Blood Rage - Brettspiel-Test - 4Players.de

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Blood Rage (Brettspiel) von Asmodee, Cool Mini or Not
Ruhmreich nach Walhall
Aufbaustrategie
Entwickler: Eric M. Lang
Release:
10.10.2015
Spielinfo Bilder Videos
Was ist wichtiger als Geld, Gesundheit oder die Frührente? Natürlich der Ruhm! Zumindest laut einiger altnordischer Heldenlieder und etwas aktueller im Brettspiel "Blood Rage" von Eric M. Lang. Der Amerikaner hat gerade XCOM: Das Brettspiel mit digitaler Regie konzipiert, aber kehrt jetzt ganz klassisch mit Figuren und Karten an den Tisch zurück. Die Welt der Wikinger scheint zu faszinieren: Knapp 10.000 Unterstützer haben fast eine Million Dollar über Kickstarter beigetragen und Asmodee vertreibt mittlerweile die deutsche Version. Wie uns die Kämpfe im Angesicht der alten Götter gefallen haben, klären wir im Test.


Das Leben vergeht, Ruhm währt ewig

Wieso grinse ich süffisant, wo doch gerade ein ganzes Land in Trümmern versinkt und all meine Krieger verschlingt? Weil mir diese tapferen Recken im Angesicht von Ragnarok noch reichlich Ruhm bringen - jeder Mann satte drei Punkte! Also setze ich als Anführer des Rabenclans meinen blauen Stein fröhlich um neun Punkte vor, während ich meine Toten nach Walhall überführe. Und das Beste ist: Im nächsten Zeitalter begrüße ich sie wieder in meinen Reihen - Odin sei Dank! Eine der Besonderheiten von "Blood Rage" ist, dass man diese Wiederkehr in seiner Strategie ebenso berücksichtigen kann wie die Tatsache, dass auch tote Krieger für Ruhm sorgen. Es gibt u.a. Aufträge, für die man z.B. vier Gefallene in Walhall vorweisen muss, um von den Göttern belohnt zu werden. Ähnlich wie im Klassiker Small World sollte man aber genau wisen, wann man seine Jungs dem Untergang weiht.

Blood Rage ist komplett auf Deutsch bei Asmodee erschienen, für zwei bis vier Spieler ab 14 Jahren ausgelegt und kostet knapp 70 Euro. Das Brettspiel wurde über Kickstarter von 9.825 Unterstützern mit 905.682 Dollar finanziert.
Blood Rage ist komplett auf Deutsch bei Asmodee erschienen, für zwei bis vier Spieler ab 14 Jahren ausgelegt und kostet knapp 70 Euro. Das Brettspiel wurde über Kickstarter von 9.825 Unterstützern mit 905.682 Dollar finanziert.
Über drei Zeitalter hinweg ringen zwei bis vier Spieler um diesen ewigen Ruhm. Drei mal kommt es dabei zu Ragnarök. Im Altnordischen bedeutet das "Schicksal der Götter", nicht etwa Weltuntergang. Am Tisch wird das so inszeniert, dass ein bestimmtes von neun mythischen Ländern sowie alle dort versammelten Krieger verschlungen wird, sobald der Marker das Ragnarökfeld erreicht. Erst nach diesen drei Runden wird abgerechnet: Welcher Clan hat am meisten Ruhm sammeln können? Sehr angenehm ist, dass sich dieser Wettlauf aufgrund des schlanken Regelwerks überaus flott spielt und dass man Rückstände der ersten Runde locker im Finale ausgleichen kann, weil sich die Ausschüttungen an Ruhm stetig steigern. Zu Beginn gleichen sich Bären, Schlangen, Raben und Wölfe noch mit ihrem Anführer und acht Kriegern sowie ihrer maximalen Stärke sowie Anzahl. Es gibt also je nach Fraktion zunächst keine exklusiven Fähigkeiten, Monster oder Spezialregeln wie etwa in Cthulhu Wars, das hinsichtich dieser Eigenarten komplexer gestrickt ist.

Viel Kampf, viel Ehr', aber kein Hack&Slay

Hört sich also nach einem Hack&Slay an? Oder nach einem Wargame? Ist es aber nicht. Blood Rage simuliert mit seinen sehr simplen Kämpfen weder taktische Gefechte im Gelände wie z.B. Battlelore noch ist es ein blutiges Gemetzel für zwischendurch wie z.B. Zombies!!!. Auch wenn die toll designten Krieger und Monster in Tabletop-Schlachten eine gute Figur machen würden: Es geht hier nicht um Deckung, Sichtlinien und Formationen, sondern um die effiziente Entwicklung seines Clans, um geschicktes Antizipieren und gut geplante Angriffe, um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, um stetig wechselnde Gebietskontrolle - man kann natürlich trotzdem Enslaved laufen lassen, denn es geht ständig zur Sache und die alten Götter fordern für ihre Gaben einen hohen Bodycount. Walhall ist quasi immer ausgebucht.

Der farbige Spielplan zeigt nicht Europa um Nord- oder Ostsee, sondern ein mythisches Reich mit neun Gebieten samt Dörfern und Fjorden. In der Mitte liegt das einzige dorflose Gebiet mit der Weltesche Yggdrasil.
Der Spielplan zeigt nicht Europa um Nord- oder Ostsee, sondern ein mythisches Reich mit neun Gebieten samt Dörfern und Fjorden. In der Mitte liegt das einzige dorflose Gebiet mit der Weltesche Yggdrasil.
Was ist also der Kern der Spielmechanik? Das Karten-Management mit seinem Draftsystem sowie die fünf möglichen Aktionen bilden das Fundament.

Kartenmanagement mit Göttergaben

Schon vor der Auswahl der richtigen Aktionen spielt das Kartenmanagement eine wichtige Rolle. Ähnlich wie in 7 Wonders wählt man eine von acht Karten aus, um den Rest dann an seinen Nachbarn weiterzugeben. Das geht so lange, bis jeder sechs Karten auf der Hand hat. Aber welche behält man? Es gibt lukrative Aufgaben, bessere Waffen für Krieger oder Monster, Aufrüstungen für das Schiff oder den Anführer sowie die Kampfkarten, die einem in der Schlacht helfen. Man hat also durchaus die Qual der Wahl bei der Entwicklung seines Clans. Und die besten Karten bekommt man nicht auf einen Schlag - so wird das Glück durch die gezielte Auswahl und Rotation angenehm eingedämmt.

Zu Beginn gleichen sich wie gesagt alle Clans noch, denn alle starten mit je zehn Spielfiguren: acht Krieger, ein Anführer sowie ein Schiff. Mit jedem der drei Zeitalter wachsen die Unterschiede, die auf dem Clanbogen über Marker und Karten ersichtlich sind. Drei Symbole stehen dabei im Mittelpunkt: Wut, Äxte und Hörner repräsentieren die maximale Energie für Aktionen, den erworbenen Ruhm für Siege sowie die maximale Zahl an Figuren. Man kann sich also auch spezialisieren, um z.B. über sehr viele Aktionen dank hoher Wut bei vielleicht wenig Ruhm aufgrund weniger Äxte erfolgreich zu sein. Jeder Clan darf zudem einzigartige Monster anwerben: Es gibt neun mythische Kreaturen in allen Größen, darunter Trolle und Riesen, die in der Schlacht natürlich sehr nützlich sind - und auch sie können Ruhm gewinnen.


Kommentare

SirJethro schrieb am
Zwei weitere Partien gespielt. Die letzte war ein ziemlich Abzug. Der Gewinner konnte über 200 Punkte einsacken, ich kam auf um die 50 und der Zweitplatzierte auf rund 80. Wieder einmal wollte in meiner Spielweise nichts klappen, bekam die Leisten nicht hoch und im dritten Zeitalter hatte ich gerade einmal 8 Wut Punkte. Der Gewinner erzielte Punkte, durch mehrere und valide Strategien, es klappte sozusagen alles, jede Kombination, die massig Punkte bringt, wie zum Beispiel die doppelte Anzahl an Punkten bei Ragnarök. Durch den stets hohen Hornwert konnte er auch das Spielfeld mit Spielfiguren überschwemmen.
Dazu hat er Spieler Nummer 2 in einem sehr wichtigen Kampf mit der Karte, die alle Sonderfähigkeiten (Thors Vorrang) auflöst, gewonnen.
Gerade diese Karte stieß bei Spieler 2 bitter auf, da er dachte, bereits mit seiner Kampfkarte (Heimdalls Wache), die bereits einen Vorrang hat würde er gewinnen und er beschwerte sich über die " extra Sonderkarte".
Was mir aber auch wieder auffiel. Der Sieger aus der Schlacht um Yggdrassil hat Vorteile, dadurch, dass er dort verweilen darf. Erst recht, wenn eine starke Präsenz dasteht. Während die anderen im nächsten Zeitalter erst wieder Figuren ins Spielfeld bringen müssen, kann er sofort wieder Plättchen plündern, denn die Schlecht gewinnt er, alleine durch seine Grundstärke der Figuren.
SirJethro schrieb am
Hallo,
ich konnte noch keine weitere Partie bestreiten, möchte aber dennoch auf die Ausführungen eingehen. Das offizielle FAQ konnte ein paar unklare Sachverhalte klären. Zum Beispiel wurde mir dann auch bewusst, dass man Schiffen theoretisch eingreifen kann, oder das es bei der Auswertung der Karten die Spielerreihenfolge wichtig ist.
Dass man Ruhmespunkte nur durch eine gewonnene Schlacht erhalten kann, war mir klar. Aber das alleinige Plündern kann gegebenfalls schon eine Menge bringen, sofern man seine Leisten nach oben drücken möchte. In der Verbindung mit der Fähigkeit nochmals plündern zu dürfen für 2 Wut erst recht. Hier war es dann beim letzten Spiel der Fall, dass sich ein Spieler komplett in ein 3er Gebiet gestellt hat. Neben 2 Kriegern war der Eisriese mit dabei und das zu plündernde Plättchen war der +5 Ruhmespunkte Bonus. Da er viel Wut übrig hatte und niemand mehr ein Dorf besetzen konnte, war er in der Lage, dort fleißig Punkte zu sammeln.
Ich glaube eine gute Kartenkenntnis, um sich dann eine Strategie zu erstellen, wird das wichtigste sein. Vor allem auch die Strategie in jedem weiteren Zeitalter anzupassen. Nur selbst die beste Planung bringt wenig, wenn der Gegenüber einen Strich durch die Rechnung macht.
k1719377 schrieb am
SirJethro hat geschrieben:Auch wenn der Thread hier schon etwas älter ist, hoffe ich hier dann noch weitere Antworten (irgendwann) zu sehen. Ein Kumpel von mir hat eine riesige Sammlung an Brettspielen aufgebaut. Dementsprechend vielseitig ist sie. Bei unseren Runden kommen meistens die eher anspruchsvollen Games zum Zug wie aktuell Ein Fest für Odin. Von Blood Rage hatte ich mir zuvor einige Tests angesehen und diese fallen in der Regel auch gut aus. Aufgrund der Thematik und Neugier habe ich es mir zu Weihnachten schenken lassen. Nach 2 Partien ist der Funke jedoch nicht richtig übergesprungen, vielleicht auch deswegen, da ich "komplexere" Spiele mag und hier ist dann doch recht wenige Möglichkeiten zur Entfaltung gibt.
Was mir besonders negativ auffällt ist, dass das Spielfeld zu klein wirkt. Dadurch entstehen immer wieder Monopolstellungen, das heißt ein Spieler setzt sich komplett in ein Gebiet und kann dann (so gut wie) nicht mehr attackiert werden. Anfangs konzentriert man sich ohnehin darauf zunächst, getrennte Wege zu gehen und die Gebiete zu plündern. Wenn das Gebiete dann durch Ragnarök nicht einmal zerstört wird, kann der Spieler auch im nächsten Zeitalter munter dort weiter stehen.
Dazu finde ich, dass das Belohnungsplättchen von Yggdrassil zu gut ist. Derjenige, der dort die Schlacht gewinnt (und meistens sind viele Figuren beteiligt), hat womöglich nach dem Sieg seine (halbe) Armee dort stehen und kann von da aus munter weiter in ein Gebiet ziehen oder dort bleiben, um im nächsten Zeitalter wieder gleich 3 Boni auf einmal einzukassieren. Die Verlierer dagegen müssen zunächst wieder Einheiten aufs Feld bringen, was Wut und Zeit kostet. Klar, bringen diverse Karten das strikte Muster ins Wanken, aber das ist wie gesagt mein erster Eindruck von den Dingen, die mir weniger gefallen.
Da ich nicht weiß, ob Sie das Spiel noch einmal gespielt haben, wollte ich an dieser Stelle noch etwas...
SirJethro schrieb am
Auch wenn der Thread hier schon etwas älter ist, hoffe ich hier dann noch weitere Antworten (irgendwann) zu sehen. Ein Kumpel von mir hat eine riesige Sammlung an Brettspielen aufgebaut. Dementsprechend vielseitig ist sie. Bei unseren Runden kommen meistens die eher anspruchsvollen Games zum Zug wie aktuell Ein Fest für Odin. Von Blood Rage hatte ich mir zuvor einige Tests angesehen und diese fallen in der Regel auch gut aus. Aufgrund der Thematik und Neugier habe ich es mir zu Weihnachten schenken lassen. Nach 2 Partien ist der Funke jedoch nicht richtig übergesprungen, vielleicht auch deswegen, da ich "komplexere" Spiele mag und hier ist dann doch recht wenige Möglichkeiten zur Entfaltung gibt.
Was mir besonders negativ auffällt ist, dass das Spielfeld zu klein wirkt. Dadurch entstehen immer wieder Monopolstellungen, das heißt ein Spieler setzt sich komplett in ein Gebiet und kann dann (so gut wie) nicht mehr attackiert werden. Anfangs konzentriert man sich ohnehin darauf zunächst, getrennte Wege zu gehen und die Gebiete zu plündern. Wenn das Gebiete dann durch Ragnarök nicht einmal zerstört wird, kann der Spieler auch im nächsten Zeitalter munter dort weiter stehen.
Dazu finde ich, dass das Belohnungsplättchen von Yggdrassil zu gut ist. Derjenige, der dort die Schlacht gewinnt (und meistens sind viele Figuren beteiligt), hat womöglich nach dem Sieg seine (halbe) Armee dort stehen und kann von da aus munter weiter in ein Gebiet ziehen oder dort bleiben, um im nächsten Zeitalter wieder gleich 3 Boni auf einmal einzukassieren. Die Verlierer dagegen müssen zunächst wieder Einheiten aufs Feld bringen, was Wut und Zeit kostet. Klar, bringen diverse Karten das strikte Muster ins Wanken, aber das ist wie gesagt mein erster Eindruck von den Dingen, die mir weniger gefallen.
WulleBulle schrieb am
listrahtes hat geschrieben:Ich halte das Spiel mittlerweile...usw.
Deine Sicht teile ich weitgehend. Das Spiel ist klasse produziert. Die Verarbeitung ist top. Und es macht die ersten Male auch großen Spaß. Allerdings erschöpft sich dieser Spaß relativ schnell, denn man merkt dann einfach, dass der taktische Tiefgang nicht gegeben ist.
Was Deine Ansicht zu KS als Marketing Plattform betrifft, müsste das aber auch für Cool Mini or Not gelten. Deren Kickstarter mittlerweile nahezu legendär hoch ausfallen.
Das Framework um Zombicide finde ich aber super. Vor allem Black Plague hat es mir angetan. Man muss aber auch gut ausgestattet sein, damit man hier vielseitigen Spaß haben kann.
schrieb am

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