Der 4Players Kommentar: E3 und die Neugier auf Spiele

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Kommentar

hundertprozent subjektiv

KW 24
Mittwoch, 11.06.2014

E3 und die Neugier auf Spiele


Endlich kommt Schwung in den Ende letzten Jahres vollzogenen Generationswechsel! Nachdem es in den Monaten nach der Veröffentlichung von Wii U, Xbox One und PlayStation 4 ruhig um große Spiele wurde, holen Publisher und Entwickler auf der E3 voll aus: Sie machen gespannt auf neue Erlebnisse, wecken die Neugier auf nie gesehene Welten. Sie hypen, was das Zeug hält – man, was freue ich mich über diese E3!

So oder so ähnlich hätte ich es vor drei Tagen noch geschrieben. Heute kann ich über meine naive Ignoranz nur den Kopf schütteln. Der Hype bleibt jedenfalls aus. Wo soll er auch herkommen? Es bleibt ja alles beim Alten.

Ja, ich will Xenoblade Chronicles X spielen. Ich kann Bayonetta 2 kaum erwarten und werde mich in die taktische Action mit Rainbow Six: Siege stürzen. Für ein neues Crackdown werde ich sogar eine Xbox One kaufen.

Aber die Magie fehlt. Der Zauber des Unbekannten. Die aufregende Neugier darüber, was hinter einem frisch angekündigten Projekt steckt, das nicht nur ein weiteres Rollenspiel, ein Shooter, ein Rennspiel ist. The Division stellt in einem packenden Trailer z.B. eine interessante Dystopie vor – wird spielerisch aber als gewöhnlicher Shooter mit Rollenspielelementen präsentiert. Da kommt sicher ein gutes Spiel heraus. Doch obwohl nicht nur diese Entwickler gerne von "Inspiration" sprechen, inspiriert mich kaum ein Messekandidat.

Stattdessen werden hier wie da stoisch Spielelemente verbaut, die als statistisch erfolgreich gelten. "Minispiele", "Beute" und "Erfahrungspunkte" stehen ganz oben auf der Liste. "Offene Welt", "Koop" und "Zombies" dürfen nicht fehlen. Marketing bestimmt das Spieldesign – dass man es den Spielen schon im Vorfeld anmerkt, ist das Erschreckende. Das neue Zelda spielt in einer offenen Welt? Wie vorhersehbar.

Es ist ein Klischee, aber eben eins, das sich erneut bewahrheitet: Es sind überwiegend Independentspiele, die unerforschte Welten entdecken und neue Wege gehen wollen. Die meine Fantasie anregen. In Gedanken schwebe ich mit No Man's Sky schon in einem faszinierenden Weltall. Inside weckt bedrückende Assoziationen, die ich ergründen will. Abzû macht neugierig auf eine geheimnisvolle Reise.

Das muss ein gutes Abenteuer können: Es muss dazu animieren, eine fremdes Universum zu betreten, ohne den Satz "Gehe zu..." mit einen Richtungspfeil zu unterstreichen.

Doch Neugier und Fantasie – die fehlen den großen Produktionen der jungen Generation noch. Wie man Spieler einfach nur beschäftigt, weiß Tripple-A längst auswendig. Wie man ihn überrascht und zum Nachdenken anregt oder zum Träumen bringt, das müssen viele Entwickler aber erst wieder lernen.

Vielleicht gelingt ihnen das ja in den kommenden Jahren.

Benjamin Schmädig
Redakteur
Spielefresser, Biomonster & Fanboys
Spielefresser, Biomonster & Fanboys
Geschichten aus der Welt der Videospiele
Ausgewählte Kolumnen von Jörg Luibl, Chefredakteur bei 4Players.de, in einem Taschenbuch des CSW-Verlags.

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Kommentare

Lost Legend schrieb am
Wieso , ist das nicht inzwischen eine echte Neuerung ? ;)
Levi  schrieb am
öhm ... haben wir unterschiedliche Vorstellungen, des Wortes "Innovation" Oo
Lost Legend schrieb am
Die Innovation bei Witcher 3 wäre wphl vor allem dass sie ihren Kunden treu bleiben in Bezug auf Kopierschutz, und kostenlosen Erweiterungen :)
Lost Legend schrieb am
Naja, Es gibt schon ein paar Spiele die Hoffnung machen das die Spiele Branche noch nicht am Ende ist was Innovationen betrifft. Man sehe sich Divinity : Original Sin an mit einem äusserst gut ausgearbeitetem Coop (Und Lan Funktion ! ). Man bestaune das neue Torment. Man bewundere The WItcher 3. Man sinniere über Pillars of Eternity.
Geschmäcker sind natürlich verschieden, aber so übel wie hier angeprießen ist die aktuelle Situation nicht, im Gegenteil gerade in einer Zeit in der es meiner Meinung nach einen Haufen schrott gibt, stechen genannte Titel umso mehr heraus, und führen hoffentlich dazu dass die Developer besagter Titel genug finanzielles Feedback bekommen um ihre Visionen bestätigt zu sehen.
Matico schrieb am
Ich stimme in Teilen zu. Aber das ist nicht wichtig. Ich bin alt. Ich habe schon vieles gesehen. Und ich bin vermutlich ausserhalb der Zielgruppe, oder zumindest nicht mehr dessen Kern.
Wenn man seit Anbeginn der Zeit Shooter spielt ist das neue COD natürlich noch einen Tick langweiliger als es das für jemanden ist der sagen wir mal...zwanzig ist. Das ist doch nur logisch. Da kann der Markt aber nichts dafür.
In einem Stimme ich zu: Das Open World Konzept von Ubisoft ist furchtbar. Sammel alles ein, schalte alles frei und mach nebenbei die Main Mission hat mich schon seit dem ersten AC nur genervt. Und das wo ich doch Open World als mein liebstes Genre bezeichne. Aber auch das bleibt Geschmackssache.
Zuwenig gute Spiele? Wenig Innovation? Ja, für mich schon. Aber nicht für viele der Jüngeren. Damit muss man leben und das ist auch OK so.
Und jaaa es gibt auch 17 Jährige die das alles langweilig finden, ich spreche hier nur von Tendenzen.
Bitte beachtet bei der Bewertung der aktuellen Situation auch immer euer Alter. Vielleicht, nur vielleicht war man früher auch begeisterungsfähiger :biggrin:
Matico
schrieb am

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