Der 4Players Kommentar: The Club: Warum klappt es nicht?

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Kommentar

hundertprozent subjektiv

KW 06
Freitag, 08.02.2008

The Club: Warum klappt es nicht?


Es funkt nicht. Bei keinem von uns. Dabei lieben wir den Shooter als solchen. Dabei haben wir hier ganz unterschiedliche Typen in der Redaktion, vom genügsamen Retrofan bis zum anspruchsvollen Highendfanatiker, vom projektilgeilen Alleswegrotzer bis zum taktischen Deckungsschützen. Irgendeiner springt eigentlich immer auf etwas an - selbst auf Exoten wie Katamari, Nascar oder Crysis.

Aber The Club klappt nicht. Es lässt uns alle seltsam kalt. Wieso, weshalb, warum? Es kommt doch von Bizarre Creations, also von den verdammt talentierten Briten, die unsere Awards seit Jahren mit Project Gotham Racing einfahren! Es wird von der englischsprachigen Presse zwar nicht euphorisch, aber teilweise gut besprochen. Gut, es gibt keine Story und man ist schnell durch. Es kommt grafisch auch nicht an die Kettensägenpracht aus dem Winter 2006 ran, aber sieht sowohl auf 360 als auch PS3 ansprechend aus, die Steuerung flutscht, es hat keine Bugs und es läuft flüssig.

Auch das Spielkonzept wirkt auf den ersten Blick noch erfrischend anders. Es vermengt uralte Arcade-Instinkte mit den modernen Gelüsten eines Waffenpornos: Schieß dich mit Pistole, Uzi und Schrotflinte in der Highscore nach oben! Wir waren verdammt neugierig auf dieses Konzept, denn der Wettbewerb um Punkte kann Spielefresser magisch anziehen - egal ob in Geometry Wars oder bei der Gamerscore-Geilheit.

Da schlummerte durchaus Potenzial. Aber es wurde verschenkt, weil die Briten ihrer erfolgreichen Philosophie nicht treu blieben. Die Jungs von Bizarre Creations standen bisher für Style, für Eleganz und Glanz. Nicht der schnellste, sondern der beste Fahrer wurde belohnt - sauber durch die Kurven driften, Schikanen ausweichen und möglichst wenig Kollisionen verursachen. Nicht der Gaspedaltreter oder der Turbofetischist, sondern der Lenkradstilist wurde belohnt.

Das mögen wir Spieler, denn der Kudos-Erfolg schmeichelt unserem fahrerischen Talent und genau das sticht aus dem Tuning- und Turboeinerlei heraus. Und das hat es einzigartig unter den Rennspielen gemacht. Auch The Club hätte positiv auffallen, wenn es die Skills des Shooterfans gekitzelt hätte. Dazu gehört seit ein paar Jahren mehr als zielsicheres Rushen: Warum wird man nicht für stylisches, akrobatisches oder effizientes Schießen belohnt? Also die Kombo aus erfolgreich in Deckung hechten und danach den Headshot setzen? Oder die Kombo aus fünf Gegner mit nur fünf Schuss erledigen? Oder das Erreichen des Ausgangs nur mit Pistole und Messer, aber ohne Gegentreffer? Oder das Überleben gegen 30 Mann mit nur einer Granate und einem Magazin für die Uzi?

The Club hätte sich als Highscore-Shooter mehr Richtung Stranglehold, Splinter Cell oder Rainbow Six: Vegas entwickeln müssen als in Richtung Serious Sam mit schnöden Trefferkombos. So ist es leider nicht mehr als ein Need for Speed für Shooterfans. Nicht nur, weil das Spieldesign auf Hektik und Dauerfeuer runtergebrochen wurde, sondern weil die Unterschiede zwischen den Söldnern kaum spürbar sind - selbst nach dem Figurenwechsel herrscht Monotonie! Und das bricht dem ohnehin oberflächlichen Konzept das Rückgrat.

Hätte Bizarre Creations eine Art PGR für Shooterfans gemacht, eine Project Gun Racing, was wir diesem Genre wünschen würden, dann hätte man jubeln können. So kann man am Ende ob der verschenkten Chance nur enttäuscht sein. Nicht die Technik, die Story oder die Umsetzung ist gescheitert, sondern das Spieldesign in seiner Konzeption. Vielleicht hätte Sega à la Blizzard den Mut zur Axt aufbringen müssen...


Jörg Luibl
Chefredakteur
Spielefresser, Biomonster & Fanboys
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Geschichten aus der Welt der Videospiele
Ausgewählte Kolumnen von Jörg Luibl, Chefredakteur bei 4Players.de, in einem Taschenbuch des CSW-Verlags.

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Kommentare

johndoe300991 schrieb am
Warum ist Crysis jetzt eigentlich ein Exot? Oder war das nur eine schnell runtergeschriebene Provokation?
Buggsy Siegel schrieb am
ich finde sowieso, dass zuviele games irgendwie unfertig auf den markt kommen. bestes beispiel ist assassin's creed.
Flaxigtupp schrieb am
.emerald hat geschrieben:
Yoshi 256 hat geschrieben:"The Club" geht zwei Schritte zurück, um einen voranzukommen. Das Spiel nimmt einen klassischen 3rd-Person Shooter, trimmt ihn voll auf Punktejagd und ködert mit der Ideallinie, dem "Perfect Run". "The Club" ist ein Shooter, in dem sich jeder Schuss, jeder gelungene Abschnitt oder falschen Move in Punkten widerspiegelt. Und somit ein exzellentes Spiel, das dem Highscore als Spiegel des eigenen Könnens ein Denkmal setzt.
Aber 4Players Inkompetenz vorzuwerfen, ist ja wie einem Shooter Gewalt vorzuwerfen. Das gehörte, gehört und wird immer einfach untrennbar zusammen gehören.;)
4Players hat geschrieben:. Irgendeiner springt eigentlich immer auf etwas an - selbst auf Exoten wie Katamari , Nascar oder Crysis
Ihr seid so kindisch. :roll:
Zitiert aus dem neuen Gee, nicht wahr? Die Artikel in der Zeitschrift sind toll, aber die Tests für die Katz. Ich habe noch nicht ein Spiel gesehen, das sie schlecht besprochen haben, da folgt Lobeshymne auf Lobeshymne. Bei Assassins Creed gings z.B. auch mal wieder mehr um Jade Raymond als das Spiel selbst. Dafür war Mittelalter 2.0 (auch für AC) das beste Titelmotto eines Spielemagazins, das es bisher gab. :wink:
Sieht man doch an seiner Sig: der Link zum GEE-Podcast :)
Dafür ist die GEE neben der eingestellten dt. Edge die einzige Zeitschrift, die sich um die ganzen Details eines...
.emerald schrieb am
Yoshi 256 hat geschrieben:"The Club" geht zwei Schritte zurück, um einen voranzukommen. Das Spiel nimmt einen klassischen 3rd-Person Shooter, trimmt ihn voll auf Punktejagd und ködert mit der Ideallinie, dem "Perfect Run". "The Club" ist ein Shooter, in dem sich jeder Schuss, jeder gelungene Abschnitt oder falschen Move in Punkten widerspiegelt. Und somit ein exzellentes Spiel, das dem Highscore als Spiegel des eigenen Könnens ein Denkmal setzt.
Aber 4Players Inkompetenz vorzuwerfen, ist ja wie einem Shooter Gewalt vorzuwerfen. Das gehörte, gehört und wird immer einfach untrennbar zusammen gehören.;)
4Players hat geschrieben:. Irgendeiner springt eigentlich immer auf etwas an - selbst auf Exoten wie Katamari , Nascar oder Crysis
Ihr seid so kindisch. :roll:
Zitiert aus dem neuen Gee, nicht wahr? Die Artikel in der Zeitschrift sind toll, aber die Tests für die Katz. Ich habe noch nicht ein Spiel gesehen, das sie schlecht besprochen haben, da folgt Lobeshymne auf Lobeshymne. Bei Assassins Creed gings z.B. auch mal wieder mehr um Jade Raymond als das Spiel selbst. Dafür war Mittelalter 2.0 (auch für AC) das beste Titelmotto eines Spielemagazins, das es bisher gab. :wink:
johndoe300991 schrieb am
Zitat aus der GEE:
"The Club" geht zwei Schritte zurück, um einen voranzukommen. Das Spiel nimmt einen klassischen 3rd-Person Shooter, trimmt ihn voll auf Punktejagd und ködert mit der Ideallinie, dem "Perfect Run". "The Club" ist ein Shooter, in dem sich jeder Schuss, jeder gelungene Abschnitt oder falschen Move in Punkten widerspiegelt. Und somit ein exzellentes Spiel, das dem Highscore als Spiegel des eigenen Könnens ein Denkmal setzt.
Aber 4Players Inkompetenz vorzuwerfen, ist ja wie einem Shooter Gewalt vorzuwerfen. Das gehörte, gehört und wird immer einfach untrennbar zusammen gehören.;)
4Players hat geschrieben:. Irgendeiner springt eigentlich immer auf etwas an - selbst auf Exoten wie Katamari , Nascar oder Crysis
Ihr seid so kindisch. :roll:
schrieb am