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Sonstiges
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Das dumme Geschlecht: Frauen in Spielen.

Ein Gastbeitrag von Nina Ernst (Journalistin & Spiele-Testerin)

Im Jahr 2005 in einer gar nicht weit entfernten Parallelwelt: die Menschen treiben Sport, tunen ihre Autos und gehen Einkaufen. Zwischendurch stören Verbrecher und Terroristen den Frieden. Die Welt scheint unserer zum Verwechseln ähnlich. Bis auf einen Unterschied: die 68er-Revolte hat niemals stattgefunden. Auch Alice Schwarzer und die Emma hat es nie gegeben. Gesetze zur Gleichberichtigung von Mann und Frau sind erst gar nicht vorstellbar. Willkommen in der Welt der Videospiele.

Während im realen Alltag Frauen Karriere machen und Männer Erziehungsurlaub nehmen, herrscht im Games-Kosmos tiefstes Mittelalter. Hier sind Frauen unselbständige Wesen. Gäbe es keine tapferen Helden, die sie beschützen, wären die Frauen verloren. Seit Anbeginn des virtuellen Zeitalters retten wir immer wieder das von einem Unhold entführte Burgfräulein. Wer hat sich nicht schon gewünscht, Prinzessin Peach das letzte Bisschen Künstliche Intelligenz rauszuprügeln, weil sie immer wieder auf den gleichen Trick reinfällt? Soviel Dummheit und Naivität in einer einzigen Spielfigur verursacht selbst bei wohl gesonnenen Nintendo-Fans Aggressionen.

Nicht nur im kunterbunten Nintendo-Universum sind die Rollen der Geschlechter klischeehafter aufgeteilt als in Schulbüchern aus den 60er Jahren. Doch die Menschen, die über Lehrmittel wie "Physik für Mädchen" mittlerweile lachen, nehmen die Rollenaufteilung in der großen Masse an Videospielen gar nicht wahr. Ganz schön traurig, denn in der digitalen Unterhaltung besitzen Frauen noch weniger Eigenverantwortung als in den Unterhaltungsmedien der 50er Jahre. Die glückliche Hausfrau im Schwarz-Weiß-Film konnte sich wenigstens damit brüsten, den besten Apfelkuchen der gesamten Nachbarschaft zu backen oder die Hemden gründlicher zu bügeln als ihre Freundinnen.

Spieldesigner gönnen ihren weiblichen Charakteren nicht einmal dieses Erfolgserlebnis. Vor allem in Actionspielen müssen sich die Damen meist mit der Opferrolle begnügen.

In Resident Evil 4, Metal Gear Solid 2 und Forbidden Siren befreien und beschützen wir hilflose Frauen und Mädchen. Selbst wenn die weiblichen Wesen zwischendurch selber mal die Knarre halten dürfen, verblassen sie neben ihrem strahlenden Beschützer. Wo sind die Abenteuer, in denen tapfere Frauen Männer retten? Soviel Fortschritt bieten höchstens Rollenspiele, in denen sich der Spieler das Geschlecht seines Helden aussuchen kann.

Spieleentwickler halten Frauen für dumm. Es existiert keine andere logische Erklärung dafür, dass sie die Polygon-Schönheiten nur mit einem Minimum an künstlicher Intelligenz ausstatten. Schließlich reicht es nicht, wenn die Helden ihre Schützlinge befreien. Die minderbemittelten Begleiter müssen oft noch zu einem Ziel eskortiert werden. Da geht der Frust erst richtig los. Meist sind die Mädels so dumm, dass sie zielstrebig auf Zombiehorden oder das gegnerische Feuer zu rennen. Die Folgen sind fatal: fern von jedem Spielziel versucht man krampfhaft, seinem Schützling den Gnadenschuss zu verpassen, damit das Drama endlich ein Ende findet.

"Und was ist mit Lara Croft?", werden jetzt beleidigte Entwickler denken. Lara ist eine Ausnahmeerscheinung. Wieso sollte sonst die Frauenzeitschrift Brigitte mit ihr werben oder der Modekonzern Gucci Kleidung für sie entwerfen? Wohl kaum, weil die Werber und Modeschöpfer stundenlang begeistert Tomb Raider gespielt haben. Der Grund für Laras Erfolg liegt in ihrer Einzigartigkeit. Sie ist die Quotenheldin der Videospiele, auf die alle gewartet haben.

Die Frauenquote scheint in der elektronischen Unterhaltung schnell gedeckt zu sein. Außer den Beat´em Ups existiert kein Genre, in dem Mann und Frau auf den ersten Blick gleichberechtigt scheinen. Hier stehen etwa gleich viele Charaktere beider Geschlechter zur Auswahl und die Figuren besitzen ähnliche Fähigkeiten. Trotzdem wird auf den zweiten Blick klar: Prügelspiele sind für Männer gemacht. Nur bei den Mädels fliegen die Kleider so hoch, dass die Zuschauer einen Blick auf das Höschen erhaschen können.

Was haben wir Frauen den Designern, Entwicklern und Programmierern getan, dass sie so von uns denken? Kein Wunder, dass Mädchen lieber reiten oder schwimmen gehen, statt Videospiele zu spielen oder gar von einer Karriere in der Branche träumen. Obwohl Frauen anscheinend dumm sind, haben sie doch noch ein wenig Stolz. Wenn die Industrie Frauen an die PCs und Konsolen bringen und als Kunden gewinnen will, muss sie passende Identifikationsfiguren schaffen. Angeblich sucht die Branche ständig nach Innovationen. Da habt ihr sie. Wenn die Gesellschaft Videospiele ernst nehmen soll, heißt der nächste große Trend nicht noch bessere Grafik oder noch realistischere Physik sondern Gleichberechtigung.
       

Kommentare

muecke-the-lietz schrieb am
oh, mann, der artikel ist so alt und noch so aktuell. auch interessant.
totaler blödsinn, sicherlich, aber interessant. was die autorin heute wohl zu ihrem damaligen artikel sagen würde, denn in dieser generation sind eine ganze menge weiblicher heldinnen in die videospiele eingekehrt, selbst in rumskapellen wie gears of war 3 und bulletstrom findet man sie. die entführte, geistig zurückgebliebene frau ist dabeí aber auch gleichermaßen verschwunden, vielmehr beobachten wir in videospielen den modernen feminismus, der ganz im gegensatz zu früher wieder stärker die weiblichkeit betont. eine frau ist eben neben all ihren fähigkeiten wie berufliches wissen, hobbys, sportlichkeit, usw auch immer noch eine frau und mehr und mehr frauen wollen das auch wieder stärker betonen, warum auch nicht.
in games sieht die sache stellenweise ähnlich aus, wenn auch stark übertrieben. da hätten wir bayonetta die schon als figur an sich völlig übertrieben ist, oder eleya(wird glaube ich so geschrieben) aus dem mittelalter shooter hunted, die als figur sogar beliebter ist als die männliche figur. aber auch diese elfin geizt durchaus nicht mit ihren reizen, setzt sie gar zu ihrem vorteil ein.
und mit mirrors edge hätte wir auch eine weibliche heldin die nicht als sexobjekt auftritt, aber dennoch starke weibliche züge im verhalten aufweist, was sie als figur ganz großartig macht.
abschließend möchte ich noch sagen, dass ganz bestimmt nicht die sexistische frauendarstellung in games die mädels oftmals davon abhält ein spiel zu spielen sondern der inhalt. meine schwester und meine freundinn finden perfect dark doof weil es ein shooter ist, aber resi 4, zelda, mario, etc toll, weil sie die spiele spannend, gruselig und abwechslungsreich sind. und diese spiele sind der inbegriff von sexismus in spielen. von den ganzen jrpgs mal abgesehen, die oftmals auch nicht gerade ein modernes frauenbild prägen.
p.s.: vergesst in euren ganzen aufzählungen bitte nicht die...
Revollti schrieb am
Während im realen Alltag Frauen Karriere machen und Männer Erziehungsurlaub nehmen, herrscht im Games-Kosmos tiefstes Mittelalter...

Schade. Ich hätte es gerne weitergelesen habs aber ab hier gelassen, ich habe halt leider eine tiefe Abneigung gegen sinnlos provokante Texte von Leute die einfach vom Leben zu frustriert sind und gleich überziehen. Über solche Texte zu diskuttieren führt leider oft ins void. Dabei ist es doch garnicht fair über Beiträge zu urteilen die man garnicht durchgelesen hat... anscheinend gibt es doch einige Ausnahmen. Ich wollte noch weitere "Frauen über Spiele" Beiträge durchlesen, aber ich will auch ruhig einschlafen. Also entweder - oder. Somit: Gute Nacht.
Fanta|World schrieb am
lasst doch cooking mama endlich vom herd.

Bild
kennt wohl eh schon jeder. verkneifen konnte ich's mir trotzdem nicht. ^^
bayonetta fand ich übrigens auch wahnsinnig interessant. zuerst hat sie mir als frau so gar nicht gefallen, plus dass ich die brille mal absolut unsexy fand. aber je weiter ich im spiel kam, desto sympathischer wurde sie mir sowohl äußerlich als auch innerlich. irgendwann kam dann sogar der punkt im spiel, an dem ich gedacht habe, dass ich mir eine bayonetta ohne brille gar nicht vorstellen könnte - was auch so ziemlich der augenblick war, als ich ihre gesamte art mochte.
das führe ich im übrigen auch darauf zurück, dass sie, als weiblicher charakter, viel mehr einfühlungsvermögen und gefühl (gerade auch im umgang mit "dem kleinen mädchen") gezeigt hat, als die meisten männlichen videospielhelden der letzten jahre (die ich spielen durfte). gilt eigentlich auch für ihre nette gegenspielerin, deren name ich leider gerade nicht mehr weiß.
aber das, finde ich, ist doch auch mal ein positiver aspekt. sie ist eine sexy kämpferin, die sich tough gibt, aber sie verliert dabei doch das "frausein" nicht. man kann also auch beides irgendwie vereinen.
crewmate schrieb am
Bayonetta ist aber kein reines Sexobjekt. Sowohl in der Symbolik als auch im Handeln hat sie immer alle Zügrl in der hand. Allein wie sie mit Luka spielt, bis der ihr aus der Hand frisst. Oder diese kleinen Lollis. Mal drauf geachtet wie winzig diese Dinger sind? Das ist nicht mal ein Snack, als würde sie dem Lutscher einen Gefallen tun.
In Adventures gibt es eine Menge glaubhafter, starker Charaktere. Nicole Collard aus Baphomets fluch hat viel Persönlichkeit, Selbstbewusstsein und eine interessante Vergangenheit. Nina aus den Geheimakte Teilen ist weniger interessant, aber immer noch ok.
Und dann Jade.... hach, Beyond Good&Evil ist das beste Spiel der letzten Gen, Basta!
Muramasa schrieb am
lasst doch cooking mama endlich vom herd. Also meine liebste weibliche Spiele Heldin ist Samus Aran, einfach weil man nicht so viel weiss wie es in ihr vorgeht und sie all dies crazy zeug macht, und erst ganz am ende des spiels als weiblich dargestellt wird und vorher garkeine rolle spielt.
schrieb am

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