Die Ernüchterung
Freud und Leid lagen mir in den PSP-Umsetzungen der waidmännischen Abenteuer allzu dicht nebeneinander. Denn während mir die idyllischen Fantasy-Kulissen den Atem raubten, verhinderten die stets vorherbestimmte Platzierung aller Gegner sowie die ähnlich starren Tageszeiten und Witterungszustände, dass die Augenweiden je zum Leben erwachen konnten. Und wo ich im heimatlichen Dorf gerne viele Stunden in die Entwicklung meines Alter Egos gesteckt habe, musste ich im Kampf gegen Dinosaurier-ähnliche Monster eine unnötig überfrachtete Steuerung in Kauf nehmen. Und als mir Capcom schließlich noch im fünften Jahr nach Einführung der PSP den Zugang zu meinen Online-Gefährten verbat, wurde nur allzu deutlich, wie sehr Monster Hunter der aktuellen Generation hinterher lief. Nicht zuletzt war es die Tatsache, dass die zuletzt veröffentlichte PSP-Fortsetzung nur ein Add-On des vergangenen Monster Hunter Freedom war, die meiner Jägerlaufbahn einen gehörigen Dämpfer verpasste. Doch eins macht eine kurze Demo, die erste ins Englische übertragene Version des Wii-Nachfolgers, schnell deutlich: Monster Hunter Tri ist kein Remake eines längst existierenden PS2-Titels. Es ist auch keine Erweiterung - es ist endlich wieder ein für sein System zurechtgeschnittenes Spiel!
Am Prinzip ändert sich natürlich wenig: Man erschafft einen Charakter, heuert als Jäger eines exotischen Dorfes an und macht in schier endlos vielen Missionen Jagd auf ebenso exotische Monster, sucht Kräuter, baut Gestein ab, angelt oder sammelt Insekten. Die Beute wird anschließend entweder verkauft, zu Kleidung und Waffen weiterverarbeitet oder als Köder sowie Samen weiterverwendet.
Der Charakterentwicklung kommt somit wie gehabt eine gewichtige Rolle zu.![]()

Beeindruckend wie eh und je: Monster Hunter sieht auch auf Wii hervorragend aus!
Schon nach wenigen Minuten stellte sich aber auch eine gewisse Ernüchterung ein, weil Capcom an vielen altmodischen Elementen festhält. So klappern angehende Waidmänner z.B. erneut einen Abschnitt nach dem nächsten ab, obwohl die Ankündigung ein "lebendiges, atmendes Ökosystem" versprach. Ich kann mir nämlich nach wie vor nicht vorstellen, dass ein "GTA in freier Wildbahn" technisch nicht realisierbar ist. Allzu langes Rasten beim Wechsel von einem Areal ins nächste gehört allerdings der PSP-Vergangenheit an. Und ganz ehrlich: Tri sieht hervorragend aus! Die Umgebungen der Vorschau-Demo schienen mir dabei deutlicher überzeichnet als die Schauplätze der PlayStation-Vorgänger: Capcom betont diesmal das Fantasy-Szenario und führt zudem erstmals zerstöre Elemente ein. Da gehen z.B. große Felsen zu Bruch, als ich von einem mannshohen "Wildschwein" angegriffen werde, unter Wasser brechen sogar noch größere Gesteinsformationen aus einer gigantischen Höhle.
Willkommene Abkühlung
Euer Held hat noch nie auch nur ein Knie unter Wasser bewegt? Kein Wunder: Das Tauchen ist neu und geht erstaunlich unkompliziert von der Hand. Zuvor hatte ich Bedenken, wie Capcom die Neuerung mit der unhandlichen Steuerung der PSP-Vorgänger vereinbaren würde - doch immerhin kann ich die Kamera jetzt über das Digikreuz frei drehen. Die vertikale Bewegung findet dabei immer noch stufenweise statt. Es ist vielleicht nicht der bequemste Weg, die Perspektive einzustellen. Besonders unter Wasser, wo sich Jäger und Opfer in allen drei Dimensionen bewegen, fällt die schnelle Orientierung mitunter schwer. Es ist aber eine wichtige Erleichterung, dass ich für einen Kameraschwenk nicht mehr stehen bleiben muss! Nicht zuletzt geht der Einsatz von Gegenständen dank Remote und Nunchuk auch deutlich leichter von der Hand. Ganz wichtig ist aber, dass mit den Tauchgängen ein neues spielerisches Element hinzukommt - dass Monster Hunter wieder frische Luft atmen kann. Riesige, aalförmige Wesen schlängelten sich durch den von Höhlen durchzogenen See, als ich mich zum ersten Mal in die dunkelblaue Tiefe getaucht bin und ich hatte alle Hände voll zu tun, mich auf den neuen Gegner einzustellen.