Test zu Brothers in Arms: Hell's Highway von unserem Leser "TheInfamousBoss" - 4Players.de

 
Ego-Shooter
Entwickler: Gearbox Software
Publisher: Ubisoft
Release:
26.09.2008
19.08.2009
15.04.2010
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Spielinfo Bilder  

Durchschnittswertung

92%Gesamt
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Lesertest von TheInfamousBoss

"What is it that makes a great soldier? Is it his brain, or his heart?"

Als WW2-Shooter immer einfallsloser wurden und zunehmend auch bei den Spielern ein Übersättigungsgefühl auslösten, erschien eine selten bzw. kaum beachtete und nicht gut genug verstandene Perle des Genres: "BiA: HH".
Aufgrund geringer Erwartungen ließ man sich nicht aufs Spiel ein, zockte es einmal im Schnelldurchlauf durch und stellte es zum Verstauben ins Regal. Warum das Spiel besser ist als allgemein dargestellt, versuche ich hier zu erläutern.

Seargant Matt(hew) Baker ist mit seinem Trupp der 101. Airborne Division seit Monaten in der Normandie unterwegs. Er dringt immer weiter in Feindesland vor und ist bei den Vorgesetzten ein "Garant" für erfolgreiche Missionen. Die oft missverstandene Art, seinen Männern nicht nur ein distanzierter Anführer, sondern gleichzeitig auch ein guter Freund zu sein, belastet den seiner Verantwortung nur zu deutlich bewussten Baker zunehmend. Seine Männer nimmt er in Schutz, leugnet deren teils fragwürdige Taten (Stichwort Leggett, ein Soldat, durch dessen Schuld in Teil 1 zwei Truppmitglieder starben), und belastet sich somit umso mehr. Er haölluziniert von toten Kameraden und ist psychisch am Ende. In diesem dritten Teil muss er sich nicht nur wieder der Wehrmacht, sondern auch seinen eigenen Dämonen stellen.

"BiA: HH" ist ein Anti-Kriegsspiel, zeigt dies jedoch nicht so direkt wie z. B. "Spec Ops: The Line". Man muss die Charaktere und mindestens einen der Vorgänger kennen, damit sich die Atmosphäre voll entfalten kann. Auch muss man manchmal "zwischen den Zeilen lesen" - oberflächlich ist das Spiel nur ein weiterer Taktik-Shooter.
Ein deutliches Beispiel für die zunehmenden psychischen Probleme Bakers ist das Variieren der Levelfarben: Der Auftrag beginnt in der grünen, idyllischen Normandie, führt über zunehmend zerbombte Städte und Fabrikhallen, dunkel- verregnete Ortschaften, verlassene Horror-Krankenhäuser bis hin zu besagtem "Hells Highway", der in einem Inferno endet. Das merkt man als anspruchsloser Zocker natürlich nicht.

"BiA: HH" wendet einen Kniff an, der vor allem durch "Uncharted 2" berühmt wurde: Man spielt einen Abschnitt aus der Mitte des Spiels zu Beginn, wirklich Sinn ergibt dieser jedoch erst später.
Der besagte Abschnitt ist sicherlich auch der atmosphärische Höhepunkt, denn Baker kämpft sich alleine bei Nacht durch ein dunkles, verlassenes Hospital, das nur spärlich bewacht wird und stellt sich seinen Dämonen, wobei teilweise schon surreale Einflüsse bestaunt werden dürfen - da geht in dunklen Gängen das Licht aus, Rollstühle bewegen sich, und machen Halluzinationen Baker zu schaffen. F.E.A.R. lässt grüßen! Total unerwartet und unglaublich effektiv.

Doch auch der Rest ist höchst intensiv. Man kämpft und kommandiert sich von Deckung zu Deckung, verlässt sich dabei auf die zuverlässigen Kameraden und kriegt die Grauen des Krieges vorgeführt: Tote Kinder, zerfetzte Leiber und verantwortungslose Fehler von Soldaten. Das Befehlssystem und die Steuerung sind sehr einfach und schnell erlernt, dennoch effektiv.

Die Kriegsathmospäre ist genial. Als Sieben-Mann-Trupp schleicht man sich an die Feinde, wartet auf den perfekten Moment und eröffnet das Feuer: "McCreary! DON'T - STOP - FIRING!". Die Stille wird unterbrochen von ratternden Browning-MGs, knarrenden Thompson-MPs und klickenden Magazinauswurfen der M1 Garands. Innerhalb weniger Sekunden hat man eine Patrouille ausgelöscht - im Krieg war das sicher nicht anders und genauso kalt und plötzlich.

Grafisch mache man sich die UE 3 zunutze, und vor allem für ein Spiel von 2008 gibt es teils höchst beeindruckende Grafiken zu bestaunen - alles ist stimmig! Nur manchmal ruckelt es, dies bleibt jedoch kaum bemerkbar. Die Uncut-Version bietet Gore en masse, denn ausreichende Feuerkraft vorausgesetzt, lassen sich die Wehrmachtssoldaten halbieren, halbe Köpfe abschießen und sämtliche Gliedmaßen abtrennen. Teilweise vielleicht etwas übertrieben, aber es verfehlt seine Wirkung nie. Einige präzise Kopftreffer und Explosionskills (auch durch mein Lieblingsteam, den Bazooka-Trupp) werden gezoomt und in Zeitlupe gezeigt. Es ist teilweise schon erschreckend, wie ein von der Druckwelle erfasster Feind in der Luft zerissen wird.

Soundtechnisch hat man erstklassig gearbeitet, denn alle Stimmen, Sounds, aber auch die wunderbare Musik gehen einem nicht aus dem Ohr.

Negativ anmerken kann man die etwas kurze Spielzeit (ca. 8 Stunden), die jedoch durch das relativ gleichbleibende Gameplay kompensiert wird.
Auch die Gegner-KI ist nicht immer vorteilhaft, denn die Deutschen arbeiten ausschließlich defensiv, werfen NIE Granaten oder flankieren einen mal - sie gehen nur in Deckung, bzw. ziehen sich zurück.

Den Multiplayer spreche ich lieber nicht an, sowas schlechtes habe ich wohl noch nie gesehen! Interessiert bei dem tollen Singleplayer aber auch nicht wirklich.

FAZIT: Unzensiert eine absolute WW 2-Perle. Unbedingt eine Chance geben!

8,5/10 Punkte
Pro
  • tolle Atmosphäre
  • charakterliche Entwicklung spiegelt sich auch in der Missionsgestaltung wider
  • unglaublich intensiver Abschnitt im Krankenhaus
  • hübsche Grafik mit einigen beeindruckenden Bereichen
  • rundum hervorragender Sound
  • bekannte WW 2-Waffen mit eigenen Eigenschaften
  • Das eigene Team wächst einem ans Herz
  • einfache Steuerung und effektives Befehlssystem
  • verschiedene Trupps (MG, Assault, Base of Fire, Bazooka) mit entsprechenden Stärken und Schwächen
  • schöne Musik
  • detailliert designte Gesichter ...
  • befriedigende Darstellung guter Kills durch die Action-Cam in Zeitlupe
  • spaßige Panzerabschnitte, bei denen man ordentlich ab- bzw. aufräumt
  • in Missionen auffindbare Hintergrundinfos mit echten Fotos
  • fast bug- und glitchfrei programmiert
Kontra
  • einige Realismus-Patzer durch Autoheal und unbegrenzte Munition der Teams
  • Deckung zu mächtig
  • Bazooka-Team zu stark
  • Gegner-KI zu defensiv und berechenbar
  • teilweise Nachladen von Texturen
  • ... die jedoch kaum Emotionen zeigen
  • Baker bewegt den Mund beim Erteilen von Befehlen nicht
  • etwas weniger 3rd-Person-Action (genutzt in Deckung), dafür mehr 1st-Person wäre wünschenswert gewesen
  • HINWEIS: Die deutsche Version ist verstümmelt und keine EUR 10,00 wert!
 

Brothers in Arms 3

Brothers in Arms: Hell's Highway

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