Mass Effect
USK: 16

Test: Mass Effect

So testet 4Players
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Autor:
Jörg Luibl

Fazit

Das Abenteuer ist vorbei. Nach 27 Stunden und 43 Minuten läuft der Abspann. Wenn man den vom Chefdesigner bis zum Hausmeister durchlaufen lässt, dann hat ein Spiel verdammt viel richtig gemacht. Egal ob auf dem PC oder der Xbox 360: Man zollt den Entwicklern noch mal stillen Respekt. Bravo, BioWare, ihr habt mich sehr gut unterhalten! Ihr habt die Illusion eines glaubwürdigen Universums von schier unglaublicher Größe lange Zeit aufrechterhalten - bis zu dem Punkt, an dem sich die ersten Wiederholungen und Abgrasmechanismen einschlichen. Es fehlen mir letztlich mehr Momente der Entdeckung und Überraschung. Besonders schade ist, dass es nur eine große Stadt gibt und dass man nicht in denen der Außerirdischen landen kann - das hätte Mass Effect eine wahrhaft epische Größe gegeben. Erst auf Ilos, im großen Finale, kommt so etwas wie erhabene Stimmung auf, als man endlich mal eine verlassene Siedlung mit fremdartigen Skulpturen und überwucherten Mauern erforscht. Hier blitzt ganz am Ende noch mal das auf, was ich vorher so vermisst habe. Ich hatte noch beim Abspann das Gefühl, dass man mich etwas zu direkt mit einem verfrüht offenbarten Feindbild durch ein Epos geschleust hat, das trotz all seiner Lebendigkeit in den Bereichen Mimik, Gestik und Dialogführung, trotz seiner Genialität hinsichtlich der Dramaturgie, manchmal etwas zu steril wirkte. Hinzu kommen einige technische und inhaltliche Mängel: Die Texturprobleme auf der Xbox 360, die nervigen Levelröhrenkämpfe mit dem Mako, den man aber nicht aufrüsten kann, sowie die alten KotOR-Schwächen fehlender Reaktionen bei Diebstahl oder dem Waffenzücken. Aber das sind Peanuts. Der größte Vorwurf, den man diesem über weite Strecken packenden Abenteuer machen kann ist der, dass Dramaturgie und Dialoge viel stärker sind als die eigentliche Story oder die Befriedigung des Entdecker- oder Spieldrangs: Warum ist das Planetenerforschen so eintönig? Warum wirken die beiden Bars so leblos? Warum öffnen sich alle Schlösser so leicht? Warum kann ich den Mako nicht aufrüsten? Ansonsten bin ich von der Qualität überzeugt: Das taktische Kampfsystem hat sich trotz fehlender Einzelpositionierungen bewährt, die Missionen werden packend inszeniert und der futuristische Stil der 80er ist ebenso reizvoll wie das Kreaturendesign der Aliens. Letztlich ist die Tatsache, dass ich in moralische Konflikte gestürzt und emotional gepackt wurde, dass ich Entscheidungen mit spürbaren Konsequenzen treffen konnte, bei all den kleinen Schwächen immer noch ein verdammt seltenes und unheimlich kostbares Gütesiegel. BioWare hat hier nicht weniger als eine futuristische Welt neben Star Trek und Star Wars erschaffen. Unterm Strich bietet dieser erste Teil ohne Frage erstklassige Unterhaltung. Und es ist ohne Frage für mich das beste Rollenspiel des Jahres. Aber es bleibt einfach ein kleiner Rest Ernüchterung. Hoffentlich kann sich die Trilogie als Ganzes noch zu einem Meilenstein entwickeln. Vielleicht muss sich BioWare dafür noch stärker von Star Wars: Knights of the Old Republic lösen und alte Zöpfe abschneiden. Der erste Schritt ist getan. 



Ich kann mit Rollenspielen eigentlich gar nichts anfangen. Die mühselige Verwaltung von Charakteren, das Hantieren von unzähligen Gegenständen und Zufallskämpfe im Stil von Final Fantasy sind überhaupt nicht mein Ding. Hinzu kommt der Zeitfaktor: Ich hab keine Lust, mich wochen- oder gar monatelang durch eine Welt wie Oblivion zu leveln. Und WoW? Geh weg! Es gibt bisher nur eine ruhmreiche Ausnahme in meiner Zocker-Karriere, bei der ich mich trotz all dem Charakter-Management für ein Rollenspiel begeistern konnte: Knights of the Old Republic! Aber dieser Meilenstein hatte auch den Star Wars-Bonus, der zumindest auf mich positiv einwirkt. Jetzt ist Mass Effect da und was soll ich sagen? Es hat mich begeistert, gepackt, total geflashed - auch ohne Jedis, Sith-Lords & Co. Mich, den Rollenspiel-Muffel! Wie ist so was möglich? Es ist die Inszenierung mit diesen genial modellierten Charakteren, die mir das Gefühl geben, Teil eines interaktiven Science Fiction-Films zu sein. Dieses Gefühl hatte ich zuletzt bei Wing Commander III und IV. Es ist die liebevoll gestaltete Galaxis mit all ihren Planeten, es sind die individuellen (Alien-)Völker und interessanten Hintergründe, die mich in eine glaubhafte und durchdachte intergalaktische Gemeinschaft versetzen. Dabei bedient sich BioWare an Zutaten erfolgreicher Science-Fiction: Die vielen Spezies könnten Star Trek entsprungen sein; die Specter als Hüter von Frieden und Gerechtigkeit sind für mich vergleichbar mit Jedi-Rittern; die synthetischen Geth könnten entfernte Verwandte von Zylonen oder Borgs sein und die Reisen zwischen Galaxien durch aktivierte Protheaner-Technologie erinnert an Stargate. Schade ist nur, dass die Fronten zu schnell geklärt werden und es nicht den erwarteten Überhammer-Twist in der trotzdem hervorragend erzählten Geschichte gibt. Wären da doch nicht die Technik-Macken, die mich mit ihren ständigen Slowdowns und Texturproblemen aus dem Sci-Fi-Himmel reißen. Auch das Handling des Makos, der leider nicht mit neuen Waffensystemen aufgerüstet werden kann, hat mich nicht gerade überzeugt. Und wo sind die großen Weltraumschlachten mit Laser-Salven und wendigen Jägern, die eigentlich ein fester Bestandteil des Genres sind? Aber mal ehrlich: Das sind nur Kleinigkeiten! Genau wie die vereinzelten KI-Aussetzer und die fehlende Möglichkeit, das Squad im Kampf zu trennen. Davon abgesehen finde ich das Kampfsystem vorbildlich, da es mir genau die richtige Mischung aus Taktik und Action bietet. Wenn ich mir für ein Spiel die Nächte um die Ohren schlage, auf Mahlzeiten verzichte und selbst beim Einkaufen darüber nachdenke, wie die Geschichte wohl weiter gehen könnte, haben die Entwickler einiges richtig gemacht. Sogar so viel, dass Mass Effect für mich eines der packendsten Erlebnisse dieses Jahres darstellt. Und das, obwohl es "nur" ein Rollenspiel ist... Unglaublich!  
Pro
 
Kontra
hervorragende Regie   nur eine große Stadt
glaubwürdiges SciFi-Universum   zu wenig Leben und Ansprechpartner in den beiden Bars
gutes taktisches Kampfsystem    Fahrzeug lässt sich nicht aufrüsten
klasse Waffen- & Biotikeffekte   Minimap zeigt auf Planeten sofort alle Zielgebiete an 
lebendige Kommentare in der Party   (= Abgrasen statt Entdecken)
unheimlich große Spielwelt   keine natürlichen Reaktionen auf Waffenzücken oder Diebstahl
insg. gute deutsche Lokalisierung   ( = alte KotOR- Schwächen)
klasse Kreaturendesign der Aliens   Feindbild/Gut- Böse wird zu schnell deutlich
sehr gut platzierte Zwischensequenzen   Partymitglieder lassen sich im Kampf nicht einzeln postieren
auch ungenutzte Partymitglieder steigen auf   Partymitglieder verhalten sich teilweise stupide
fast lebensechte Mimik & Gestik    
hervorragend geschriebene Dialoge    
brisante Themen wie Völkermord, Rache, Liebe& Schuld    
sehr stimmungsvoller Soundtrack    
viele Entscheidungen mit Konsequenzen    
spannendes Missionsdesign    
Fahren & Kämpfen auf fremden Planeten    
hervorragende Verflechtung von Erzählelementen    
sehr gute interne Bibliografie    
Wiederspielwert dank hoher Levelbegrenzung (60) und alternativer Spielweisen (vorbildlich/skrupellos)    
Spielzeit für den reinen Hauptplot zwischen15 und20 Stunden    
Sonstiges
 
Sonstiges
faszinierendkomplexe Sternenkarte, aber...   ...nur ein Planet pro Sternensystem wirklich befahrbar
Art & Design im Stil der 80er-Science-Fiction   keine Gesprächsmöglichkeit mit Partymitgliedern unterwegs (man muss an Bord der Normandy sein)
(Star Wars meets Star Trek)   Dialogsystem nicht so dynamisch wie angedeutet (das Über- den- Mund- Fahren spielt quasi keine Rolle)
coole Physikeffekte beim Heben & Werfen   Dechiffrierung zu einfach, nur zwei Rätselelemente
detaillierte Charaktererschaffung & Klassenwahl   Auswahltexte stimmen nicht immer mit Antworten überein
Gesichtseditor, Mann oder Frau spielbar   einige sterile Innenräume, plötzlich ist die Kiste da
gesprochene Lexikontexte im Codex   Mako schießt ab und zu nicht korrekt, obwohl etwas im Visier ist
gut strukturiertes Tagebuch   Texturoberflächen werden erst nach 2- 3 Sekunden geladen (Xbox 360)
Ausrüstung wird an der Figur dargestellt   einige Slowdowns & Ruckler (Xbox 360)
mehrere Schwierigkeitsgrade   nur kahle Planetenoberflächen, kein Bewuchs
viel Komfort in den Optionen inkl. Zielhilfe für Shooternoobs   man hat sehr schnell maximale Werte erreicht
Subklassen werden nach zwei Drittel der Karriere freigeschaltet   Frauen sehen fast alle gleich aus (keine langen Haare)
große Waffen- & Rüstungsauswahl   einige deutsche Stimmen schwächeln (insb. Shephard & einige Frauen)
ein Glücks-Minispiel   nach vierzehn Stunden Itemüberschuss ohne komfortable Löschfunktion
während der Kämpfe speichern (PC)   Zwischensequenzen nicht abbrechbar (nur ärgerlich beim erneuten Spielen)
Mako steuert sich etwas besser (PC)   nach dem Finale keine Rückkehr in erkundete Spielwelt möglich
gute Maus-Steuerung (PC)   deutsche Version nicht multilingual
Widescreen-Unterstützung, 16:9 und 16:10 (PC)   kostenpflichtige Zusatzmission "Kollisionskurs" nicht enthalten (PC)
moderate Systemvoraussetzungen:    
XP/Vista, 2,4 GHz, 1/2GB Ram, GeForce 6800/ATI X1300 XT, Shader Model 3.0, DirectX 9c (PC)    

Xbox 360

„Episch, prächtig, unwiderstehlich: Dieses SciFi-Abenteuer zieht mit seinen moralischen Konflikten alle emotionalen Register!”

PC

„Technisch besser, inhaltlich gleich: Auch auf dem PC kann dieses futuristische Epos überzeugen.”

 

Kommentare

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  • Alle Teile als Steam Deal für etwa 10?, da greife ich mal zu und schau ob mich die Spielereihe anspricht, allzu viel hab ich ja nicht zu verlieren.
  • Scheinbar lasse ich mir auch eher Zeit. Hab nach dem Verlassen der Citadel erst die Mission mit der Matriarchin gemacht und bin bereits bei 14 Stunden. o_O Bin bislang mehr als zufrieden. Story, Dialoge (ja, die deutsche Synchro) und Charaktere haben mich bislang überzeugt und das Kampfsystem...  [...] Scheinbar lasse ich mir auch eher Zeit. Hab nach dem Verlassen der Citadel erst die Mission mit der Matriarchin gemacht und bin bereits bei 14 Stunden. o_O Bin bislang mehr als zufrieden. Story, Dialoge (ja, die deutsche Synchro) und Charaktere haben mich bislang überzeugt und das Kampfsystem... also, man gewöhnt sich dran. In der Grundidee klasse, in der Praxis scheitert's dann an der KI und der teils SEHR plötzlichen Tode, weil die Gegner einen schon mal einfach überrollen. Oder sie erscheinen genau dort, wo man steht, hatte ich auch schon... Unter aller Sau ist nur die Organisation von Charakteren und Ausrüstung. Etwas SO benutzerfeindliches ist mir noch nie untergekommen. Die Charakterverwaltung ist verschmerzbar, aber dennoch umständlich. Warum kann ich nur bei den Charakteren die Talente einsehen/bearbeiten, die in meiner Gruppe sind? Frisch an Bord der Normandy musste ich erst noch mal mit jedem Charakter in der Gruppe das Schiff verlassen, weil ich nur so einsehen und planen konnte, welchen Talente sich unter den Mitgliedern ergänzen. Warum darf ich nur die Ausrüstung der Charaktere bearbeiten, die bei mir sind oder wenn ich vor den Spinden stehe? Das ist einfach unnötig. Und die Verwaltung der Ausrüstung ist vor allem beim Verkaufen einfach ein Albtraum. Bei, sagen wir mal, 50 Gegenständen verschiedener Gruppen, die alle gemischt in einer Liste stehen, die sich nicht sortieren lässt (die Sortierung nach Rang und Namen ist maximal eine kleine Hilfe) und die man nur im Schneckentempo von oben nach unten und zurück immer wieder hin und her abfahren muss, um eine Übersicht zu haben... da wird man einfach bescheuert. Ich war nahe dran, aus Frust und mangelnder Geduld einfach alles in Gel zu verwandeln. Wer damit gar keine Probleme hat, okay, gibt ja Leute, die einfach eine gute Übersicht haben, aber es ist und bleibt dennoch eine Qual. Mittlerweile verkaufe ich immer so schnell es geht alles, was ich nicht verkaufe, aber ein volles Inventar leeren würde mich nervlich an meine Grenzen treiben. Und mich wundert, dass hier unter Contra nichts von den ''Copy and Paste''-Dungeons steht. Sieht man auf einem frei erkundbaren Planeten einen Eingang, weiß man SOFORT, wie es innen aussieht, weil alle völlig identisch aufgebaut sind.
  • E-G schrieb:
    nen shooter freiwillig mit analogsticks spielen? 8O ihr seid doch krank ] Zum Glück nicht so pervers um Shooter gar mit der Wiimote zu spielen. Das ist nun wirklich abartig, verdreht und einfach nur widerlich. :ugly: Ich hab beim ersten
     [...]
    E-G schrieb:
    nen shooter freiwillig mit analogsticks spielen? 8O ihr seid doch krank ] Zum Glück nicht so pervers um Shooter gar mit der Wiimote zu spielen. Das ist nun wirklich abartig, verdreht und einfach nur widerlich. :ugly: Ich hab beim ersten Durchspielen von Mass Effect ziemlich genau 30 Stunden benötigt. Du hast einiges verpasst E-G. ;)