Musik im Spiel - Special, Sonstiges, Spielkultur - 4Players.de

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Interview mit Nils Dittbrenner

Dieses Interview ist nur ein Teil des Themas "Musik im Spiel".



Dort findet ihr u.a. den Gastbeitrag von Nils Dittbrenner sowie ein Porträt. Außerdem haben wir einige Soundtrack-Klassiker als Downloads im Angebot.
4Players: Sie studieren Kulturwissenschaften und schreiben gerade an einer Magisterarbeit über Soundchipmusik. Wie sind Sie auf dieses Thema gekommen?


Nils Dittbrenner: Ich studiere als Hauptfach Musikwissenschaften und als Nebenfach Kulturinformatik. Im Bereich der Musik wird an unserer Uni relativ viel angeboten zu elektronischer, zeitgenössischer Musik (sowohl Pop als auch "Ernste Musik").

Die technischen Verfahrensweisen und die Ästhetik von Musik im Spiegel der technischen Entwicklung haben mich also das Studium entlang begleitet. Durch mein Interesse an Computerspielen und die fehlende Literatur zu dem Thema Musik in Computerspielen habe ich mich letztendlich dazu entschlossen, die noch fehlende "Grundlagenarbeit" in Angriff zu nehmen, da ich sowohl die Musik für Soundchips als auch die Technik an sich unglaublich spannend finde. Ebenso die Vorstellung, dass die Komponisten/Programmierer in den 80er Jahren ihre eigenen Routinen in Assembler hacken mussten, um in die paar Kilobytes, die sie von den Spiele-Programmieren an Platz für Musik und Sound bekamen, irgendetwas an musikalischen Instruktionen zu quetschen, ist ein Fakt, der meiner Ansicht nach mehr Öffentlichkeit und Wertschätzung verdient hat.

4Players: Da wollen wir gerne helfen. Werden Computerspiele in ihrem Studiengang generell diskutiert oder ist das eher ein Randthema?

Nils Dittbrenner: Es gibt in verschiedenen Fachbereichen schon Veranstaltungen zum Thema, sie werden also nicht komplett ausgeklammert. Insgesamt kann man sagen, dass in Lüneburg generell Interesse besteht, sich auch mit diesen relativ neuen Themen auseinander zu setzen. Aufgrund der relativ großen Freiheiten innerhalb des Magisterstudiengangs heißt das aber nicht, dass auch alle Studenten wirklich diese Seminare besuchen.

4Players: Wenn Sie auf die Geschichte der Soundhardware zurückblicken: Was waren die wichtigsten Stationen?

Nils Dittbrenner: Ich denke, dass die "Goldenen Jahre" der Chipmusik, also die Zeit ab ca. 1985 auf dem NES und C64 zu den spannendsten gehören. Die Musik der damals entwickelten Spiele sehe ich bis heute als stilbildend an. Im gewissen Sinne wurden damals die Konventionen gebildet, die bis heute das recht schwammige Prädikat "Computerspielmusik" begründen.

Danach ist vor allem der Bruch durch Aufkommen der CD-ROM-Technologie 1993-95 eine wichtige Station. Durch die auf einmal vorhandene, im Vergleich zu vorher immense Speicherkapazität haben sich nicht nur neue Spielgenres gebildet, sondern die Musik insgesamt wurde auf der einen Seite immer filmischer, auf der anderen Seite wurde immer mehr "aus der Konserve" eingspielt.

Diese Entwicklung hat nach meiner Ansicht zu einem Wegfall der eigenen Ästhetik von Computerspielmusik geführt - etwas wirklich Neues steht demnach noch aus, auch wenn erste Konzepte von adaptiver, reaktiver, interaktiver Musik in Splinter Cell 3, Lumines oder auch Rez ausprobiert werden und wurden und auf eine neue, genuine Computerspielmusikästhetik hoffen lassen.

4Players: Wird das Thema Spielmusik und Akustik ihrer Meinung nach in der Spielepresse ausreichend gewürdigt?

Nils Dittbrenner: Ich denke, es gibt viele Themen, die Spiele berühren, welche in der Spielepresse nicht ausreichend gewürdigt werden. Die Musik ist definitv eines davon. Aber da Computerspiele generell ein Medium darstellen, das potenziell andere Medien, Diskurse etc. in sich vermischt, kann man auch nicht erwarten, dass jeder Redakteur all diesen Anschlussdiskursen gerecht werden kann.

Dennoch fehlt nach meinem Geschmack generell ein gewisses Maß an Kritikfähigkeit über eine Spielspaß-Bewertung hinaus, obwohl es hierfür erste Ansätze gibt. Im Endeffekt bleibt Musikgeschmack aber etwas sehr individuelles, das hört man leider häufig in Rezensionen heraus und an diesem Punkt könnten sich Rezensenten vielleicht etwas reflektierter geben.

4Players: Ja, das wäre wünschenswert. Das setzt allerdings immer eine gewisse musikalische Grundbildung voraus, die nicht jeder Redakteur mirbringt. Gibt es Spiele, die ihnen aufgrund ihrer misslungenen Musik den Spaß verdorben haben?

Nils Dittbrenner: Ja. Zum Beispiel fand ich die Sonic Adventure-Spiele auf der Dreamcast aufgrund des japanischen Schweinerocks sehr mies, auch wenn ich beide durchgespielt habe. Auch Burnout 3 spiele ich vor allem wegen der Musik nicht mehr, ein ähnliches Phänomen war das auch bei Tony Hawk 2 und Kelly Slater Pro Surfer, wo mich die geringe Anzahl der verfügbaren Titel sehr genervt hat. Natürlich kann man die Musik in solchen Titeln runterdrehen aber wenn ich Computerspiele als Gesamt(kunst)werk betrachte, sind das Augenblicke, in denen mich ein bestimmter Musikgeschmack und die Statik dieser Konservenmusiken nervt.

4Players: Oh ja, da gibt es einige verbrecherische Endlosschleifen. Welche Spiele würden Sie aus musikalischer Sicht auszeichnen?

Nils Dittbrenner: Conker's Bad Fur Day hat großartige Musik, ebenso viele der Nintendo-Titel allgemein; Animal Crossing, Yoshi's Story, Mario Sunshine und Wind Waker haben bei mir für viele Ohrwürmer gesorgt. Project Zero hat mich vor allem wegen der unheimlichen Soundscapes unglaublich gegruselt und das Konzept des Radioprogramms bei den GTA-Teilen finde ich äußerst gelungen, weil es nicht auf die Musik reduziert bleibt, sondern durch die verschiedenen Sender eine eigene Dimension des Storytelling implementiert wurde.

4Players: Xbox 360, Revolution, PlayStation 3. Welche der kommenden Konsolen würden Sie sich zulegen, wenn Sie sich für eine entscheiden müssten?

Nils Dittbrenner: Ich glaube schon den Revolution von Nintendo. In den letzten drei Jahren habe ich durch meine Rezensionstätigkeiten für die Berliner Zeitung De:Bug die meisten relevanten Titel auf allen Plattformen gespielt/gesehen und muss sagen, dass mich neben einigen Ausnahmen vor allem immer wieder Nintendo-Spiele am meisten begeistern. Also wenn ich mich für eine entscheiden müsste...

4Players: In ihrem Porträt schreiben Sie, dass Sie von ihrer Japan-Reise enttäuscht waren - warum?

Nils Dittbrenner: Das war ein Austausch von der Uni aus, ich sollte eigentlich sechs Monate in Naruto, einer Kleinstadt auf der Insel Shikoku verbringen. Dort angekommen war ich relativ ernüchtert, weil es wirklich provinziell war. Wohnheim, Studium und auch die Mentalität der meisten japanischen Mitstudenten sagten mir recht wenig zu. Nach drei Wochen hatte ich das Gefühl, genug gesehen zu haben und wollte einfach mal wieder nach Hause, etwas "normales" machen. Ich habe mich daher entschlossen, den Aufenthalt auf drei Monate zu verkürzen und hatte den Rest der Zeit sehr gegen die japanische Bürokratie und Kultur zu kämpfen, weil es das Konzept eines sich frei entscheidenden Studenten in deren Gesellschaft nicht zu geben scheint.

Man fühlt sich sehr häufig nicht verstanden oder muss feststellen, dass die Leute zwar lächeln und sich verbeugen, dass aber nichts Näheres bedeuten muss. Das war eine harte Erfahrung. Auf meinen Ausflügen in die Großstädte (Tokyo, Osaka, Kyoto, Hiroshima) fühlte ich mich immer geradezu erleichtert, da ich sah, dass Japan auch andere Gesichter hat und die Leute auf einmal sogar Englisch sprechen können. An der Uni in Naruto war in der "International Student Section" kein Mitarbeiter des Englischen wirklich mächtig, das haben die nach der Erfahrung mit mir aber mittlerweile geändert. ;-)

4Players: Haben Sie einen kulturellen Unterschied in der Akzeptanz von Spielen oder Spielmusik in Japan bemerkt?

Nils Dittbrenner: Ja, natürlich. Zum Beispiel ist es in Japan üblich, dass Rentner spielen, einen Handheld zu Hause haben oder so. Ältere Erwachsene generell scheinen keine Berührungsängste zu haben. In Arcades geht man mit Freunden, ich hatte aber vor Ort das Gefühl, lieber mal mit Leuten was trinken gehen zu wollen und sich nett unterhalten zu können, als "wieder nur" in eine der Arcades zu gehen und nach Kuscheltieren zu fischen.

Und: in jedem Kaufhaus gibt es im oberen Stockwerk eine Art Mini-Arcade, wo sogar Hocker rumstehen, damit auch 4-jährige Light-Gun-Spiele erreichen können. Das fand ich schon etwas hart.

Spielmusik ist in Japan schon seit Mitte der 1980er Jahre ein ganz normales Phänomen, vergleichbar mit Filmmusik in unseren Breiten. Dort gab es schon 1986 über eine viertel Million verkaufte Exemplare eines (Famicom-) Dragon Quest - Soundtracks. Das wusste ich damals aber noch nicht. Diese CDs werden in der Regel als Memorial Albums verkauft, um sich an das erlebte im Spiel erinnern zu können. Das trifft vor allem auf die unzähligen RPGs zu, von denen viele ja gar nicht in Europa erscheinen.

4Players: Auf welche Spiele freuen Sie sich dieses Jahr am meisten?

Nils Dittbrenner: Lumines auf PSP, dass ich einmal kurz anspielen durfte. Wenn das neue Zelda noch kommt, dann auch darauf. Killer 7 erwarte ich auch mit einiger Spannung und dieses DS-Spiel mit dem Sound-emittierenden Plankton (Elecotroplancton) sieht wirklich interessant aus. Animal Crossing für's DS ist ebenfalls ein Favorit, wenn es denn dieses Jahr noch kommt.

4Players: Vielen Dank für das Interview!     

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