4Sceners: Allister Brimbles "The Spectrum Works" - Der Dämon beisst wieder zu (Album Review) - Special, Sonstiges, Spielkultur - 4Players.de

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von Bobic

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4Sceners (Sonstiges) von 4Players
Allister Brimbles "The Spectrum Works" - Der Dämon beisst wieder zu (Album Review)
Sonstiges
Entwickler: 4Players
Publisher: -
Release:
kein Termin
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Spielinfo Bilder Videos
Früher haben wir Filme mit einem Videorekorder aufgenommen und Computerspiele von Diskette geladen. Früher fütterten wir unsere Stereoanlagen mit Kassetten, auf denen wir Computerspielemusik aufnahmen. Ihr, die Facebook-, Twitter- und Internetgeneration da draußen, ihr Musik-Streamer, Festplattenmalträtierer und Cloud-Besucher, könnt da nicht mitreden. Aber wenn ihr wissen möchtet wie grandios alte Spielemusik auch heute noch klingen kann, dann hört doch einmal in The Spectrum Works rein. Das brandneue Album von Altmeister Allister "The Demon" Brimble erscheint weder auf Vinyl oder Diskette, sondern ganz neumodisch als MP3-Download.


Der gute Herr Brimble war bei mir ja in der Bringschuld. Nach dem (für mich) ernüchternden Auftritt mit seinem letzten Longplayer The Amiga Works, der zwar etliche legendäre Stücke von ihm enthielt, aber alles andere als frisch klang, musste er einfach liefern. Einer der wichtigsten Spielemusiker von der Insel musste seine Klasse beweisen und  zeigen, dass er nichts von dem verlernt hat, was ihn zu einer Branchengröße hat werden lassen. Denn legendäre Spielesoundtracks, vor allem zu den Hochzeiten der Amiga-Ära, gehen auf sein Konto. In seinem Notenbuch tummelt sich ein eindrucksvolles Portfolio, das von Alien Breed über Project-X bis hin zu einem meiner absoluten Lieblingstracks aus seinen Anfangstagen reicht: Der Musik zum Prügelspiel Full Contact.

Und nun schlummert da also The Spectrum Works auf meiner Festplatte. Ein Album, das ich überhaupt nicht auf dem Radar hatte, denn eigentlich wurde es als Dreingabe zum Buch ZX Spectrum: A Visual Compendium produziert. Bestimmt ein wunderbarer Schmöker für alle Fans dieses System, jedoch nichts für mich. Als Kind der 16bit-Computergeneration rufe ich Nachts im Schlaf noch "AMIGAAAA!" und huldige auch bei den 8bit-Systemen nur Maschinen von Commodore. Sprich: Dem C64. Der Name des Komponisten und die entsprechende Titelliste des Albums ließen mich jedoch aufhorchen. Einen zeitlosen Klassiker wie "Glider Rider" kann man immer hören. Den kennt man auch vom Brotkasten, was ebenso für "Beyond the Ice Palace" oder "RoboCop" gilt. Und bei "Fairlight" schrillen bei einem Demoszene-Fanatiker wie mir sowieso die Alarmglocken. Obwohl das nostalgische Klangwunder nichts mit der gleichnamigen Demogruppe zu tun hat. Schließlich macht's der Name! Doch nun ist sie also da, die Chance für den Mann, der seine Karriere einst unter dem Namen "The Demon" mit Musik für Coverdisks begann, meine Lauscher wieder ganz nah in Richtung seines Klanguniversums zu bringen. Vorab gesagt: Das ist ihm gelungen!


Auf CD erschien The Spectrum Works als Beilage zum Buch ZX Spectrum: A Visual Compendium
mit vier unterschiedlichen Cover-Artworks (Bildquelle: Archive.org).

Bleep & Chip
Als gebrandmarktes Kind habe ich mir The Spectrum Works zuerst per Stream auf Spotify angehört. Schließlich sitzt der Obulus als Häuslebauer und Fütterer mehrerer hungriger Mäuler nicht mehr ganz so locker wie früher. Man überlegt mittlerweile zweimal ob der Klick auf den PayPal-Button getätigt werden soll. Da kann der Finger noch so nervös auf dem Touchscreen zucken und das Nerd-Herz aufgeregt und vollgepumpt mit nostalgischem Adrenalin pochen. Doch ich habe es getan. Bereits nach dem sensationellen Intro stand fest, dass die neun Euronen mehr als gut investiert wären. Brimble findet bereits hier die richtige Mischung aus sphärischen, heroischen Klängen, die auf etwas Großartiges hindeuten. Die er mit herrlichem Chiptune-Geklimper und typisch platten AY-Drums ablöst, während moderne Synths und Choräle eine epochale Aura verströmen. Ein großartiger Auftakt für dieses Album, der den Weg vorzeichnet, den unser Klangmeister hier beschreiten möchte. Ein letztes Mal will er den alten Speccy-Sounds einen großen Auftritt spendieren und diese gemeinsam mit ihren hippen, modern klingenden Enkeln auf die große Bühne schicken. Auftakt gelungen, Mission bereits nach 84 gespielten Sekunden erfüllt!

Nach 14 Stücken wird aber ebenso fulminant zum Schlussakkord geblasen. Brimble hämmert beim Prelude-Track mit Technogedöns dem Ende zu. Man möchte geradezu "Pump up the volume" schreien, bevor er sich in den letzten Takten im Piepsnirvana verliert. Insgesamt ein krasser Gegensatz zum Auftakt, der aber beweist, wie wandlungsfähig unser britischer Klangvirtuose doch ist. Genau das stellt er immer wieder auf The Spectrum Works heraus, das bis auf Intro und Outro nicht auf Eigenkompositionen von Allister basiert, sondern auf der Neunterpretierung von Songs mit Kultstatus, einst komponiert von Musikgenies die auf Namen wie David Whittaker, Tim Follin, Jonathan Dunn, Rob Hubbard oder Mike Alsop hören.

Bleep & Rock
Genau diese Wandlungsfähigkeit, dieser Schuss an Kreativität macht viele Stücke zu einem besonderen Hörgenuss. Tim Follins "Agent-X" spricht etwa die Sprache des schweren Metalls. Mit jaulenden Gitarren-Riffs und zum Headbangen verleitende Passagen werden zwar mit melodischen Ups-and-Downs obligatorischer Chiptune-Synths versetzt, stehen aber klar im Zeichen des Rocks. Auch bei "Hydrofool", einem nicht ganz so bekannten Stück von Mr. Hubbard, jault an vielen Stellen die E-Gitarre. Mit unterhaltsamen Synthesizer-Geklimper passt es aber ebenso zu einem "Trio mit vier Fäusten" wie zu "Top Gun".

Bleep & Pop
Nicht alle Originale auf The Spectrum Works wurden so intensiv durch den Mix-Wolf gezogen. Ein "Glider Rider" liegt verdammt nah am Original. In erster Linie sind es schnellere Drums die dieser meisterhaften Komposition mit seiner zeitlosen Ohrwurm-Melodie mehr Rasanz verleihen. Ansonsten bleept und beept es wie anno dazumals, was beileibe nichts Schlechtes ist. Vielmehr ist es eine Verbeugung vor einem Klassiker, der kaum besser zu intonieren ist. Starke Anleihen am Originalsound sind auch beim Titelthema aus "Savage" zu hören, während "Chronos" mit klarer Instrumentierung an Klangqualität gewonnen hat, alles in allem aber dennoch den Geist der 80er-Popjahre atmet.


Auch in Grün echt sexy: Allister Brimbles The Spectrum Works (Bildquelle: Stampsy.com).

Ein ähnlich rasantes Schlagzeug-Arrangement wie in "Glider Rider" zeichnet auch die Musik zu "Saboteur II" aus. Die Hauptmelodie hetzt den Drums hinterher und pusht somit den Zuhörer immer weiter. Ebenso auf Speed ist das grandiose "Fairlight"-Thema, das durch die fetzige Taktgebung auf jeden Fall zusätzlich an Klangpower gewinnt. Atempausen gönnt uns The Spectrum Works nur wenige. "Robocop" ist eine davon. Mit Herz-Schmerz-Melodie hat dieser Track noch nie wirklich zum harten Science-Fiction-Streifen gepasst, dafür aber Computermusik-Geschichte geschrieben. Die liebliche Melodiefolge brennt sich gnadenlos in den Gehörgang. Mit Brimbles neuem Arrangement mischen sich die zauberhaften Wabersounds der Sinclair-Maschine mit modernen Synths dass es eine Wonne ist. Der Valentinstag mag gerade erst gewesen sein, aber wenn ihr eurer Liebsten oder eurem Liebsten noch eine gefühlvolle Überraschung bieten wollt, hier habt ihr die perfekte Begleitmusik dafür.

Bleep & Orchestral
Rock, Pop und Oldskool ist aber nicht alles, was Englands Soundikone in sein neues Album gepackt hat. Bei "Stormbringer" griff Allister Brimble zum (imaginären) Taktstock und kleidet das bekannte Stück in ein pompöses Orchestergewand, das alle Facetten eines guten Filmsoundtracks abdeckt. Bombastisches Hauptthema, ruhige Passagen, bedrohliche Elemente und die obligatorische Stelle die von einem mächtigen Chor begleitet wird. In die selbe Kerbe schlägt "Platoon", das stellenweise ein wenig an Chris Hülsbecks "Warzone" erinnert, aber dennoch genug Eigenständigkeit aufweist. "Beyond the Ice Palace" entpuppt sich als gelungener Mischmasch aus Oldskool-Kult, angereichert mit Pauken, Trompeten und Chorjauchzern. Bei "Zub" blickt man auf ein ähnliches Arrangement zurück, das mit unheilschwangerem Ufo-Surren jedoch mehr in Richtung Raumpatrouille Orion geht.

Track-Liste:

01. The Spectrum Works (Prelude)
02. Glider Rider
03. Saboteur II
04. Stormbringer
05. Agent-X
06. RoboCop
07. Beyond The Ice Palace
08. Savage
09. Zub
10. Hydrofool
11. Chronos
12. Fairlight
13. Platoon
14. The Spectrum Works (Finale) [Prodigy]

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Persönliche Favoriten: Glider Rider, Robocop, Fairlight, The Spectrum Works (Prelude)

Bildquelle: Allister Brimble


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