Cthulhu Wars - Brettspiel-Test - 4Players.de

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Cthulhu Wars (Brettspiel) von Green Eye Games, Petersen Games
Die Großen Alten am Tisch
Aufbaustrategie
Entwickler: Sandy Petersen
Publisher: Green Eye Games, Petersen Games
Release:
10.10.2015
Spielinfo Bilder Videos
Cthulhu Wars wurde von 4.389 Unterstützern über Kickstarter finanziert. Kling nicht grandios, aber es gehört zu den schwarmfinanzierten Brettspielerfolgen: Spieldesigner, Lovecraft-Experte, Horrorfan und Filmproduzent Sandy Petersen konnte mit seiner Idee etwas über 1,4 Millionen Dollar sammeln. Damit wird Strategie auf einer Weltkarte für zwei bis vier Fraktionen inszeniert, die 64 Monster in die Schlacht schicken. Warum die Eroberungen gut unterhalten, klärt der Test.

Die Großen Alten in XXL

Ob Westafrika gleich mit einem großen Malmen in der Tischplatte versinkt? Am besten schonmal die Kaffetasse und die Kekse zur Seite stellen. Wenn man für einen Angriff siebzehn (!) schwarze Würfel in der Hand schüttelt, liegt jedenfalls der Tod in der Luft - und man kann sich ein böses Grinsen nicht verkneifen. Da versammeln sich gerade drei "Große Alte" samt Anhang, so dass man kaum noch Land sieht - der menschliche Kultist wirkt zwischen ihnen wie ein erbärmlicher Wurm. In diesen Momenten fängt das Spiel die Ohnmacht unserer Zivilisation gegenüber dem außerweltlichen Horror von H.P. Lovecraft ganz gut ein.

Cthulhu Wars ist nur auf Englisch erschienen und aktuell lediglich als Einzelexemplar in Brettspielshops, über Auktionen auf Ebay oder Boardgamegeek für 150 - 200 Dollar erhältlich.
Cthulhu Wars ist nur auf Englisch erschienen und aktuell lediglich als Einzelexemplar in Brettspielshops, über Auktionen auf Ebay oder Boardgamegeek für 150 - 200 Dollar erhältlich.
Dieses Cthulhu Wars kleckert nicht, sondern klotzt und lässt das Auge regelrecht mitfressen. Die 64 Plastikfiguren sind mit ihren Tentakeln, Mäulern und Verformungen nicht nur genauso grotesk designt, wie man das von Lovecraft'schen Monstrositäten erwartet. Es gibt darunter froschartige, insektoide, untote, drachenähnliche, bestialische oder wurmartige Kreaturen und es macht Spaß, seinen Club der kuriosen Ungetüme aufzustellen. Zwar erreichen die Miniaturen en detail nicht die Klasse eines Gears of War, Dust Tactics oder gar die Brillanz des kommenden Journey: Wrath of Demons (Seite 2, ganz unten), aber sie sind ansehnlich designt.

Und einige sind verdammt groß: Ein außerirdischer Anführer wie der geflügelte "Cthulhu" erreicht ein Gardemaß von 18 cm - okay, er hockt auf einem Felsen,
In der schwarzen Box befinden sich 64 Plastikminiaturen, darunter vier übergroße Figuren der Großen Alten, die teilweise 17 cm erreichen. Auch wenn diese en detail nicht die Qualität erreichen wie etwa jene in Gears of War, sind Design und Verarbeitung ansehnlich. Überhaupt gibt es keinerlei billiges Material - auch die Zauberbücher und sonstige Marker bestehen aus dicker Pappe, die beim Ausstanzen nicht knickt oder franst
In der schwarzen Box befinden sich 64 Plastikminiaturen, darunter vier übergroße Figuren der Großen Alten, die teilweise 17 cm erreichen. Auch wenn diese en detail nicht die Qualität erreichen wie etwa jene in Gears of War, sind Design und Verarbeitung ansehnlich. Überhaupt gibt es keinerlei billiges Material - auch die Zauberbücher und sonstige Marker bestehen aus dicker Pappe, die beim Ausstanzen nicht knickt oder franst
aber das ist schon eine halbe Statue. Auch die anderen "Großen Alten" wie der wandelnde Megaglatzkopf "Hastur" oder der grazile Krakengreifer "Nyarlathotep" sorgen bei der ersten Beschwörung am Tisch für einen gewissen Respekt beim Gegner - vor allem, wenn der bisher nur Kultisten und kleine Monster parat hat. Außerdem sieht die Weltkarte irgendwann einfach aus wie ein dämonisches Kolosseum - cool.

Eskorte statt Sturmangriff


Dabei ist Cthulhu Wars kein Blender, es geht in diesem Strategiespiel weder in erster Linie um Gebietsgewinne à la Risiko noch um Masse statt Klasse: Zwar besitzen die Großen Alten enorme Angriffskräfte, aber sie sterben genauso schnell wie normale Monster. Sie haben nämlich keine erhöhte Lebenskraft und eine Sechs reicht aus, um sie zumindest kurzfristig zu verbannen. Das Kampfsystem simuliert den gleichzeitigen Schlagabtausch und ist sehr einfach konzipiert, denn man würfelt pro Stärkepunkt der Armee im betreffenden Gebiet einen W6. Wobei eins, zwei und drei jeweils Patzer sind, vier und fünf lediglich Schmerzen (=Rückzug in Nachbargebiet) bereiten und erst die sechs als "Kill" zählt.

Das kann in der Praxis dazu führen, dass ein Großer Alter zwar seine geballte Angriffskraft von z.B. zehn Würfeln auf die Platte schmettern und bei mehreren Sechsen durchaus vielfachen Tod verbreiten kann, aber dass ihn dieser eine kleine "Flying Polyp" oder "Deep One" mit seiner mickrigen Angriffskraft von einem Würfel mit einer einzigen Sechs ebenfalls töten kann - autsch. Da immer der Betroffene die Opfer in den eigenen Reihen bestimmt, bedeutet das taktisch: Man sollte seine pompösen Riesen niemals alleine lassen, damit man andere opfern kann - wo wir übrigens wieder bei recht authentischem
Der Amerikaner Sandy Petersen hat Cthulhu Wars konzipiert, das Artdesign stammt von Richard Luong.
Der Amerikaner Sandy Petersen hat Cthulhu Wars konzipiert, das Artdesign stammt von Richard Luong.
Cthulhu-Flair wären.

An dieser Stelle ein kurzes Portrait, denn das kommt nicht von ungefähr, dass gerade Sandy Petersen Cthulhu Wars konzipiert hat. Der Amerikaner ist mittlerweile Großvater und hat eine kunterbunte, höchst verspielte Vita vorzuweisen: Er war u.a. als Autor für das Pen&Paper-System RuneQuest aktiv und an der Entwicklung des Rollenspiels zu Ghostbusters (1986) beteiligt. Außerdem hat er viel Computerspielluft geschnuppert: Er hat kurze Zeit an Klassikern wie Pirates sowie Civilization mitgearbeitet, bevor er bei id Software (1993) und danach bei den Ensemble Studios (1997) anheuerte. Er hält Vorlesungen in Game Design, verlegt das Horrormagazin "Arcane: Penny Dreadfuls for the 21st Century" und hat den Film "A Whisperer in Darkness" (2011) als Hommage an Lovecraft mit produziert. Schließlich war er es, der im Rollenspiel "Call of Cthulhu" neben den Großen Alten die Äußeren Götter kategorisiert hat. Und jetzt zurück zum Brettspiel.

Kommentare

IronShock schrieb am
Das sonstige Spielmaterial besteht entweder aus 3 mm dicker Pappe (die Portale, Spellbooks und diversen Marker) bzw. 350g-Kunstdruckkarton (Fraktionskarten, Doom Track, Ritual Track). Das alles fühlt sich im "täglichen Gebrauch" nicht schlechter an als die Bestandteile anderer Oberklasse-Brettspiele (allerdings auch nicht so viel besser, wie man es sich vielleicht von einem 200-?-Spiel erhoffen würde).
Keine Ahnung, warum die Fraktionskarten auf Jörgs Fotos so verbogen aussehen, vielleicht war seine Box etwas ungünstig gepackt ...
janusz schrieb am
Die riesigen Plastikfiguren sind ja ganz cool, aber das sonstige Spielmaterial sieht doch ziemlich billig aus.
IronShock schrieb am
Numrollen hat geschrieben:... aufgrund des Preises versucht man natürlich aus einem sehr gutes Spiel ein perfektes Spiel zu machen das den Preis ansatzweise "Wert" ist. ...
Wie ich bereits erwähnt habe, musste ich persönlich mir bislang keine Gedanken darüber machen, ob das Spiel seinen Preis wert ist oder nicht - ich hab's ja nicht gekauft, sondern bin nur regelmäßiger Mitspieler bei einem Arbeitskollegen, der das Projekt im ersten Kickstarter unterstützt hat. Insofern ist meine oben abgegebene Einschätzung bezüglich der Güte des Spiels relativ unabhängig von solchen Überlegungen entstanden.
Aussagekräftig könnte da schon eher Folgendes sein: Die Wahrscheinlichkeit, dass ich "Cthulhu Wars" jemals in einer Situation spielen werde, in der besagter Kollege und sein Exemplar des Spiels nicht anwesend sind, ist enorm gering. Dennoch erwäge ich ernsthaft, trotz des hohen Preises beim gerade laufenden "Cthulhu Wars"-Kickstarter ("Onslaught 2") einzusteigen, weil mir das Gameplay so gut gefällt, dass ich für alle Fälle eine eigene Ausfertigung des Spiels besitzen möchte.
Vernunft und Kontostand sagen mir, dass das Blödsinn ist, aber ... na ja, man wird sehen.
Numrollen schrieb am
Naja in den Top3? Es ist neu und aufgrund des Preises versucht man natürlich aus einem sehr gutes Spiel ein perfektes Spiel zu machen das den Preis ansatzweise "Wert" ist. Habe etwas gelesen aber nicht gespielt. Dafür ist meine Brettspielgruppe zu dezentralisiert das sich 200? mittelfristig lohnt, bzw. ist es mir zu schade Brettspiele einfach stehen zu lassen.
schrieb am

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