Test: Ghost Squad

31.01.2008, Autor: Jens Bischoff

Ego-Shooter für Nintendo Wii




Nach Link's Crossbow Training  und Resident Evil: The Umbrella Chronicles liefert Sega mit Ghost Squad den dritten Einsatz für euren Wii Zapper . Natürlich könnt ihr auch mit der Remote auf bleihaltige Terroristenjagd gehen, aber das schnörkellos umgesetzte Spielhallenoriginal von 2004 schreit geradezu nach einer handlichen Plastikwumme. Aber macht die nicht mehr ganz frische Fadenkreuz-Action überhaupt Spaß?


Video: Ghost Squad, Trailer 2



Kurze Fahrt, viele Weichen

Es verschlägt es euch als Teil eines Anti-Terror-Kommandos an drei Schauplätze, die jede Menge bleihaltige Auseinandersetzungen zu bieten haben. Manchmal werden Konfrontationen aber auch im Nahkampf entschieden. Wie im Lightgun-Original aus der Spielhalle bewegt ihr euch dabei auf Schienen durch gegnerverseuchte Levels. Allerdings haben die Schienen in Ghost Squad sehr viele Weichen, die ihr an bestimmten Schlüsselpunkten selbst stellen dürft. Ihr entscheidet nicht nur, welchen Weg ihr gehen wollt, sondern auch ob ihr eine Bombe entschärfen, Geiseln befreien, Rauchgranaten und Thermosichtgeräte einsetzen oder zum Scharfschützengewehr greifen wollt.

Es kommen im Verlauf eurer Karriere sogar noch weitere Verzweigungen hinzu, so dass ihr auch nach mehreren Durchgängen noch Neues entdeckt. Darüber hinaus könnt ihr nach erfolgreichem Meistern jedes der drei Szenarien, den Level des jeweiligen Schauplatzes steigern, was nochmals kleinere Veränderungen im Spielverlauf mit sich bringt. Auch der Schwierigkeitsgrad lässt sich generell in mehreren Stufen regulieren. Zudem gibt es eine Hand voll Trainingsaufgaben wie Zielscheibenschießen. Der Clou sind aber wohl die freispielbaren Fun-Mods, bei denen ihr plötzlich als Ninjas oder Beachboys unterwegs seid und mit Wurfsternen oder Wasserspritzpistolen Jagd auf entsprechend angepasste Gegner macht - leicht veränderte Kulissen inklusive.

Dennoch ist der Umfang an sich äußerst mau. Egal wie man es dreht und wendet, es sind immer dieselben drei Missionen, die zusammen nicht länger als eine halbe Stunde dauern und trotz aller Variationen stets nach dem gleichen Schema ablaufen und mit dem selben Bosskampf enden. Und selbst wenn man sich die Mühe macht, alle vorhandenen Verzweigungen einzuschlagen, dauert es nicht lange, bis man alles gesehen und erreicht hat. Fairerweise muss man zwar sagen, dass der Wiederspielwert im Gegensatz zum Umfang sehr hoch ist, da man eine ganze Reihe an Extrawaffen und Bonus-Outfits Freispielen kann, aber den immer selben Spielverlauf wertet das nur geringfügig auf.

Augen zu und durch

Auch die Story ist viel zu hanebüchen, um mehr über die albernen Einsätze und Charaktere erfahren zu wollen. Die englische Synchro ist Trash pur, während die deutschen Texteinblendungen oft unfreiwillig als undurchsichtige Deckung für eure Gegner dienen. Selbst grafisch ist Ghost Squad alles andere als ein Hingucker: Die Charaktermodelle sind unglaublich plump, die Texturen völlig verwaschen, die Animationen äußerst hölzern und die Effekte geradezu vorsintflutlich.

Immerhin dürfen bis zu vier Remote- oder
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Wii Zapper

-Schützen gleichzeitig ran. Auch allein mit zwei bzw. zu zweit mit vier Fernbedienungen einen auf John Woo zu machen, ist problemlos möglich. Die Steuerung ist nämlich denkbar simpel und grundsolide. Ihr habt einen Abzugsknopf, eine Taste für Spezialaktionen und könnt die Feuerrate eurer aktuellen Knarre variieren. Nachgeladen wird durch kurzes Zielen abseits des Bildschirms, Power-Ups wie Rüstungen, Magazinvergrößerungen oder Zielstabilisatoren sammelt ihr einfach durch Abschießen auf. Auch feindliche Wurfgeschosse u. ä. können von euch abgeschossen, Deckungen und Gegenstände zum Teil zerstört und Extrapunkte durch besonders schnelle Treffer, erfolgreiche Kopfschüsse oder Munition sparende Gruppen-Kills verdient werden.

Die Gewaltdarstellung ist aber völlig harmlos: Kein Ragdoll, keine Schadenstexturen, kein Gliedmaßenverlust, kein Tropfen Blut und Leichen lösen sich umgehend in Luft auf. Dennoch hat die USK das Spiel erst ab 18 freigegeben. Wesentlich unverständlicher ist allerdings die Tatsache, dass Sega für Ghost Squad hierzulande trotz leichter Preisermäßigung doppelt so viel verlangt wie in den USA - dadurch wiegt der geringe Umfang natürlich doppelt so schwer...



  Fazit