Die Glasstraße - Brettspiel-Test, Brettspiel, Spielkultur - 4Players.de

4Players.de Das Spielemagazin. Kritisch. Ehrlich. Aktuell.


Um dieses Feature zu nutzen, musst du
"4Players pur" nutzen:

Du hast schon einen pur-Account? Dann logge dich ein!
Noch kein pur-Nutzer? 4Players pur – Zahl, was du willst!

Hinweis schließen.


Die Glasstraße (Brettspiel) von Feuerland Spiele
Brandrodung und Gebäudebau
Worker Placement (Arbeitersetzspiel)
Entwickler: Uwe Rosenberg
Publisher: Feuerland Spiele
Release:
20.10.2013
Spielinfo Bilder Videos
Erst vor zwei Jahren gegründet, steht Feuerland Spiele von Frank Heeren und Uwe Rosenberg (Agricola, Le Havre) bereits für hochwertige Produktionsqualität und anspruchsvolles Spieldesign: Für Terra Mystica hat man international sehr gute Kritiken erhalten – auch wir haben den kreativen Mix aus Terraforming, Gebäudebau und Rohstoffernte bereits empfohlen. Jetzt legt man mit Die Glasstraße nach. Kann auch das zweite Brettspiel aus Eppstein überzeugen?

Jagd auf Gebäude

Die Glasstraße ist für knapp 30 Euro komplett auf Deutsch bei Feuerland Spiele erschienen. Man kann es alleine oder mit bis zu vier Leuten spielen. Es ist auch zu zweit empfehlenswert.
Die Glasstraße ist für knapp 40 Euro komplett auf Deutsch bei Feuerland Spiele erschienen. Man kann es alleine oder mit bis zu vier Leuten spielen. Es ist auch zu zweit empfehlenswert.
Darf das wahr sein? Erst hat sie mir die Glaserei weggeschnappt, die mir am Ende für jedes verbaute Glas einen Punkt gebracht hätte. Und jetzt hat sie mir doch tatsächlich noch den Fischhof geklaut! Wofür habe ich denn schon vier Teiche zusammen angelegt? Oder war das etwa zu offensichtlich? Jedenfalls hätte ich am Ende vier Siegpunkte dafür bekommen. Unsere Beziehung wird im Spiel zu zweit gerade auf eine harte Probe gestellt – aber noch ist Zeit. Und schmollen bringt nichts, ich brauche einfach eine bessere Strategie. Schließlich werden in jeder der vier Bauperioden auch die zwölf möglichen aus einem Pool von 93 Gebäuden aufgefrischt.

Also pfeife ich auf diese eine Glaserei – da kommt sicher noch etwas Wertvolles! Es gibt ja drei Arten von Gebäuden: Mit den blauen kann ich quasi jederzeit Rohstoffe oder Land umwandeln, um z.B. aus einem Holz zwei Holzkohle oder aus einem Teich zwei Nahrung plus Holz machen. Sie sind ideal, um sein Spiel frühzeitig dynamisch anzupassen sowie Engpässe zu vermeiden. Mit den beigen kann ich einmalig etwas bekommen, z.B. sofort sieben Lehm oder Gehölze – gerade in der Anfangsphase kann das helfen. Und die braunen verleihen mir schließlich am Ende wertvolle Punkte, z.B. pro Wald, pro Teich oder pro Mulde. Selbst Sets aus Landschaften werden belohnt!

Verdeckte Kartentaktik

Hier ein Spielaufbau für zwei Personen. Jeder startet mit derselben Anordnung der Landschaft.
Hier ein Spielaufbau für zwei Personen. Jeder startet mit derselben Anordnung der Landschaft.
Aber bevor man etwas baut, muss man zunächst die Rohstoffe dafür haben. Für die Ernte nutzt man eine eigene Landschaft, auf der zwanzig Felder abgebildet sind. Dort kann man dann frei schalten und walten! Worauf will man sich spezialisieren? Oder geht man auf Vielfalt? Zu Beginn sind nur Wälder, Teiche, Mulden und Gehölze zu sehen. Lediglich am linken Rand befinden sich drei Startgebäude, die man später aufwerten kann. Wer etwas ernten will, spielt dafür eine von fünf Handkarten aus, die einen von fünfzehn Berufen darstellen: Wer den Brandroder auslegt, darf z.B. einen Wald entfernen und entweder zwei Holzkohle oder zwei Nahrung dafür einsammeln. Oder gar beides!

Und hier kommt der Kniff der Karten-Exklusivität ins Spiel: Hat nämlich keiner der anderen Spieler den Brandroder, darf man beides ernten – das sorgt im Vorfeld für Spannung, zumal jeder seine Aktionskarte zunächst verdeckt ausspielt. Und wenn man Glück hat, macht man fette Beute! Hat jemand anderes aber im Moment des Aufdeckens auch den Brandroder auf der Hand, darf er diesen umgehend selbst spielen und beide ernten jeweils nur einen der abgebildeten Rohstoffe. Da man vor jeder Bauperiode nur fünf von fünfzehn Berufen wählt, gewinnen die Karten auch eine taktische Bedeutung.

Vom Zimmermann zum Lehnsherren

Jeder Spieler hat fünfzehn Karten, die jeweils andere Berufe darstellen. Man wählt vor jeder Runde fünf aus und kann dann Aktionen wie Ernte oder Bau einleiten.
Jeder Spieler hat fünfzehn Karten, die jeweils andere Berufe darstellen. Man wählt vor jeder Runde fünf aus und kann dann Aktionen wie Ernte oder Bau einleiten.
Und mit ihnen kann man mehr als nur ernten: Wer z.B. den Lehnsherren ausspielt, darf drei Gebäudekarten ziehen und in seine Auslage legen – die kann dann keiner mehr stibitzen! So schafft man sich zudem einen Pool aus Gebäude-Jokern, falls auf der offiziellen Tafel mal nichts Lukratives liegt. Und das Beste ist: Man kann selbst die Nieten in der Auslage noch in Rohstoffe verwandeln, wenn man die Amtsstube oder das Dachziegelwerk baut. Alles ist also miteinander verzahnt, wobei das Ausspielen des richtigen Berufs zur richtigen Zeit eine wichtige Rolle spielt.

Wann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich exklusiv und damit doppelt ernten kann? Und welchen Beruf spart man sich für wann auf? Es bringt ja nichts den Baumeister auszulegen, wenn man keine Rohstoffe hat, damit er loshämmern kann! Und was soll der Holzfäller, wenn man schon alles gerodet hat? Man muss also darauf achten, wie man in seinem Bereich das Verhältnis von Gebäuden und Landschaften (Teiche, Mulden, Gehölze und Wälder) gestaltet. Es kann sich z.B. lohnen, sich auf Mulden und den dort erhältlichen Sand zu spezialisieren. Oder auf Teiche und Wasser. Oder auf Sets.

Kommentare

darkapct schrieb am
Ich hatte bisher ein Spiel wo alle Wälder gerodet waren und das passiert wirklich selten und nur wenn darauf gespielt wird. Kann sich da ein Spielfehler eingeschlichen haben? Es werden nämlich nur drei Karten in jeder der vier Runden gespielt (plus eventuelle 2 Extrakarten), und nicht drei mal drei. Wenn die Siegpunkt irgendwo bei 15 bis 25 sind, dürfte alles richtig, sein, sonst eher nicht.
4P|T@xtchef schrieb am
Mal sehen. Vielleicht schaffe ich das noch vor Weihnachten.
Zur Anziehungskraft: Stimmt, die Glasstraße wirkt zunächst etwas bieder. Terra Mystica ist sicher abwechslungsreicher, Tz'olkin hübscher und vielfältiger, aber hier greifen die Mechanismen sehr gut ineinander - es macht Spaß, von Beginn an die richtigen Bauten zu jagen oder seine Strategie nach ein paar Runden umzuwerfen (was in den beiden oben Genannten nicht so leicht geht!). In diesem Segment zwischen Rohstoffernte und Gebäudebau ist es aber auch sehr schwer, noch kreativ aufzufallen. Da gibt's ja zig wirklich gute Spiele.
Makake schrieb am
Danke mal wieder für den schönen Bericht.. das Spiel hat mich zunächst nicht so 100% angesprochen gehabt, aber jetzt bin ich doch wieder zumindest sehr neugierig. Kommt eigentlich auch dieses Jahr wieder eine Zusammenfassung eurer Highlights aus Essen? Die fand ich 2012 extrem gelungen.. :)
schrieb am

Facebook

Google+