Virtua Tennis 2009
USK: frei
Sport (Tennis)

Test: Virtua Tennis 2009

So testet 4Players

Autor:
Jörg Luibl

Gerade eben hat Grand Slam Tennis mit Wii MotionPlus aufgeschlagen, uns auf befriedigendem Niveau unterhalten und damit alles andere als begeistert. Zwar ist die simulationsfreudige Wirkung der bewegungssensitiven Schlagtechnik zwischendurch immer wieder spürbar, aber das große Versprechen der Präzision konnte nicht eingehalten werden. Jetzt ist mit Virtua Tennis 2009 für Wii die zweite Filzballschlacht erhältlich, die voll auf Körpereinsatz und Nintendos neue Handgelenkstechnik setzt. Gewinnt Sega das Duell gegen EA?
Virtua Tennis forever?

Spaniens Tenniscrack Nadal schlägt auch auf Wii auf - genau wie alle anderen Stars, die schon auf Xbox 360 und PS3 aktiv sind.
Damit meine Haltung von Anfang an klar ist: Ich liebe Virtua Tennis . Wir haben anno 2000, als 4Players.de gerade gegründet wurde, hunderte Matches in der Mittagspause auf Dreamcast gegeneinander ausgetragen - hitzige Duelle, hysterischer Jubel, coole Erinnerungen. Das Spiel hat uns deshalb so fasziniert, weil es trotz seines eher unrealistischen Arcade-Ansatzes unheimlich strategische Ballwechsel inszenierte. Man konnte während eines Schlagabtausches irgendwann mit diesem einen cleveren Slice das Tempo rausnehmen, danach den Druck auf seine Seite ziehen und einen verloren geglaubten Punkt einheimsen.

Doch meine Sympathie für das Spiel reicht nicht aus, die schleichende Ernüchterung zu ignorieren, die mit dem aktuellen Virtua Tennis 2009 auf PlayStation 3 und Xbox 360 Einzug hält: Zwar hat man die Spielmechanik im Detail verfeinert, sie sogar angenehm realistisch gestaltet, was übertriebene Hechtsprünge & Co angeht, aber die Statik hinsichtlich der Schlagtechniken, der Kulisse und der Karriere lässt sich nicht leugnen - das Erweiterungsgespenst schwebte bedrohlich über
Grand Slam Tennis liegt ein Wii MotionPlus-Zusatz bei. Man kann es aber auch ohne spielen. Alleine kostet er im Handel knapp 20 Euro.



Was kann Wii MotionPlus? Mehr dazu im Technik-Check!
dieser Auflage. Deshalb konnte Sega dieses Jahr keinen Award mehr einheimsen, sondern "nur" noch eine gute Bewertung. Auf Wii hatte man jetzt die Chance, der Serie über die bewegungssensitive Steuerung wieder frischen Wind zu verpassen.

Kein Nachteil gegenüber PS3 und 360

Und die hat man leider verpasst. Obwohl man auf Nintendos Konsole nicht abspeckt, sondern inhaltlich alles anbietet, was die Sony- und Microsoft-Sportler bereits kennen: Man kann einen Spieler erstellen, eine Karriere in Form einer Welt-Tour starten, die man über 40 Schauplätze weit vom Anfänger bis zum Weltranglistenersten erlebt, man kann dieselben zwölf Minispiele absolvieren und es geht sogar online inklusive Rangliste sowie Freundeseinladung zur Sache. Das ist alles schon mal überaus lobenswert, obwohl man gerade bei den Minispielen etwas kreativer mit der Wii-Steuerung hätte umgehen können. Aber was ist wichtiger als das Drumherum der Spielmodi? Das Spielgefühl!

Dieses Tennis spielt sich zwei Klassen schlechter als die gute Variante auf Xbox 360 oder PlayStation 3. Das hat viele Gründe, aber der entscheidende Knackpunkt ist der, dass die Steuerung viel zu ungenau und unberechenbar ist, dass Schläge nicht markant genug ausgeführt werden können, als dass geplante Ballwechsel stattfinden können - und ich spreche nicht von fünf, sechs erfolgreichen Bällen, sondern von Dutzenden! Wer die Magie der gezielt initiierten Tempowechsel kennt, die dieses Spiel schon auf Dreamcast verströmte, der wird hier regelrecht schockiert.

Ja, man kann hier wesentlich schneller als in Grand Slam Tennis lange Ballwechsel spielen, aber das auch nur, weil es
Auf den ersten Blick sieht die Wii-Fassung sehr gut aus, aber auf den zweiten offenbaren sich große Probleme mit der Bildwiederholrate sowie brüchige Animationen.
nahezu keine Fehlerquellen wie Aus oder Doppelaufsetzer gibt, sondern alles hinsichtlich Reichweite & Co automatisiert ins Feld gedroschen wird.

Da die Entwickler aber prinzipiell dem rasanten Arcade-Ansatz treu bleiben, der schnelle und präzise Entscheidungen fordert, wird dem Spieldesign hier schnell das Genick gebrochen. Und das Knacken hört man schon im ausführlichen Tutorial, wenn man zehn Versuche braucht, um einen Slice zu schlagen und beim Stopp regelrecht verzweifelt.  Und wer zur Hölle ist dafür verantwortlich, dass man bei jeder (!) neuen Übung auf Wii MotionPlus wechseln muss, obwohl diese vom Start weg das benutzte Gerät ist, dass man bei jedem (!) neuen Schlag innerhalb einer Übung auf eine Markierung deuten muss und bei jedem (!) Aufschlag innerhalb eines Matches ebenfalls? Dieses blöde Dauergezeige unterbricht den Spielfluss und nervt unheimlich.            

Kommentare

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  • Die Testberichte von 4Players taugen doch schon länger nichts mehr, zumindest nicht was die des Nintendo Wii's betrifft. Es hatte schon einen Grund, warum ich mich bereits vor Monaten ausgeloggt und nicht mehr geschrieben habe, nachdem ich gemerkt habe, wie hier mit Kritik umgegangen wird.  [...] Die Testberichte von 4Players taugen doch schon länger nichts mehr, zumindest nicht was die des Nintendo Wii's betrifft. Es hatte schon einen Grund, warum ich mich bereits vor Monaten ausgeloggt und nicht mehr geschrieben habe, nachdem ich gemerkt habe, wie hier mit Kritik umgegangen wird. Dennoch lese ich immernoch mit und stelle fest, das "Kritisch, Ehrlich, Aktuell" mittlerweile hier eine ganz andere Bedeutung bekommen hat auf Kosten von bestimmten Tests's, die vor allen Dingen Wii Titel betreffen. Wenn man von einem Titel spricht, dessen Wertung stark der anderen Magazine auseinander geht, ist es noch verstädlich und man könnte auslegen, das dem ein oder anderen Redakteur einfach keinen Gefallen damit getan wurde. Das jetzt aber (wie in diesem Beispiel) beide Tennis-Titel dermaßen abgeschnitten haben, lege ich eher als Provokation aus. Ich habe VT 2009 länger gespielt und keinerlei Ruckler feststellen können. Für grafische Verhältnisse sieht die Kulisse sehr realistisch aus (das schreiben übrigens auch andere Magazine, wie z.B. IGN). Man sollte sich stets vor Augen halten, das diese Konsole grafisch halt nicht mit ihren größeren Brüdern mithalten kann. Hier wird es jedoch scheinbar als Grund für eine Abwertung ausgelegt. Außerdem finde ich es überhaupt nicht störend, das man kurzzeitig mit der WiiRemote auf den Bildschirm zeigen muß. Jedenfalls besser, als wenn man sie nach jedem Schlag in der Mittelstellung halten muß (so gesehen bei GST, was auch meherer Videos bestätigen), damit man es überhaupt ordentlich spielen kann. Wo kann man hier nach einem solchen Test von einer "längjährigen Erfahrung als Spieletester" sprechen? Da lobe ich mir doch Seiten wie http://wii-front.de/ Möchte erst gar nicht wissen, wie der Test von "Tiger Woods 10" ausfallen wird. Ich hoffe, EA verschickt erst gar kein Testmuster mehr!
  • @Opa] Zitat:
    Mich irrituiert ein Wenig folgendes - allgemein meckert man über die zu leichten & casualigen Wii titel und wenn ein Spiel eine Simulationssteuerung hat, bei der man nicht direkt ab Start Profi ist gilt das als schlecht und unpräzise.
     [...]
    @Opa] Zitat:
    Mich irrituiert ein Wenig folgendes - allgemein meckert man über die zu leichten & casualigen Wii titel und wenn ein Spiel eine Simulationssteuerung hat, bei der man nicht direkt ab Start Profi ist gilt das als schlecht und unpräzise. Hm.
    Es kommt darauf an, ob das Spieldesign hier stimmt ;) . Den Frustfaktor mit einer Steuerung zu erhöhen, die nichts mit dem ursprünglichem Spieldesign zu tun hat, ist kein Garant für ein gutes Spiel. "Virtual Tennis" ist und war keine Tennis-"Simulation", die sich akurat an die Regeln und physikalischen Gesetzen hält, sondern ein Arcade-Spiel, das Spaß machen und fesseln soll. Früher ein wichtiges Kriterium für die Flut an Geldmünzen im Schlitz ;) . Virtual Tennis hat dies perfekt auf die Dreamcast übertragen. Sehr schnelle Ballwechsel, packende Duelle und eine haarfeine Dynamik im Game. Es bot alles, um das Teil 1:1 in ein Automatgehäuse zu stecken und mit Freunden am Joystick den selben Spaß zu bekommen wie in der Spielhalle - auch wenn kein Bobberle da was von hochexakter Simulationssteuerung sagt. Das war ja auch nicht wichtig, hauptsache der Spaß ist da ;) Glücklicherweise blieb man dies über die Jahre treu. Zugegebenermaßen... mich reizte Virtual Fighter in den Arcaden wesentlich mehr als Tennis ;) Nun gibt's eine Zäsur. Virtua Tennis, das Polygon-Tennis der Joystickgeneration, bekommt eine Wiimote-Steuerung. Klar, hierbei müssen einige kleine Abstriche gemacht werden. Das flotte "Joystickuntenrechts+Feuertaste" muss nun entweder durch sportliches Multitasking ersetzt werden, oder auf der einen oder anderen Art "entschärft" werden, damit man nicht mit Tennisarm ins Krankenhaus landet ;) Die Wii+ Version der 2009er-Generation hätte hier wesentlich mehr ausholen können, verschenkt es allerdings an einer unausgegorenen Entwicklung. Die Programmierer sind genausowenig Schuld wie die Grafiker. Es ist das gesammte Design an sich, was hier einen fetten Minuspunkt bekommt. Es versucht, die Arcade-Mechanik mit einer Motion zu koppeln. Dies zeigt sich schon an dem Balken über den Köpfen. Mag sein, dass dies beim Aufschlag mit dem Joystick zwecks Kraftanzeige nötig wäre, aber wenn die Steuerung eine perfekte Analogvariante ermöglicht, sich aber lieber an eine digitale Anzeige bedient, dann ist hier schon tief im Spieldesign der Wurm drinne. Natürlich kann man sich daran gewöhnen. Man kann sich auch an "The Fifth Element" auf der PSX gewöhnen, oder an "RoboCop" auf dem PC. Man kann sich auch an jedes noch so verbogene Spiel gewöhnen. Aber wenn alles gegeben ist, man es aber nicht auszunutzen vermag, dann kann und soll dies auch erwähnt werden. Auch wenn es einen gewaltigen Tritt in die Weichteile gleicht ;) Dieses Tennis-Spiel macht seinen Namen leider keine Ehre. Da verstehe ich es gut, wenn die Redaktion lieber das Arcadegefühl mit der Dreamcast haben möchte als mit der Wii und der neuen M+. Man darf ja auch nicht vergessen, dass GMT diese Lücke nur bedingt schließen kann. Es ist näher an einer Simulation als VT und bietet deshalb für anspruchsvollere Spieler mehr, und auch wesentlich genauer als sein Arcade-Bruder. Hier darf GMT seine Muskeln spielen. Und interessanterweise hat man dort die M+ anscheinend auch besser integriert bekommen als bei VT, obwohl der Titel wirklich zu den ersten der neuen Generation zu zählen ist. Wie sieht es wohl erst mit der 2. und 3. Generation aus :) (... warte auf eine Möglichkeit, Red Steel 2 in die Finger zu kriegen...)
  • Termix schrieb:
    Virtua Tennis 2009 PS3 / Xbox 360 international : ~70% hier 80 Virtua Tennis 2009 Wii international : ~80% hier 59 VT ist eine miese Tennisserie geworden.
    Die Wii Version von VT ist nicht so schlecht wie sie hier, mal wieder, gemacht wird. Aber  [...]
    Termix schrieb:
    Virtua Tennis 2009 PS3 / Xbox 360 international : ~70% hier 80 Virtua Tennis 2009 Wii international : ~80% hier 59 VT ist eine miese Tennisserie geworden.
    Die Wii Version von VT ist nicht so schlecht wie sie hier, mal wieder, gemacht wird. Aber GST ist dennoch das bessere Spiel wie ich finde.

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