Alan Wake
USK: 16

Test: Alan Wake

So testet 4Players
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Autor:
Jörg Luibl

Fazit

Das ist nicht der grandiose Thriller, der die Rätselhaftigkeit eines Twin Peaks mit dem subtilen Grauen eines Silent Hill verbindet. Das ist schmackhafter Popcorn-Horror, der von Michael Bay kommen könnte - ein audiovisueller Hochgenuss mit explosiver Action. Macht das Spaß? Oh ja! Vor allem wenn die Besessenen aus dem Wald kriechen, ich einem Axthieb in Zeitlupe ausweiche und danach die Pumpgun abfeuer! Ich bleibe bei Tageslicht auch gerne stehen, um die Kamera zu schwenken: Was für eine fantastische Bergwelt! Allerdings ist sie erstens tot und zweitens werde ich stupide von A nach B hindurch geschleust. Es gibt weder aktive Dialoge noch anspruchsvolle Rätsel oder verstörenden Psychoterror. Remedy wollte an die Dramaturgie aus Film und Literatur anknüpfen, um einen grausigen Thriller zu erschaffen. Das gelingt ihnen an der Oberfläche der Inszenierung gut, aber so ungewöhnlich der erzählerische Ansatz ist, so gewöhnlich ist die Spielmechanik darunter - inkl. Thermosflaschen und Spuren für Blinde. Remedy ist hier ganz eindeutig faule Kompromisse eingegangen und hat die geplante Offenheit ad acta gelegt, damit möglichst viele Leute möglichst viel Spaß haben. Die Story ist gut und in ihren besten Momenten blitzt ihr schauriges Potenzial auf, aber im Gegensatz zu Eternal Darkness, Silent Hill oder Project Zero wird dieser Horror nicht als Highlight in Erinnerung bleiben. Nach zwölf Stunden und sechs Episoden hinterlässt das Finale keine nachdenkliche Ergriffenheit, sondern einen schalen Nachgeschmack.

Wenn sich die Bäume im Wind wiegen, das weiche Mondlicht durch die Äste schimmert und das sanfte Rauschen von einem immer lauter werdenden Grollen abgelöst wird, bin ich in der Welt von Alan Wake gefangen wie der Autor selbst: Atmosphärisch gehört dieser übernatürliche Psycho-Thriller mit zum Besten, was ich bisher an einer Konsole oder dem PC erlebt habe. Vor allem die ruhigen Momente haben es in sich, doch auch wenn das laute Getöse einsetzt und die Dunkelheit ihr destruktives Gesicht zeigt, werden sich vor allem Besitzer von leistungsstarken 5.1-Anlagen wie im Raumklang-Himmel fühlen. Doch so sehr mich das audiovisuelle Erlebnis packt und mich die Hintergrundgeschichte mit ihren Mysterien fesselt - spielerisch haut mich Remedy nicht so richtig vom Hocker. Rätselelemente sind kaum vorhanden, die Action ist zwar oft intensiv, nutzt sich aber durch ständige Wiederholungen und zu wenige Gegnervariationen zu schnell ab. Außerdem nagt die Überversorgung an Munition, Waffen und Fackeln an der Spannung: Während ich bei Spielen wie Resident Evil schon aufgrund des knappen Vorrats Schweißausbrüche bekomme, machte ich mir hier bei der nächtlichen Flucht nur selten Sorgen, mich gegen die Besessenen zur Wehr setzen zu können. Die Krone setzt diesbezüglich der Bosskampf auf - wenn man ihn überhaupt so nennen kann: Dramaturgisch zwar gelungen, ist das Finale spielerisch eine kleine Katastrophe. Das gilt auch für die Fahrsequenzen, die mit ihrer schwammigen Steuerung und schwachen Soundeffekten mehr an eine Billig- als eine Triple-A-Produktion erinnern. Trotzdem habe ich den Besuch in Bright Falls insgesamt genossen - die dichte Atmosphäre und Präsentation haben mich zusammen mit der Hintergrundgeschichte über einige der spielerischen Defizite hinwegsehen lassen und regelrecht bis zum Abspann an den Bildschirm gefesselt. Trotzdem hätte ich mir nach der langen Entwicklungszeit mehr Ideenreichtum und Abwechslung beim Spieldesign gewünscht - selbst die betagte Konkurrenz vom Schlag eines Eternal Darkness oder Silent Hill ist da weiter.


Zum Video-Fazit
Pro
 
Kontra
Popcorn-Horror mit viel Action    kaum subtile Schockmomente
gute Story, mehrere Erzählebenen    plumper Hexen- Einstieg
beeindruckende Landschaft   sehr lineares Spieldesign
hervorragend inszenierte Dunkelheit    zu wenig und stupide Rätsel
packende Gefechte inkl. Zeitlupen   Kämpfe ohne Schwachpunkttaktik
clevere Gegner umrunden Alan   keine große Gegnervielfalt
einge gelungene ruhige Passagen   Gefühl der Dauersicherheit
 sehr gute Licht- und Partikeleffekte   blöde Sammelobjekte & Markierungen
klasse Geräusch- und Musikkulisse   steife Mimik, wenig Personen
coole TV- & Radio-Sendungen   schwache Hüpfpassagen
teilweise weitläufige Areale   langweilige KI- Koop- Passagen
    spielerisch anspruchsloses Finale
Sonstiges
 
Sonstiges
Manuskripte werden vorgelesen   steife Animationen von Alan
in Autos steigen, Fahrsequenzen   keine Dialoge mit Antwortoption
gelungene Rückblicke à la Lost   Manuskripte spoilern Konflikte
bis zu zwei Kilometer Sichtweite   schwammige Fahrzeugsteuerung
sehr guter Soundtrack   einige schwache deutsche Sprecher
auf Englisch spielbar   kniehohe Hindernisse unüberwindbar
idyllische Kamerafahrten   asynchrone Lippenbewegungen
etwa zwölf Stunden Spielzeit   ab und zu Tearing & Rollrasen
drei Schwierigkeitsgrade    

Xbox 360

„Gute Horror-Action, aber nicht der grandiose Thriller, den man erwartet hat.”

 

Kommentare

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  • ich weiss nicht was du hast, aber wenn ich das game nachts alleine mit kopfhörern spiel kommt ne echt coole stimmung auf und an sich find ich die story auch echt ok. ich denke man muss sich einfach mehr reinversetzen in das game und mal wirklich hinterfragen was man selbst in der situation machen  [...] ich weiss nicht was du hast, aber wenn ich das game nachts alleine mit kopfhörern spiel kommt ne echt coole stimmung auf und an sich find ich die story auch echt ok. ich denke man muss sich einfach mehr reinversetzen in das game und mal wirklich hinterfragen was man selbst in der situation machen würde bzw wie man drauf wäre (ich renne nicht gerne nachts so lange alleine im wald rum:D). Ich finde es gibt da wirklich schlechtere Spiele in der Hinsicht. p.s: ich find das movement eig ok mit gamepad^^
  • Ich kann den Test auch unterschreiben. Spiele es seit 9 Stunden. Die ersten 2 Stunden sind saugeil, aber irgendwie hat man dann bis auf ein paar erzählerische Höhepunkte schon alles gesehen. Das Spiel hätte man auf 5, 6 Stunden kurzen müssen, da es für 12 (?) viel zu wenig Abwechslung bietet. Oder  [...] Ich kann den Test auch unterschreiben. Spiele es seit 9 Stunden. Die ersten 2 Stunden sind saugeil, aber irgendwie hat man dann bis auf ein paar erzählerische Höhepunkte schon alles gesehen. Das Spiel hätte man auf 5, 6 Stunden kurzen müssen, da es für 12 (?) viel zu wenig Abwechslung bietet. Oder man hätte es als Shooter konzipieren müssen, dann würde die Ballerei wenigstens ordentlich Spass machen. So ist es ne nette mysteriöse Kurzgeschichte mit mittlemäßigem Gameplay, welches nicht zuletzt dem grottigen Movement zu verdanken ist.
  • Habe gerade aus Spaß an der Freude mal angefangen den Test zu lesen, da ich mir das Spiel vor kurzem gekauft habe, habe aber nach dem Beginn der zweiten Seite mit der Lektüre aufgehört. Mir ist nämlich wieder eingefallen, warum ich Reviews nie lese: diese Spoilerei ist einfach unglaublich nervig!!!  [...] Habe gerade aus Spaß an der Freude mal angefangen den Test zu lesen, da ich mir das Spiel vor kurzem gekauft habe, habe aber nach dem Beginn der zweiten Seite mit der Lektüre aufgehört. Mir ist nämlich wieder eingefallen, warum ich Reviews nie lese: diese Spoilerei ist einfach unglaublich nervig!!! Danke dafür! :twisted: