Isle of Skye: Vom Häuptling zum König - Brettspiel-Test, Brettspiel, Spielkultur - 4Players.de

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Isle of Skye: Vom Häuptling zum König (Brettspiel) von Lookout Games
Schafe, Whisky & Land
Isle of Skye: Vom Häuptling zum König wurde noch vor Pandemic Legacy - Season 1 sowie T.I.M.E Stories zum Kennerspiel des Jahres 2016 gekürt. Was hat die Legetaktik von Andreas Pelikan und Alexander Pfister zu bieten? Wir haben um Schafe, Whisky und Land gekämpft.


Carcassonne lässt grüßen

Was, es wird schon abgerechnet? Ja, so eine Partie Isle of Skye kann auch zu viert in einer halben Stunde vorbei sein. Und groß reinfuchsen muss man sich auch nicht, denn das sechsseitige Regelwerk ist schnell verinnerlicht. Immerhin steigt die Spannung zwischen den Clans gegen Ende nochmal etwas an, denn es gibt extra Siegpunkte für alle Plättchen mit Schriftrolle, die man in seinem Reich verbaut hat: Sind darauf z.B. Rinder, Türme, Schafe oder Bauernhöfe abgebildet, werden diese gezählt und so können sich die Positionen auf dem Spielplan in der finalen Abrechnung nochmal verschieben.

Oben auf dem Spielplan liegen die vier zufällig gezogenen Ziele: Wie muss man auslegen, um besonders viele Punkte zu bekommen?
Oben auf dem Spielplan liegen die vier zufällig gezogenen Ziele: Wie muss man auslegen, um besonders viele Punkte zu bekommen?
Auf den ersten Blick erinnert diese Legetaktik an das preisgekrönte Carcassonne: Ähnlich wie im Klassiker von Klaus-Jürgen Wrede platziert man viereckige Plättchen mit Landschaften und muss darauf achten, dass Berg an Berg, Land an Land und See an See gelegt wird; so kann man auch abgeschlossene Gebiete erschaffen - lediglich die Straßen müssen nicht weitergeführt werden und dürfen in Sackgassen enden. Einer der Unterschiede: Jeder baut sein Reich ausgehend von einer zentralen Burg, die immer fünf Gold bringt, für sich alleine aus und nimmt zusätzlich so viel Gold ein, wie Whiskyfässer über Straßen zur Burg gelangen.

Dreh dein Land und leg es aus

Dass man seine Landstücke manchmal etwas länger dreht, bevor man sie auslegt, liegt daran, dass clevere Platzierungen auch mehr Gewinn bringen - nicht nur, was Gold betrifft. Was genau gerade profitabel ist, wird vor jeder Partie über vier von sechzehn Zielen festgelegt, die man zufällig zieht und auf den Spielplan legt. Jede Runde sind andere dieser Ziele aktiv, niemals alle und erst in den letzten beiden Runden drei auf einmal. Wem gelingt es über sechs Runden am besten, möglichst viele dieser Aufgaben zu erfüllen?

Isle of Skye ist für knapp 25 Euro komplett auf Deutsch bei Lookout Games erschienen. Es ist für zwei bis fünf Spieler ab acht Jahren ausgelegt.
Isle of Skye ist für knapp 25 Euro komplett auf Deutsch bei Lookout Games erschienen. Es ist für zwei bis fünf Spieler ab acht Jahren ausgelegt.
Man kann seine Schwerpunkte je nach Runde wechseln oder eher langfristig planen: Manchmal lohnt es sich, vier mal vier Felder auszulegen, manchmal sollte man auf Schafe, Rinder an Straßen zur Burg achten, besonders viele Wikingerschiffe in seinen Buchten haben oder möglichst viele in sich geschlossene Gebiete erstellen. All das führt zu einer kurzweiligen Grübelei mit recht einfachem Puzzlecharakter - ein anspruchsolles Spiel ist es allerdings nicht. Aber warum ist das dann ein "Kennerspiel"?

Bieten, Bluffen und Kaufen

Vielleicht, weil der Clou im Bieten, Bluffen und Kaufen besteht, bevor man Teile anlegt. Jede Runde kann man eine Karte von den anderen Spielern erstehen und mit etwas Glück auch weitere seiner eigenen Karten anlegen, die niemanden interessieren. Wie funktioniert das? Jeder legt drei zufällig gezogene Karten vor seinem Sichtschirm aus und legt für zwei davon geheim den Preis fest, während eine über das Axtplättchen abgeworfen wird - man kann den Wert gezielt, aber nicht maßlos bestimmen, denn man muss im Rahmen seiner vorhandenen Münzen bleiben. Will man eine der Karten unbedingt für sich behalten, weil sie vielleicht optimal zu einem der Ziele passt oder gerade ein Gebiet abschließt, sollte man also möglichst viel dafür verlangen. Manchmal kann man auch bluffen, indem man extra wenig verlangt und darauf hofft, dass der billige Eindruck einen potenziellen Käufer abschreckt - aber darauf fallen einigermaßen erfahrene Spieler selten rein, denn man kann ja auf einen Blick erkennen, wie wertvoll die Karte ist.

Kauft jemand eine Karte, bekommt man
Hinter dem Sichtschirm platziert man geheim die Preise für die davor liegenden Karten.
Hinter dem Sichtschirm platziert man geheim die Preise für die davor liegenden Karten.
seine Münzen zurück und die des Käufers dazu - ganz so tragisch ist der Verlust eines optimalen Gebietes also nicht, denn man darf ja auch selbst eines erstehen. Bleibt eine Karte ohne Käufer, verliert man seine Münzen an die Bank, aber darf die Karte auslegen - im besten Fall kann man sein Reich also um drei Gebiete erweitern. Und weil es am Ende auch Siegpunkte für Münzen gibt, muss man seine Einnahmen und Ausgaben einigermaßen managen. Aber nur einigermaßen, denn das Haushalten fällt einem aufgrund des ständigen Geldstroms durch Whiskyfässer genauso leicht wie das Füllen der Lücken durch die stets große Auswahl an ausliegenden Gebieten.

Fazit

Isle of Skye inszeniert kurzweilige Legetaktik für zwei bis fünf Spieler. Aber es ist mir schleierhaft wie es gerade "Kennerspiel des Jahres 2016" werden konnte? Ja, das Ausweiten des eigenen Gebietes macht Laune, die unterschiedlichen Ziele sorgen auch langfristig für Abwechslung und das Bieten sowie Kaufen ergänzt das Puzzleflair um eine wirtschaftliche Komponente. Gerade für Familien oder schnelle Partien eignet sich Isle of Skye gut! Aber wer angesichts der Auszeichnung ein anspruchsvoll verzahntes Spiel erwartet hat, wird sicher enttäuscht. Vor allem wenn man die ebenfalls nominierten Pandemic Legacy oder T.I.M.E Stories damit vergleicht, die sowohl langfristig motivierender als auch kreativer designt sind. Nicht falsch verstehen: Wer etwas im Stile von Carcassonne sucht, das man auch mal ohne große Erklärungen abends mit Freunden spielen kann, kann hier zugreifen.


Für alle, die eine Wertung vermissen: Wir werden hier nur unsere Highlights vorstellen. Natürlich gibt es auch in der Brettspielwelt einen bunten Mainstream und billigen Murks, aber wir wollen euch alle zwei bis vier Wochen kreative Geheimtipps und ungewöhnliche Spieleperlen empfehlen, die man vielleicht nicht in jedem Kaufhaus findet.

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Kommentare

M_Coaster schrieb am
Die Spiel des Jahres Wahl fand ich dieses Jahr leider recht durchwachsen.
Codenames als Spiel des Jahres ist sicher ein gutes Spiel, aber nur bedingt empfehlenswert für alle. Es ist kein klassisches Spiel bei dem die ganze Familie Spaß haben kann - also dieses "Unterm-Weihnachtsbaum-Merkmal" fällt weg. Codenames funktioniert in homogenen Gruppen, die Schnittmengen haben. Das ist zumindest meine Erfahrung.
Isle of Skye, als Carcasonne-Klon ist, ist absolut kein Kennerspiel. Dieses Spiel wäre als Spiel des Jahres geeigneter als Codenames. Aber Kennerspiel, dafür ist es doch zu seicht.
Die Jury ist leider viel zu mutlos. Die Begründung war ja das Legacy-Spiele nicht für jederman sind weil das Konzept zu speziell ist. Ich denke, ähnlich wie bei den Legenden von Andor, kann man dem heutigen Spieler, auch wenn er Gelegenheitsspieler ist, ruhig mal mit neuen Konzepten überraschen. Das erweitert den Horizont und ich denke man gewinnt damit mehr Leute als das man abschreckt.
Gerade weil der Pöppel Spiel des Jahres so wichtig ist - eine verzehnfachung der Verkäufe im Schnitt - wäre es für den gesamten Markt sehr schön wenn mutiger agiert werden würde.
@Imhotep
Naja, richtiger Kracher?! Ich finde da scheiden sich enorm die Geister dran. Ich kenne einige die es absolut null mögen.
Für mich sind die Kracher zu Weichnac...äh zur SPIEL16:
Scythe, Terraforming Mars, Cry Havok, Seafall, Roll for the Galaxy und natürlich Ein Fest für Odin.
nawarI schrieb am
ich glaub das ist der erste Brettspiel-Test, bei dem im Fazit vor einem Spiel gewarnt wird :lol:
Irgendwie hat mir Carassonne schon nicht gefallen, und Isle of Skye wirkt auf mich auch mit dem Bietmechanismus und den zufällig gezogenen SIegbedingungen zu steril.
Würde ich mir ein Legespiel anschaffen, wäre es wahrscheinlich Cacao. Hat damit schon jemand erfahrung gemacht?
Theobaer schrieb am
Schöner Test. Danke sehr.
hungrigerhugo87 schrieb am
In meiner Facebook Brettspielgruppe haben sich auch so einige gewundert. Allerdings sind doch häufiger auch Familienspiele Kennerspiele geworden (Wink zu Broom Service und Andor). Legenden von Andor mag z.T. nicht einfach sein, ist aber doch dennoch problemlos mit der Familie und auch Kindern spielbar und vom Regelwerk ziemlich übersichtlich. Vergleicht man die Komplexität mit einem Robinson Crusoe, Eldritch Horror o.ä. ist Andor doch sehr simpel gestrickt.
4P|T@xtchef schrieb am
Na ja, "viel" schaffe ich leider nicht mehr - musste den Rhythmus schon auf monatlich ändern. Mal sehen, ob sich das vor und nach der SPIEL ändert.;)
@Imhotep: Nope, hab ich noch nicht spielen können.
schrieb am

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