jeder auf der ersten Stufe, hier hat der gelbe Spieler schon etwas aufgerüstet.
So mancher digitale Civ-Veteran könnte sich etwas eingeengt fühlen, denn man kann keine riesigen Weltreiche bauen – obwohl das so aussieht, wenn man mit vier Teilnehmern den Rahmen jedes normalen Tisches sprengt. Man ist im Brettspiel naturgemäß beschränkter, was die räumliche Ausdehnung angeht: Es gibt maximal drei Städte und diese können ihre Einflusszone von acht Feldern nicht erweitern – es gibt also keine territoriale Expansion oder gar Integration anderer Städte. Auch das Mikromanagement fällt hier weg: Man muss sich weder um die Ernährung noch um Straßen oder Arbeiter kümmern.

Es gibt natürlich noch viel mehr Unterschiede, aber unterm Strich auch so viele markante Ähnlichkeiten in der Spielmechanik, vor allem was die Forschung, das Gebäudemanagement oder die multiplen Siegbedingungen angeht, dass ein vergleichbares Flair entsteht. Zumal auch auf dem Brett ganz entscheidend für den Erfolg ist, mit welcher Konsequenz man sich in die kulturelle, wirtschaftliche, wissenschaftliche oder militärische Richtung entwickelt. Bei unseren Probespielen schienen die Kulturspieler einen kleinen Vorteil zu haben, weil sie im Vergleich zu den Münzspielern sehr schnell ihre Punkte ergattern können – aber auch das ließ sich über frühe Angriffe einigermaßen kontern.

Unterschiede zu „Im Wandel der Zeiten


Auch Weltwunder sind dabei, die sehr effiziente Boni bringen.
Auch Weltwunder sind dabei, die sehr effiziente Boni bringen.
Das Auge isst natürlich auch auf dem Tisch mit und da wirkt Civilization deutlich edler, wertiger und ansehnlicher als der etwas mager illustrierte Imperienbau von  Vlaada Chvatil. Außerdem fehlen dort die Erkundungsreize, da man kein Gelände aktiv erkundet, sondern lediglich sein Reich verwaltet, was zunächst etwas steril anmutet. Und für Gelegenheitsstrategen ist Chvatils ausgeklügelter, aber erst auf lange Sicht motivierender Imperienbau schwerer zu verdauen, da das Regelwerk etwas vertrackter und die Spieldauer für eine Partie deutlich länger ist.

Allerdings hat die Spielmechanik bei Im Wandel der Zeiten auch einige Vorteile, die hier fehlen: Zum einen ist das Mikromanagement dort interessanter, weil Ernährung und Produktivität des Reiches eine tragende Rolle spielen – da ist man näher an Civ als dieses offizielle Brettspiel.  Zum anderen spürt man den Wechsel und das Voranschreiten der historischen Zeiten deutlicher, denn die Persönlichkeiten, Gebäude und Technologien befinden sich in Chvatils Ansatz in einem stetigen Fluss, so dass man wirklich das Gefühl von historischer Entwicklung bekommt. Im offiziellen Brettspiel zu Civilization wird das lediglich ein wenig über die Kulturleiste und die Wunder angedeutet, die in einem neuen Zeitalter wechseln.

Ausblick


Jörg Luibl (44)   Sieht sehr edel aus, ist strategisch tief, spielt sich überraschend knackig! Wer bisher Angst vor historischen Regelungeheuern hatte, könnte mit dieser Zeitreise eines Besseren belehrt werden – zumal sie auch zu zweit für taktische Spannung sorgt. Und vor allem digitale Civ-Veteranen sollten sich diese Tischvariante ansehen, denn das Flair und die Spielmechanik lassen schnell angenehme Erinnerungen aufkommen. Es ist zwar schade, dass nur maximal vier Spieler teilnehmen können und dass es etwas wenig Gebäude sowie keine Stadtexpansion gibt, aber dafür entschädigt das Brettspiel von Kevin Wilson mit seinen Stärken: Sechs unterschiedliche Völker, eine modular aufgebaute und immer etwas anders strukturierte Welt, Schere-Stein-Papier-Gefechte ohne Würfel, frühe Erkundungsreize durch Scouts und verdeckte Gebiete, ein durchdachtes Konzept der Forschung und vier Siegbedingungen, die jeweils eine andere Taktik verlangen.  Wir haben aktuell viel Spaß mit diesem wunderbar illustrierten Spiel – auch wenn ich als Miniaturenfan lieber Plastikfiguren statt Armeekarten gesehen hätte. Aber Kevin Wilson hat nach dem überragenden Arkham Horror ein weiteres komplexes, aber unheimlich Zeit fressendes Schmuckstück von Brettspiel entwickelt. Civilization ist der hier besprochenen Konkurrenz zwar nicht in allen inhaltlichen Belangen überlegen, aber es gehört neben „Im Wandel der Zeiten“ derzeit zu den besten historischen Aufbauspielen.

Für alle, die eine Wertung vermissen: Wir werden hier nur unsere Highlights vorstellen. Natürlich gibt es auch in der Brettspielwelt einen bunten Mainstream und billigen Murks, aber wir haben keine Zeit für Verrisse. Das ist zunächst ein Angebot, das wir euch zusätzlich bieten. Deshalb konzentrieren wir uns auf die empfehlenswerten Vertreter und die kreativen Geheimtipps, die man vielleicht nicht in jedem Kaufhaus findet.

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Kommentare

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  • Ab Dezember soll eine Erweiterung raus kommen: Fame and Fortune Bald darauf eine deutsche Umsetzung. [url=http://www.heidelbaer.de/home/news-termine/einzelansicht-news/news/civilization_fame_and_fortune_erweiterung_angekuendigt/back/35/]Hier Nachlesbar[/url] Das  [...] Ab Dezember soll eine Erweiterung raus kommen: Fame and Fortune Bald darauf eine deutsche Umsetzung. [url=http://www.heidelbaer.de/home/news-termine/einzelansicht-news/news/civilization_fame_and_fortune_erweiterung_angekuendigt/back/35/]Hier Nachlesbar[/url] Das mit den Handelspunkten ist ein guter Tip. Aber generell ist leider, habe ich auch das Gefühl, dass Spiel grundsätzlich etwas unbalanciert. Ohne 2. Stadt schnell gründen geht auch nicht viel. Mal sehn was die Erweiterung da macht.
  • Wie gesagt, probier mal die Nachschub-Regel. Macht das Spiel strategischer und wägt Techen & Militär besser gegeinander ab. Rücke ich eher vor, um meinen Feind zu schwächen, oder teche ich liebe?
  • Ich finde ebenfalls, dass der Forschungssieg der einfachste und vielversprechendste ist, weshalb ich mich sofort von Anfang an auf Handelspunkte konzentriere. Um Kulturpunkte (diese Plättchen) zu bekommen, muss man extra eine Stadtaktion darauf verwenden, um welche zu bekommen, während man  [...] Ich finde ebenfalls, dass der Forschungssieg der einfachste und vielversprechendste ist, weshalb ich mich sofort von Anfang an auf Handelspunkte konzentriere. Um Kulturpunkte (diese Plättchen) zu bekommen, muss man extra eine Stadtaktion darauf verwenden, um welche zu bekommen, während man Handelspunkte so "nebenbei" in der Handelsphase erntet. So gerne ich Spiele von FFG mag, jedes mal habe ich das Gefühl die Spiele haben oft ein unausgewogenes Balancing.

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