Test (Wertung) zu Kingdom Come: Deliverance (Rollenspiel, Xbox One X, PlayStation 4 Pro, PC) - 4Players.de

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Test: Kingdom Come: Deliverance (Rollenspiel)

von Jörg Luibl



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FAZIT



Ich habe mich als Rollenspieler und Historiker sehr auf dieses Abenteuer im Spätmittelalter gefreut. Zum einen schätze ich den authentischen Ansatz, der mal etwas anderes inszeniert als klassische Fantasy. Zum anderen finde ich es lobenswert, dass man nicht nur hinsichtlich der Landschaft, Kleidung und Architektur, sondern auch hinsichtlich der sozialen und kulturellen Merkmale das alte Böhmen lebendig machen wollte. Deshalb ist es nach fünf Jahren Entwicklung umso ärgerlicher, dass die Warhorse Studios ein dermaßen unfertiges Spiel veröffentlichen. Dabei geht es nicht nur um die vielen, teilweise üblen Grafikfehler, die Ladezeiten und die schlechte Tonabmischung auf allen Systemen, sondern auch um ein vollkommen nerviges sowie unzuverlässiges automatisches Speichersystem, das zusammen mit den Abstürzen, die vor allem auf Konsolen auftreten, für Frust pur sorgt - das darf einfach nicht sein. Aber selbst wenn man die CryEngine in den Griff bekommen hätte, blieben noch die vielen inhaltlichen Fehler in den Quests, die KI-Aussetzer sowie die plumpen, teilweise unlogischen Szenen, die so manche toll designte Quest oder stimmungsvolle Situation konterkarieren. Auf der einen Seite kann ich so vieles loben, von der guten Regie und kreativen Aufgaben bis hin zu den vielen Konsequenzen sowie subtilen Ansätzen der Erkundung, die modernen Automatismen mit wohltuendem Anspruch begegnen - hier wäre eine richtig gute Wertung möglich gewesen! Aber auf der anderen Seite wird das immersive Erlebnis, das vor allem von den idyllischen Landschaften sowie dem tollen Artdesign getragen wird, immer wieder von Inkonsequenzen gestört, wenn Bewohner nicht reagieren, Wettbewerbe kaputt sind oder die KI dämlich agiert. Für jeden positiven Punkt musste ich einen negativen notieren, so dass auch das taktisch gelungene Kampfsystem nicht so glänzen kann wie ich es erhofft hatte. Unterm Strich ist Kingdom Come: Deliverance trotz der ernüchternden Qualität der richtige Schritt, der hoffentlich weiter verfolgt wird. Und trotz seiner Fehler kann man ja unterhaltsame Momente erleben. Aber momentan würde ich, vor allem auf PlayStation 4 Pro und Xbox One X, vom Kauf abraten und den nächsten Patch abwarten. Mit dieser unsäglichen Veröffentlichungspolitik, die Qualitätssicherung als nachträglichen Service betrachtet, schadet man allen Beteiligten.

Zweites Fazit von Eike Cramer:

Kingdom Come: Deliverance ist vermutlich das ambitionierteste Rollenspiel, welches ich seit The Witcher 3 gespielt habe. Und einiges machen die Warhorse Studios auch richtig gut: Die detailgetreuen Umgebungen und weitläufigen Landschaften Böhmens, die kleinen Ortschaften, die dreckigen Spelunken und heimeligen Burgen. Zudem sind viele der Charaktere glaubwürdig und vor allem in Anlehnung an die Historie des Landes entworfen und meist auch hervorragend synchronisiert. Doch auch auf dem PC bricht die Idylle der Landschaft und die teils grandiose Immersion: technische Fehler, wenngleich deutlich weniger drastisch und zerstörerisch als auf der PS4 Pro, reißen mich immer wieder aus meinen Wanderungen,  Erkundungen und herrlich gefährlichen Kämpfen. Kurzes Einfrieren des Bildes beim Laden neuer Gebiete, merkwürdiges Hängenbleiben in Gesprächen, aufploppende Texturen und eine oftmals fehlerhafte Kollisionsabfrage lassen die tolle Kulisse immer wieder bröckeln. Und auch im Detail fehlt es dem tschechischen Mittelalter an allerletzter Konsequenz: Charaktere die ich gerade gerettet habe erkennen mich nicht, wenn ich sie anrempele. Mein Lehensherr erkennt nicht, dass einen Waffenrock seiner Bannerfarben trage. Wachen werfen mich aus privaten Gemächern, nur um sich umzudrehen, damit ich sofort wieder hineinhuschen kann. Viele Menschen leiden Hunger, aber überall stehen blubbernde Kochtöpfe, aus denen ich mich gratis bedienen kann. Und: Ein immer mal wieder fehlerhaftes Speichersystem macht den Spielfortschritt zu einem Glücksspiel. Obwohl mich Kingdom Come: Deliverance aufgrund seines rohen Charmes, der mich in den besten Momenten immer wieder an die Glanzzeit von Piranha Bytes erinnert, bereitwillig für Stunden ins Böhmen des Jahres 1403 abtauchen lässt, ist leider auch klar: Vor allem die Konsolenversionen hätten in diesem Zustand nicht erscheinen dürfen. Die Chance auf den ganz großen Wurf wurde hier vor allem auf technischer Seite vertan. 
Rollenspiel
Entwickler: Warhorse Studios
Release:
13.02.2018
13.02.2018
kein Termin
13.02.2018
kein Termin
Spielinfo Bilder Videos

Kingdom Come: Deliverance
Ab 41.89€
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Vergleichbare Spiele

WERTUNG




PC

„Auf dem Rechner gibt es nicht ganz so krasse Grafikfehler und keine Abstürze, aber auch hier stören die technischen und inhaltlichen Defizite dieses im Ansatz so stimmungsvolle Rollenspiel.”

Wertung: 68%

PlayStation 4 Pro

„Trotz seiner Fehler kann man unterhaltsame Momente erleben. Aber momentan würde ich, vor allem auf PlayStation 4 Pro und Xbox One X, vom Kauf abraten und den nächsten Patch abwarten.”

Wertung: 58%

Xbox One X

„Trotz seiner Fehler kann man unterhaltsame Momente erleben. Aber momentan würde ich, vor allem auf PlayStation 4 Pro und Xbox One X, vom Kauf abraten und den nächsten Patch abwarten.”

Wertung: 58%



Echtgeldtransaktionen

"Wie negativ wirken sich zusätzliche Käufe auf das Spielerlebnis, die Mechanik oder die Wertung aus?"
Gar nicht.
Leicht.
Mittel.
Stark.
Extrem.
  • Es gibt Käufe nur für optionale Kosmetik wie Farben, Skins, Kostüme etc.
  • Man kann die Spielzeit über Käufe nicht verkürzen, kein Pay-to-Shortcut.
  • Man kann sich keine Vorteile im Wettbewerb oder der Karriere verschaffen, kein Pay-to-win.
  • Käufe können minimale Auswirkungen auf das Spieldesign haben.

Erläuterung

  • Es gibt ein Add-On-Paket namens Treasures of the Past für 4,99 Euro mit Schatzkarten, Rüstungen etc.

 
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Lesertests

Kommentare

Randall Flagg78 schrieb am
Ich habe jetzt ein bisschen gewartet, zwecks Patches und es mir dann heute doch geholt.
Für die XBox. Sehr weit bin ich noch nicht gekommen und habe quasi nur den Prolog gespielt und ein bisschen darüber hinaus.
Es gefällt mir hervorragend, obwohl es ein bisschen bockig ist.
Man merkt, dass es an polish fehlt, den man sonst gewohnt ist.
Das gerade gefällt mir aber gut. Keine Questpfeile, keine 25 Einblendungen, im Sekundentakt.
Auch die entschleunigte Geschwindigkeit ist sehr angenehm.
Technisch ist es so lala. Komplette Abstürze hatte ich bisher keine.
Das einzige was mir 2-3x passiert ist, dass ich irgendwo gelaufen bin und alles plötzlich eingefroren war, weil das Nachladen wohl nicht klappte.
Immer wenn ich dachte, jetzt ist es abgeschmiert, ging es weiter.
Lippensynchronität kann man ebenfalls vergessen und ein paar Pop Ups habe ich auch gesehen.
Bis jetzt kann ich aber mit allem Leben und es gefällt mir ziemlich gut.
Weeg schrieb am
casanoffi hat geschrieben: ?
20.04.2018 20:49
Wie schaut eigentlich mittlerweile die PC-Fassung aus?
Wurden die gröbsten Bugs entfernt und funktioniert das Speichersystem zufriedenstellend?
Auf dem PC ist es mittlerweile imo gut. Die grossen Sachen wie eben z.B. das Dietrich-Schlossknacken wurden gefixt und laufen wunderbar jetzt. Ansonsten auch hab ich keine grossen Bugs erlebt. Das Speichersystem ist leider immer noch so, das man entweder den dämlichen Schnaps braucht oder aber das Spiel beenden und neu starten muss, um einen Speicherpunkt zu setzen. Es speichert halt beim Beenden, aber sonst nicht ohne den Schnaps, da muss man aufpassen, es geht schnell das man etwa eine Halbe Stunde in der Wildnis verbringt und dann auf Banditen trifft, die einem töten und dann ist der gesamte Fortschritt seit dem letzten Punkt halt weg. Das nervt mitunter schon noch, ohne Frage.
Aber: Mit dem Auto-Save beim Beenden ist immerhin der grösste Punkt bereinigt, weil Speichern nur beim Schlafen oder mit Schnaps ist echt kacke. Würde das Spiel z.B.alle 15 Mins einen neuen Autosave anlegen, wäre das Problem vermindert bzw gelöst, aber nein, "It's not a Bug, it's a Feature!!"
Abgesehen vom Speichersystem ist es auf dem PC mittlerweile gut spielbar ohne Probleme bei mir.
Antiidiotika schrieb am
Wie sieht das Spiel den aktuell auf der PS4 aus?
Ist es in spielbarem Zustand, ähnlich Witcher, Fallout 4? Oder immer noch ein Fiasko?
oppenheimer schrieb am
casanoffi hat geschrieben: ?
20.04.2018 20:49
Wie schaut eigentlich mittlerweile die PC-Fassung aus?
Wurden die gröbsten Bugs entfernt und funktioniert das Speichersystem zufriedenstellend?
Ich kann es nicht mit gutem Gewissen weiterempfehlen.
Es sind nicht nur die groben bugs, sondern vor allem auch unzählige kleine, die die größten Stärken, welche dieses Spiel hat, zerstören, nämlich Spielwelt und Atmosphäre.
Quest-, Spiel- und Dialoglogik sowie die Balance sind teils ziemlich im Eimer, was der Glaubwürdigkeit der Welt massiv schadet.
Ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass aus dem Ding mal ein wirklich funktionierendes Produkt wird.
Aber wenn du großen Wert auf Atmo legst, über einiges hinwegsehen kannst sowie idealerweise über Erfahrung mit völlig verbuggten RPGs hast, so könnte sich der Kauf bei nem >50%-Sale durchaus lohnen.
casanoffi schrieb am
Wie schaut eigentlich mittlerweile die PC-Fassung aus?
Wurden die gröbsten Bugs entfernt und funktioniert das Speichersystem zufriedenstellend?
schrieb am