Simulation
Release:
22.09.2017
22.09.2017
22.09.2017
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Lesertest von DerStratege

Nach langer Abstinenz (Colin McRae Rally 2005) hat mich wohl der Teufel geritten, wieder mal eine Rally zu fahren. Es ist mir völlig schleierhaft, was ich mir dabei gedacht habe. Schnapsidee sozusagen, denn das hier ist eins der Spiele, die durchaus Potential besitzen, das aber
leider vorschnell verschenkt wird. Die Steuerung ist mit Abstand das mieseste, was ich jemals bei einem Autorennen erlebt habe. Bei manchen Wägen ist es schlimmer, bei anderen weniger deutlich ausgeprägt, aber die Neigung, in der erstbesten Kurve gegen die Leitplanke zu knallen ist
mindestens ebenso hoch wie die, den Abhang hinunterzufallen. Nämlich dann, wenn es keine Straßenbegrenzung gibt. Besonders schlimm fiel mir das in der Portugal-Rally auf, weil dort die meiste Zeit auf einer erhöhten Straße gefahren wird und links und rechts geht es bergab. Im Endeffekt fährt man nie wirklich gegen die Strecke, sondern immer gegen die Steuerung. Manchmal fährt man aus Versehen in Zuschauer hinein und egal, was auch immer es nun ist, man wird auf die Fahrbahn zurückgesetzt und bekommt eine Zeitstrafe. Diese läppern sich somit recht rasch zusammen, also fahren wir langsamer. Die Ansagen des Beifahrers "4 links, gefolgt von 5 rechts, geht über in offene Haarnadel" erfolgen manchmal so schnell hintereinander, daß man noch nicht einmal die erste Hürde bewältigt hat und er ist schon zwei Kurven weiter. Das sind so kleine Details, die den Streß erhöhen, weil wie gesagt - die Steuerung ist unser Hauptfeind. Das führt dazu, daß ich im Schneckentempo wie die Oma herumkurve. Selbst dann knalle ich immer wieder mal wo dagegen, weil das Heck unerwartet ausbricht.
Da mir Fahrten im Schnee bereits bei V-Rally sehr gut gefielen, komme ich für meinen Teil wenigstens in Schweden auf meine Kosten. Was sich aber auch hier negativ bemerkbar macht - wir fahren in den Einzelprüfungen häufig immer wieder dieselben Strecken ab. Mal fahren wir von A nach B, dann von A über B nach C, mitunter auch rückwärts von C nach A. Das macht den Eindruck, als sei der Entwickler unter Zeitdruck gewesen. So nach dem Motto: eigentlich bräuchten wir noch dreimal so viel Strecke, aber wir müssen das Spiel endlich fertigbringen und die Lizenzen haben schon so viel Geld gekostet, jetzt wird abkassiert.
An der Grafik gibt es nichts auszusetzen. Die Lichteffekte wirken sogar richtig gut. Einen Hügel hinaufzufahren, wobei einem die Sonne direkt ins
Gesicht scheint, das kommt sehr gut rüber und verführt uns sofort dazu, den Finger von der Pfeiltaste zu nehmen. Weil wir wissen schließlich nicht, was nach der Kuppe kommt und dann knallen wir wieder irgendwo rein. Also wir sehen: die unterbewußte Angst vor der Unzulänglichkeit der Steuerung ist immer dabei. Die Atmosphäre ist ansonsten eher mäßig. Mein Gott, wir sind allein unterwegs, es gibt keinerlei Überholmanöver, uns
hängt auch kein lästiger Verfolger im Windschatten, also fahren wir im Grunde genommen nur für die Tabelle und gegen uns selbst. Und die Steuerung, falls ich das noch nicht erwähnt habe. Die Kampagne ist aus dem Grund langfristig wenig motivierend, weil wir wie gesagt von der Konkurrenz nur bei Beginn der Rennen etwas sehen, nämlich im Vorspann, dann aber nie wieder. Zudem habe ich es bereits auf dem zweiten Schwierigkeitsgrad von unten nur bis auf den 9. Platz geschafft. Mehr ist angesichts des Zwanges, Tempo rauszunehmen, wegen der Steuerung, einfach nicht drin. Deshalb sehe ich den Kampagnenmodus in erster Linie als Zwang an, mit bestimmten Autos auf bestimmten Strecken fahren zu müssen. Da sind mir die Einzelrennen lieber, weil da kann ich in Schweden und Polen mit dem Peugeot fahren, der sich noch am besten steuern läßt.
Kommen wir zum Fazit. Ist WRC7 ein gutes Spiel? Ich könnte auch die Frage stellen, ob ich für diesen Lesertest 50.000 Euro Prämie bekomme. Anfangs hätte ich das Spielchen als deutlich unterdurchschnittlich eingestuft, nach einer gewissen Eingewöhnungs- und intensiven Frustphase hat sich das normalisiert. Neue Rallyspiele gibt es nicht gerade viele, da ist man über alles dankbar, was kommt. Aber ehrlich gesagt kann ich es wirklich nur absoluten Rallyfans empfehlen, sich das Spielchen mal anzuschauen. Geschickte Fingerchen sind auch kein Nachteil und Nerven wie Drahtseile. Der Gelegenheits - Need for Speed - Spieler wird hier garantiert nicht warm. Die Weinreben aus Stahlbeton hat der Kollege im Haupttest angesprochen. Das ist zwar nur ein Detail am Rande, aber wir fahren in der Deutschland-Rally ein schönes Stück durch dieses Stahlweingebiet und kollidieren unweigerlich mehrmals. Das läßt sich fortsetzen, denn kleine Bäume, die am Straßenrand - also für mich auf der Straße - stehen, können wir auch nicht umfahren. Die Strohballen fliegen wenigstens davon, immerhin. 347 Kilometer bin ich laut Statistik gefahren, wobei es 1516 Kollisionen gab und ich 1818-mal ins Schleudern geriet. Es ist schade, weil gute Ansätze vorhanden sind. Da hätte man mehr daraus machen können. Sollen. Müssen.
Pro
  • Witterungsverhältnisse erzeugen Atmosphäre
  • endlich wieder ein Rally-Spiel
  • prinzipiell abwechslungsreiche Kurse
  • Schweden-Kurs recht unterhaltsam
Kontra
  • Steuerung sehr gewöhnungsbedürftig
  • Beifahrer erhöht mitunter Streßfaktor
  • hohe Wiederverwertung bei den Einzelstrecken
  • wenige Einstellungsmöglichkeiten am Fahrzeug
  • Team praktisch bedeutungslos
  • Auto nicht frei wählbar (nur im Einzelrennen)
  • Schwierigkeitsgrade nicht nachvollziehbar
  • ungeeignet für Einsteiger
  • Frustfaktor durchaus vorhanden
 

WRC 7

WRC 7
DerStratege
DerStratege 28.10.2017 PC 
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