Special: Der Puppenspieler

19.09.2013, Autor: Benjamin Schmädig

Jump&Run für PlayStation 3






Video: Der Puppenspieler, Launch-Trailer



Der zweite Erzähler



Patrick Doyle – der Name ist kein Williams oder Goldsmith. Trotzdem ist der Komponist, der in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag feierte, ein Urgestein der Filmmusik. Er vertonte Harry Potter und der Feuerkelch, Carlito's Way, Thor, Mary Shelley's Frankenstein sowie Planet der Affen: Prevolution. Er verbindet klassische Komposition mit modernen
Einflüssen und elektronischen Arrangements.

Für seinen Puppenspieler holte Spieleregisseur Gavin Moore den Veteranen allerdings aus einem anderen Grund an Bord, denn Doyle komponiert auch fürs Theater. Immerhin ist das Abenteuer um Kutaro und den Mondbärenkönig eine Liebeserklärung an die Bühnenkunst – mit Kulissen wie aus Holz geschnitzt und einer ausdrucksstarken Musik, die ihre Geschichte ganz ohne Bilder erzählen könnte. Unter modernen Soundtracks, die meist nur eine grundlegende Stimmung unterstreichen, ist diese Verwendung als zweiter Erzähler eine richtige Wohltat. Doyle weckt Erinnerungen an die Hochzeit orchestraler Filmmusik.


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Farbe statt Vorhang



Vor allem tut er es mit einer lebendigen Spielfreude, die vom Ohr durchs Herz und in den Fuß geht. In "Woe Is Me" lädt er mit Akkordeon an das Klavier einer verrauchten Hafenkneipe, sein "Tea Party" entführt im fröhlichen Walzerrhythmus auf die Tanzfläche. Das beschwingte "This Saturday Morning Cartoon Is Over" legt schließlich einen Schuh drauf, wenn sich Solisten im gesamten Orchester den flotten Ball zuspielen. Das Xylophon springt den flinken Takt vor, die Flöten ziehen mit, eine Tuba müht sich zum behäbigen Abschluss. Famos, wie Doyle gezielt Konturen zeichnet, anstatt den Hintergrund mit einem Vorhang aus Streichern zu verhängen.



Teigwaren und Gespenster



Er ist dabei nicht auf ein Szenario festgelegt, sondern wandert von der Küste über die mexikanische Wüste bis auf einen nächtlichen Friedhof. In "Across the Plains" zitiert ein pfeifender Cowboy Ennio Morricones Spaghetti-Western, bevor Trompeten zum

Verfügbarkeit


Der Soundtrack ist derzeit nicht erhältlich, denn Sony bot den Download nur für Vorbesteller des Spiels an. Ob die Musik auch unabhängig verfügbar sein wird, ist derzeit leider nicht bekannt.
mexikanischen Tanz bitten. In "Halloween Ville" laufen kurz gestrichene Violinen erst davon, dann fließen sie wie ferne Gespenster die Tonleiter auf und ab. Bezaubernd, wenn in "Open the Gate" Streicher und Flöten wie vor einem märchenhaften Geheimnis auf der Stelle schweben.

Aber nicht nur Schauplätze, auch Figuren beschreibt Doyle liebevoll und akzentuiert. Das eröffnende "Kutaro" streckt ebenso kämpferisch wie naiv das Schwert in die Höhe; es lässt keinen Zweifel daran, dass ein junger Held die Bühne betritt – genauso wenig wie das folgende "Moon Bear King" einen anderen Gedanken zulässt, als dass die schweren Schritte der Bässe dem Bösewicht gehören. Jede Note erzählt ihren Teil der Geschichte.


Vielleicht klingt Patrick Doyles Musik ein wenig zu sehr nach aneinander gereihten Exponaten, weil er angespielte Themen nur selten aufgreift und entwickelt. In diesen Exponaten zeigt er allerdings eindrucksvoll, was der modernen Film- und Spielmusik oft fehlt: Mit wenigen Pinselstrichen zeichnet er lebendige Bilder, anstatt mit einfarbigen Mustern grobe Flächen abzudecken. Mit beschwingter Leichtigkeit wechselt er von träger Finsternis zu märchenhaftem Zauber und quirligem Tanz. Sein Orchester prägt das Abenteuer mit einer verspielten Farbenfreudigkeit. Schön, dass Sonys Komponisten solche wertvollen Akzente setzen!



Einschätzung:

ausgezeichnet