Test zu Medal of Honor: Frontline von unserem Leser "TheInfamousBoss" - 4Players.de

 
Ego-Shooter
Entwickler: Electronic Arts
Publisher: Electronic Arts
Release:
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Spielinfo Bilder  

Durchschnittswertung

74%Gesamt
74%

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Lesertest von TheInfamousBoss

"Nehmt ihn von hinten!"

Kein Scheiß, diesen "Befehl" haben sicher 46.845 Wehrmachtssoldaten gerufen, nachdem sie aus Angst vor mir hinter einer 10 cm breiten Laterne in Deckung gegangen sind. Von welchem Game rede ich? OK, ihr habts ja schon gelesen: "Medal of Honor: Frontline" (MohF). Kleine Anmerkung: Die Bewertung spiegelt meinen Spielspaß von damals (in Worten: DAMALS) wieder, und das war 2002.

Angefangen hat alles mit einer Demoversion. Damals wurden Demos tatsächlich noch vor der Retailversion veröffentlicht, und so konnte ich mit der Ausgabe 07/2002 des Offiziellen PlayStation 2 Magazins meine Liebe für Ego-Shooter zufällig "entdecken".

Nun zum Spiel: Man übernimmt die Rolle des Lt. Jimmy Patterson (der wie Rambo wirkt) und landet in der Normandie mit dem Auftrag, sich mit ca. 11 (!!!) Waffen im Gepäck (Pistolen, Gewehre, Maschinenpistolen, Panzerschreck, Stielhandgranaten, Splittergranaten, Scharfschützengewehre und Sturmgewehre) den Weg zum HO-IX, einem hochmodernen Flugzeug, freizuschießen und das Gerät zu klauen. Der Weg dahin ist gepflastert mit hohlen Gegnern, die einen stets "von hinten nehmen" wollen oder "Oiiindringliiing" schreien. Unterstützung erhält man teilweise von noch hohleren KI-Kameraden, die nie treffen, total nutzlos und leider auch noch unsterblich sind.

Was macht dieses demnach für heutige Verhältnisse absolut lächerliche, menschenverachtende Non-Stop-Geballer denn nun 9,5 Punkte wert? Die Atmosphäre und die Tatsache, dass ich diesem Spiel meine ganze Spieleversammlung verdanke.

Denn die Kriegsatmosphäre ist trotz aller historischer Ungereimtheiten (Jimmy Pattersons Existenz ist so wahr wie Bill Clintons Aussage "I did not have sexuel relations with that woman") einfach unerreicht. Wenn man am Anfang auf einem Boot gen Omaha Beach fährt und seekranke Alliierte sich übergeben, nur um kurz darauf zu ertrinken, dann hat das was von "Saving Private Ryan".

Die Action ist unrealistisch, war damals aber up to date. Man hält auf "Einfach" 4 Raketentreffer (!!!) aus und kann sich daraufhin mit einem Medipack ganz locker heilen - sowas gibts heute nicht mehr.

Damaliger Standard ist auch die Steuerung, auf Wunsch konnte man sich sogar noch mit R1 und L1 drehen.

Ein weiterer Kracher ist der Sound: Das Zischen vorbeifliegender Kugeln (die man sogar sieht), Schreie und das Echo der Springfield-Sniper-Schüsse sind unvergesslich. Noch dazu die geniale, heroische Orchestermusik und fertig ist das patriotische Geballer.

Leider ist die KI strunzdumm und kennt außer "den Gegner von hinten nehmen" und vor Oiiindriingliiingen warnen nicht viele Manöver. Macht aber nichts bei der Masse.

Die Levels sind stets echten Orten nachempfunden und super designt, wenn auch extrem linear und nicht so originalgetreu wie beim späteren "Brothers in Arms".

Einen Multiplayer gab es bei der PS2-Version noch nicht, allerdings interessierte mich das auch gar nicht!

Mein erstes Ballerspiel, ein Stück Jugend. Einfach unvergesslich. DER WW2-Shooter!
Pro
  • Hammer-Kriegsatmosphäre
  • auf realistisch getrimmte, detaillierte Grafik
  • auch heute noch genialer Sound
  • viele Details wie z. B. das Klimpern der eigenen Ausrüstung beim Rennen
  • Filmausschnitte des zweiten Weltkriegs, die die "Story" vorantreiben (sollen)
  • im Vergleich zu heutigen Shootern recht lange Spielzeit (ca. 10-15 Stunden)
  • nie zu einfach, stets herausfordernd
  • ein Soundtrack, wie es ihn heute fast gar nicht mehr gibt
  • viele Waffen
  • unkomplizierte Action vor realistischem Hintergrund
  • einfache, konfigurierbare Steuerung
  • kleinere Schleichabschnitte
  • Medaillen und ausufernde Statistiken nach jeder Mission
  • extrem hoher Wiederspielwert
  • sauber programmiert, fast keine Ruckler, Glitches und Bugs
  • RIESIGER Nostalgiebonus von mir!
Kontra
  • schon auf "normal" recht schwer
  • Analogstick-Sensiblität nicht einstellbar
  • kein Multiplayer (war mir damals aber egal)
  • KI grenzt schon an Zumutung
  • Leichen lösen sich auf (Macke vieler damaliger Shooter)
 

Medal of Honor: Frontline

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