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Sonstiges
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Olgierd Cypra studierte Soziologie an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz. Neben seiner Abschlussarbeit "Warum spielen Menschen in virtuellen Welten? Eine empirische Untersuchung zu Online-Rollenspielen und ihren Nutzern" (abrufbar unter www.mmorpg-research.de) veröffentlicht er regelmäßig Artikel und hält Vorträge über die Spielerschaft von MMOPRGs. Heute ist Olgierd Cypra bei der dtp entertainment AG als Community Manager beschäftigt.

4Players: Herr Cypra, seit wann beschäftigen Sie sich wissenschaftlich mit dem Thema Online-Rollenspiele?

Olgierd Cypra: Mein Interesse für die MMORPG-Forschung wurde im Jahr 2003 geweckt. Ich habe gerade meinen DSL-Anschluss bekommen und angefangen, Asherons Call 2 zu spielen. Als ich im Rahmen meines Studiums nach deutschsprachigen Studien zu meinem neuen Lieblings-Hobby suchte, fand ich kaum Material. Da wusste ich, dass ich hier einen ersten Schritt wagen möchte.

Olgierd Cypra, Community-Manager bei Publisher dtp.
4Players: Galten Sie während ihres Studiums aufgrund der Themenwahl "virtuelle Welten" als Exot oder haben die Game Studies mittlerweile das akademische Establishment erreicht?


Olgierd Cypra: Nach und nach wird die Computerspieleforschung ernster genommen, ja. Dies hat aber einen aus Spielersicht eher negativen Hintergrund: Das öffentliche Interesse an Computerspielen ist nach dem Amoklauf von Erfurt deutlich gestiegen, Expertenmeinungen sind gefragter als noch vor Jahren.

4Players: In ihrem Gastbeitrag sprechen Sie von einem "spielefeindlichen Umfeld in Deutschland". Was meinen Sie damit?

Olgierd Cypra: Schauen Sie sich doch einfach die Berichterstattung über Computerspiele an! Gerade letzte Woche ist dpa auf meine Studie aufmerksam geworden und berichtete prompt: "5% aller Spieler sind süchtig". Ich selbst würde es anderes formulieren: "95% aller Spieler gehen verantwortungsvoll mit ihrem Hobby um" - aber leider hat mich keiner von dpa angerufen und mal selbst gefragt.

4Players: In Ihrer Diplom-Arbeit sind Sie der Frage nachgegangen, warum Menschen gerne Online-Rollenspiele spielen. Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?

Olgierd Cypra: Puh, in zwei Sätzen? Unmöglich, befürchte ich ;-) Kurz: Zum einen sind die eigenen Erfolge - im Gegensatz zu Offline-Spielen - von anderen Spielen sehr gut sichtbar. Gerade für jugendliche Männer kann es ein starker Anreiz zum Weiterspielen sein, das eigene Können unter Beweis zu stellen, in Online-Ranglisten aufzusteigen und zu wissen, dass man etwas "von Dauer" geschaffen hat. Es gibt aber noch zig andere Gründe, ich habe hier nur einen Punkt exemplarisch herausgegriffen.

4Players: Sie veröffentlichen ab und zu Aufsätze im Internet. Was verbirgt sich hinter der Seite mmorpg-research.de?

Olgierd Cypra: Das ist die Domain, unter der ich meine Diplom-Arbeit "geparkt" habe. Dort kann man sich auch die Kurzfassung der Studie anschauen, bei welcher ich etwa 11400 MMORPG-Spieler befragt habe.

4Players: World of WarCraft ist mittlerweile das Volksrollenspiel schlechthin. Warum ist gerade diese Welt von Blizzard so reizvoll für die Masse?

Olgierd Cypra: Hier möchte ich Ex-Blizzard Mitarbeiter Bill Roper zitieren: "easy to learn but hard to master". Einer der vielen Erfolgsgeheimnisse von WoW ist sicherlich, dass es den Spieler sehr oft belohnt, ohne dass es zu leicht wird. Vor allem im End-Game bleibt das Spiel eine Herausforderung. Wenn man einen High-Level-Boss wie Onyxia oder Ragnaros besiegt hat, dann hat man etwas Tolles geleistet und kann es stolz der Community erzählen.

4Players: Welches MMORPG spielen Sie warum am liebsten?

Olgierd Cypra: Ich habe sehr gerne Asherons Call 2 gespielt, aber das wurde leider eingestellt. Ich mochte es aufgrund der relativ einfachen Spielmechanik sehr; genau das Richtige für mich als damaliger MMORPG-Anfänger. Zur Zeit spiele ich - mal wieder - World of WarCraft.

4Players: Mittlerweile sind Sie Community Manager bei dtp. Wie sind Sie nach Ihrem Studium zu einem Publisher gekommen und was sind Ihre Aufgaben dort?

Olgierd Cypra: Mir war klar, dass ich in die Spiele-Industrie möchte, also habe ich mich bei dtp auf die Stelle beworben. Für mich persönlich ist dtp als Arbeitgeber aufgrund des Spiele-Portfolios mehr als interessant. Mit ANACONDA wurde hier ein Label für hochwertige Adventures und Rollenspiele geschaffen. Als Community Manager bin ich der erste Ansprechpartner bei Anfragen von unseren Spielern, betreue die Fanseiten, bin auf Rollenspieler-Convents präsent und nicht zuletzt bin ich eine Art Trend-Scout. Die Beobachtung von Online-Communities gehört zu meinen Kernaufgaben.

4Players: Wenn Sie die Spielewelt beobachten: Welche Dinge fallen Ihnen negativ, welche positiv auf?

Olgierd Cypra: Es gibt negative Seiten der (Online-Rollen-)Spiele-Welt. Ja, es gibt Menschen, die man durchaus als süchtig bezeichnen kann - natürlich ist dies eine kleine Minderheit.  Als positiv möchte ich einen vor allem in Deutschland vollkommen vernachlässigten Punkt herausstellen, nämlich Games als Kunst zu betrachten. Das "Spiel" ist eine der wichtigsten Kulturfunktionen des Menschen, doch leider haben gerade Computerspiele es hierzulande sehr schwer, als Kulturgut akzeptiert zu werden. Weshalb, ist eigentlich nicht zu begreifen, denn gute Computerspiele können hervorragende Geschichten erzählen und auch cineastisch überzeugen.

4Players: Vielen Dank für das Gespräch.

    

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