4Sceners: Mufflers neues Album "Stone Cold": Eine Breakbeat-Romanze? - Special, Sonstiges, Spielkultur - 4Players.de

4Players.de Das Spielemagazin. Kritisch. Ehrlich. Aktuell. 4Players.de Das Spielemagazin. Kritisch. Ehrlich. Aktuell.
von Bobic

Um dieses Feature zu nutzen, musst du
"4Players pur" nutzen:

Du hast schon einen pur-Account? Dann logge dich ein!
Noch kein pur-Nutzer? 4Players pur – Zahl, was du willst!

Hinweis schließen.


4Sceners (Sonstiges) von 4Players
Mufflers neues Album "Stone Cold": Eine Breakbeat-Romanze?
Sonstiges
Entwickler: 4Players
Publisher: -
Release:
kein Termin
kein Termin
Spielinfo Bilder Videos

Der Gott des Drum & Bass schiebt eiskalt ein neues Album in unseren Music Player. Stone Cold nennt sich das gute Stück und zeigt, dass auch harte Breakbeat-Jungs eine romantische Ader haben.


Muffler ist es zu verdanken, dass sich meine Ohren für die harten Rhythmen des Drum & Bass geöffnet haben. Dass ich diese Musikrichtung nach wie vor als die am besten für Szenedemos passende halte, weil hier oftmals brachial inszenierte Optik einfach perfekt mit der musikalischen Begleitung harmoniert. Ja, es war dieser Konsta Mikkonen, der jüngere Bruder von Szenelegende Aleksi Eeben (aka Heatbeat!), dessen Musik ich zuerst 1998 in der Amiga 40k Intro Superautodrome 2 von Scoopex zu hören bekam. Anfangs verwirrten mich die Beat-lastigen Klänge noch, bald schon lernte ich das raffinierte Spiel von heftigen Bässen und melodischen Elektronikklängen jedoch mehr und mehr zu schätzen und Muffler für seine Musik zu vergöttern. Denn genau diese Mischung aus hart und weich hat für mich kein andere D'n'B-Artist so perfekt hinbekommen, wie der Super-DJ aus Finnland.

Umso gespannter war ich darauf zu hören, wie Muffler heute klingt. Mir war bekannt, dass er inzwischen beim bekannten Drum-and-Bass-Label Hospital Records rockt und ein gefeierter DJ ist. Doch nur höchst selten habe ich das zu hören bekommen, was er in den letzten 10+ Jahren, seit seinem Abgang aus der Demoszene, geschaffen hat. Gut, da war noch die Haujobb-Demo Prototype 1, der er einen Track spendierte. Aber das war's in Sachen Szeneaktivität - zumindest bis zu diesem Jahr, so viel kann ich euch an dieser Stelle versprechen.




Bildquelle: Facebook / Basso

Breakbeat-Romanze
Doch nun wollen wir reinhören in den musikalischen Kosmos von Muffler, den er uns mit dem neuen Album Stone Cold präsentiert. Wie hat sich seine Musik verändert? Lässt er immer noch die Boxen erbeben? Hat er sich sein Gespür für Melodie und technischer Wucht erhalten? Genau das sind Fragen, die uns beschäftigen und die uns mit Stone Cold beantwortet werden.

Zwölf Stücke sind es, die Muffler auf der neuen Scheibe untergebracht hat. Und bereits mit den ersten Klängen kristallisiert sich heraus, dass Muffler ruhiger geworden ist. Vielleicht liegt es am Alter, vielleicht auch daran, dass man nicht immer mit dem Kopf durch die Wand gehen muss. Auch nicht musikalisch. "Can't breath" heißt der erste Track auf Stone Cold, der mit sphärischen Melodien, dem säuselnden Gesang von Sansa und der unaufgeregten Begleitung der Breakbeats sofort zu fesseln vermag. Und das, obwohl ihm die frühere Härte á la My Kingdom abgeht. Auch das nachfolgende Stück namens "Ranua" schlägt in dieselbe Kerbe. Hübsch poltern die Breakbeats dahin, die Melodie greift sofort und wir wollen fast die Tanzfläche stürmen, doch überwiegend fläzen wir uns dann doch lieber in der Chill-Area.

Hochschalten!
Ein bisschen flotter wird's anschließend bei "Northern Lights" und "Mountain Streams", ohne dass jedoch der Deep Bass in Richtung Anschlag gedrückt wird. Auch hier ist deutlich zu hören, wie viel Wert Muffler auf das Aneinanderreihen verschiedener Töne legt, sodass diese Lieder fast schon Ohrwurmcharakter erreichen. Mit dem fünften Track "Cosmos" nimmt sich der Akustikkünstler dann wieder eine kleine Verschnaufpause und schraubt Geschwindigkeit und Basslautstärke etwas zurück, nur um dann die Nacht zum Feiertag werden zu lassen. In "Night" nämlich geht's rasant und brachialer zu. Hier werden sogar Technorhythmen hinzu gemischt, weshalb dieses Stück das wohl flotteste ist und den alten Stücken am nächsten kommt. Ebenfalls ein wenig lauter präsentiert sich der "Joy Ride". Das liegt aber eher am 80er-Jahre-Synth, der hier hervorragend den Drum 'n' Bass-Rhythmen untergejubelt wird und eine gelungene Abwechslung zum bisher gehörten darstellt.

Zwischenfazit
Mittlerweile ist festzustellen, dass ich in der neuen Welt von Muffler angekommen bin. Der ruhige Beginn war sehr schön, sehr entspannend und erzeugte ein wirkliches Wohlgefühl. Mit dem stetigen Anstieg von Lautstärke und Bass, sowie den gelungenen Ergänzungen aus anderen Klangwelten hat er es jedoch geschafft, die Flamme der Begeisterung neu zu entfachen.

"Dark Flower" wird nun gespielt. Mehr als fünf Minuten feinste Breakbeats, gepaart mit melodischen Abschnitten, mal rasant, mal zum Relaxen. Auch hier kann man nur gratulieren, handelt es sich doch um ein verflixt feines Stück Klangarbeit. Doch dann passiert es. Ich frage mich, ob meine Anlage defekt ist, ob ich neue Kopfhörer kaufen muss oder beim Mastering der CD etwas schief gelaufen ist. Ich höre keine Drums mehr, keinen Bass. Was ist passiert?

Die Ruhe vor dem Rock
"Void" ist passiert. Dieses Stück verzichtet nämlich auf eben jene Tugenden und schickt uns auf einen Trip in die Welt des Ambient-Pop. Es passt so gar nicht zum Stil von DJ Muffler und fügt sich dennoch hervorragend ins Gesamtbild ein. Wieder ein gelungener Schachzug des Herrn am Mischpult, der immer wieder für Überraschungen gut ist. Danach ist Muffler aber wieder zurück in der Beat-Spur und lässt mit dem titelgebenden "Stone Cold" den wohl unmelodischsten Vertreter dieses Albums auf den Zuhörer los. Dieses Stück ist Drum 'n' Bass wie er im Buche steht, mit krachenden Beats und tiefen Klangsequenzen die Eindruck schinden.

Und dann steht schon wieder eine Überraschung vor der Tür. Beim elften Track namens "Rock" mischt Konsta Mikkonen noch die Riffs einer E-Gitarre mit hinzu, was ebenfalls zu einem ungewöhnlichen, aber sehr stilvollen Hörerlebnis führt. Und weil ihm das Saitenschlagen so gut gefallen hat, kommt die Gitarre auch beim abschließenden "Life" zum Einsatz. Dieses Mal erst in Form einer Ballade, die aber ab der Mitte doch noch gehörig Fahrt in die D'n'B-Richtung aufnimmt.

Fazit
Was hat Stone Cold mit mir gemacht? Nun, es hat mir erst die Ruhe vor dem Sturm vorgegaukelt. Erst ein bisschen chillen, dann abtanzen, dann folgt eine weitere kleine Erholungsphase bevor gegen Ende der Rocker in mir mutig den Dancefloor entert. Muffler ist mit Stone Cold ein großer Wurf gelungen, der vor allem Freunde von melodischem, nicht zu hartem Drum 'n' Bass anspricht. Den Mut, auch andere Einflüsse in seine Welt der Breakbeats aufzunhemen, muss man diesem Klangkünstler hoch anrechnen, zumal die Gefahr der Monotonie somit vollständig gebannt wird. Fast könnte man Muffler den Vorwurf machen, dass er ein bisschen zu sehr in Richtung Mainstream geht. Aber Hey, das Ding rockt nun mal und bleibt im Ohr hängen. Mission erfüllt!




Track list:

1. Can't Breath (feat. Sansa)
2. Ranua (feat. Keeno)
3. Northern Lights
4. Mountain Streams
5. Cosmos
6. Night
7. Joy Ride
8. Dark Flower
9. Void (feat. Sandra Weber)
10. Stone Cold
11. Rock (feat. Hannu Vare)
12. Life (feat. Hannu Vare)

Stone Cold @ Bandcamp

Persönliche Favoriten: Northern Lights, Night, Life

 

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Thema!
schrieb am

Facebook

Google+