Mass Effect 2
USK: 16

Test: Mass Effect 2

So testet 4Players

Autor:
Jörg Luibl

Fazit

Das Problem von Mass Effect 2 ist nicht, dass es sich noch mehr wie ein Shooter anfühlt. Hey, es macht Spaß, einen Kampfroboter in die Luft zu schleudern, um ihn dann gleichzeitig zu brutzeln und zu atomisieren! Das Problem ist, dass sich diese Action erstens nicht so intensiv anfühlt wie in reinrassigen Waffenpornos - irgendwann regiert pausierbare Routine: Schild brechen, Gegner plätten, nächster bitte. Ich hatte da auf mehr Taktik gehofft. Aber noch wichtiger ist zweitens, dass das kein qualitativer Ersatz für den Wegfall einiger Rollenspielanteile sowie den fehlenden Fortschritt ist. BioWare hat sich mit diesem ansehnlichen Abenteuer zwar technisch, aber nicht inhaltlich entwickelt - die Städte bleiben klein und steril, die Bewohner lassen glaubwürdige Reaktionen vermissen, es fehlen echte Erkundungsreize, die Karriere wurde kastriert. Und der Anteil jener Missionen, in denen man kombinieren oder recherchieren muss, ist erschreckend gering. Hier hat man ein Ungleichgewicht im Spieldesign geschaffen, das die futuristische Odyssee als Rollenspiel entwertet. In den ersten fünf Stunden ist man noch neugierig, weil da noch ein Mysterium über dem Spiel schwebt - aber dann entpuppt sich vieles als Fassade: Die meisten Planeten bleiben schnöde Rohstofflieferanten, es gibt kein Fahrzeug mehr und die langwierige Aufwertung der Normandy ist quasi für die Katz. Natürlich geht es hier um Kritik auf hohem Niveau: Was man hinsichtlich der schauspielerischen Leistung erlebt, erreicht wie schon in Dragon Age virtuelles Theaterniveau - vor allem Subject Zero hat einen Oscar verdient. Dieses Spiel atmet immer noch die geniale Dialogluft, die hervorragende Charakterzeichnung und die Spannung der Entscheidung! Außerdem entführt es in ein riesiges Universum, das man knapp 35 Stunden frei bereisen kann. All das sorgt für richtig gute Unterhaltung, zumal einige der kleinen Geschichten um die Crewmitglieder grandios sind. Aber was bringt es dem Genre, wenn ein Entwickler, der wie kein anderer für Rollenspielqualität steht, jetzt auch demonstriert, dass er alles ganz hübsch in die Luft jagen und die Unreal Engine 3 ohne zu stottern beherrschen kann? Das ist ja schön. Aber das ist auch wie Perlen vor die Säue werfen. Ich will mehr intelligente Quests, nicht mehr schwere Superwaffen! Ich will lieber eine lebendige Stadt als 100 öde Planetenscans! Und erzählerisch scheinen die Kanadier mit diesem zweiten Teil noch mal kräftig Luft für das Finale holen zu wollen: Anders lässt sich die Vernachlässigung der Story nicht erklären. Nach dem Abspann von Mass Effect anno 2007 habe ich gedacht: Hey, das war cool! Nach dem Abspann anno 2010 denke ich: Hey, das war alles?

Zum Video-Fazit
Pro
 
Kontra
stimmungsvoller Einstieg   Hauptstory & Finale schwach
tolle Nebenstorys   Städte bleiben klein und steril
großes, frei erkundbares Universum   Gefechte laufen nach Schema F
ansehnliche Kulisse & Kleidung   einige unglaubwürdige Reaktionen
lebendige Mimik & Gestik   kaum klassische Rollenspiel- Quests
sehr gute Multiple-Choice-Dialoge   sinnlose Aufrüstung der Normandy
klasse Licht-, Leucht- & Nebeleffekte   Klassen & Fähigkeiten nicht markant genug
Entscheidungen mit Konsequenzen   zickige bis dumme Team- KI
markante Nebencharaktere   langweiliges Planeten- Scannen
Dialog-Eingriffe in Echtzeit   kein Fahrzeug zur Planetenerkundung
pausierbare, actionreiche Gefechte   zwei eintönige Hacking- Minispiele 
gutes Deckungssystem im Kampf   deutscher Shepard fehlbesetzt
Teamkameraden einzeln positionierbar   kastrierte Karriere
Loyalität schaltet Fähigkeiten frei    
Entwicklungen aus Mass Effect übertragbar    
üppige Spielzeit: knapp 35 Stunden    
intime Romanzen & Zickereien    
Sonstiges
 
Sonstiges
Waffen überhitzen   belangloses Nachtanken auf Weltraumkarte
vier Schwierigkeitsgrade   kein komplexes Kampfverhalten zuweisbar
viele gesprochene Lexikoneinträge   einige üble Grafikbugs (Clippings; Figuren schweben)
Waffenarsenal mit schweren Wummen   viele Lade- Unterbrechungen
Download-Fahrzeug angekündigt   bereits erteilte Antworten nicht ausgegraut/inaktiv
New Game plus freischaltbar (Charaktere/Level bleiben)   unterm Strich mäßige Lokalisierung
Universum nach Spielende weiter erforschen   (noch?) nicht auf Englisch spielbar (360)
hervorragende englische Sprachausgabe    
komplett deutsche Lokalisierung    
auf Englisch umschaltbar (PC)    

Xbox 360

„Ein actionreiches, überaus ansehnliches Abenteuer mit klasse Charakteren, das als Shooter gut unterhält, den Rollenspieler enttäuscht – BioWare geht in die falsche Richtung.”

PC

„Ein actionreiches, überaus ansehnliches Abenteuer mit klasse Charakteren, das als Shooter gut unterhält, den Rollenspieler enttäuscht – BioWare geht in die falsche Richtung.”

 

Kommentare

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  • Falscher Thread
  • Mit dem Fahrzeug erhältst du noch ein relativ kurze Questreihe wo du es benutzen kannst. Ansich nur ein ödes Rennfahrer Minispiel.
  • wo kann man das fahrzeug denn einsetzen?die level bzw planeten sind doch sehr eingeschränkt.

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