Der 4Players Kommentar: Fragen vor der E3 2008

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Kommentar

hundertprozent subjektiv

KW 28
Freitag, 11.07.2008

Fragen vor der E3 2008


Spieglein, Spieglein an der Wand, welche Messe ist die wichtigste im Spieleland? Nicht die Games Convention im beschaulichen Sachsen, auch nicht die Tokyo Game Show im fernen Japan, sondern die E3 im heißen Los Angeles.

Warum muss man das überhaupt betonen? Weil es in letzter Zeit immer wieder Gerede über den Zerfall, den Untergang oder zumindest die schwindende Bedeutung der kalifornischen Spielemesse gab. Allerdings ist das eine Einschätzung, die man meist aus deutschen Branchenkreisen vernimmt - und das, obwohl hierzulande gerade eine Messespaltung zwischen Köln und Leipzig stattfindet.

 Dem Rest der Welt ist das vollkommen egal. Deutschland spielt in der internationalen Wahrnehmung nicht die erste, nicht die zweite, sondern irgendeine entfernt platzierte Spielegeige. Und selbst wenn auch die Veranstalter der E3 mit Querelen zu kämpfen haben, selbst wenn Activision Blizzard offiziell nicht teilnimmt, werden dort vom 14. bis 17. Juli die Weichen für die nahe Spielezukunft gestellt.

Nachdem Diablo 3 bereits seine spektakuläre Aufwartung machte und Spore so langsam am Gewöhnungs- & Experimentiereffekt laboriert, stehen die Konsolen ganz klar im Vordergrund. Auch wenn mich PC-Schwergewichte wie Dragon Age, Mafia 2 und Empire: Total War unheimlich interessieren, wird auf der E3 eine andere Frage wichtig sein: Mit welcher Strategie wollen Sony, Microsoft und Nintendo die Gunst der Spieler gewinnen?

Dabei steht vor allem Nintendo unter Zugzwang. Denn während Microsoft (Gears of War 2, Fable 2 etc.) und Sony (Resistance 2, LittleBigPlanet etc.) einige der diesjährigen Spiele-Highlights bereits enthüllt haben, und mit reichlich Nachschub von Drittherstellern (Far Cry 2, Bionic Commando, Dead Space etc.) rechnen können, weiß man von Nintendo fast gar nichts. Was haben die Mario-Macher für das zweite Halbjahr in petto? Schlagen sie etwa den reinen Family-Fitness-Weg ein oder präsentieren sie noch dieses Jahr große Spiele für echte Zocker? Auf der E3 muss Nintendo Tacheles reden.

Bevor wir Zelda & Mario trapsen hören, bleiben auch die Hard- & Software-Spekulationen hinsichtlich der Verfolger interessant: Microsoft könnte nicht nur mit einem neuen bewegungssensitiven Controller den lukrativen Nintendoweg einschlagen, sondern auch mit einem Handheld nachziehen - ob J. Allard die Bühne mit einem Xboy samt Yahoo-Suche stürmt? Der Mann, der mal das Gesicht der Xbox war, ist jedenfalls verdächtig lange im Hintergrund aktiv. Und wenn man den DS lange genug studiert, könnte man auf kreative Gedanken kommen.

Sony wird seine Online-Plattform Home nach all den Verschiebungen in den Vordergrund rücken: Was hat Home zu bieten? Welche Funktionen kann ich nutzen? Kann sie Xbox Live Paroli bieten oder gar eine neue Ära des virtuellen "Socializing" einleiten? Wir werden ein Interview mit einem Entwickler-Avatar in Home führen und Antworten liefern.

Und die Grafikspirale? Welche Rolle spielt das Polygongeprotze? Eine untergeordnete: Killzone 2 ist zwar spielbar, aber aufgrund der Verschiebung kommt es nicht zum direkten Zweikampf mit der Bizepspower von Gears of War 2. Die Grafikkrone könnte aber auch an Resident Evil 5 gehen, das ebenfalls erstmals vor Ort spielbar sein wird. Wir freuen uns riesig drauf und wir halten euch mit Vorschauen auf dem Laufenden.

Für uns ist abseits all der politischen Strategien, potenten Prachtkulissen und markigen Sprüche vor allem eines wichtig: Die Zukunft. Die Visionen. Welche Spiele, welche Neuheiten kommen 2009 oder gar 2010?

Und da schwirren alte und neue Namen wie Heavy Rain, Shenmue, Alan Wake, Beyond Good & Evil, Eternal Darkness, Prince of Persia, MegaMan, System Shock, Eye of the Beholder, Virtua Tennis, Civilization, Shadow of the Colossus, Zelda, Deus Ex oder gar Thief durch einen Nebel von berechtigten Ahnungen und purer Naivität. Hoffentlich gewinnen in Los Angeles einige von ihnen an Kontur. Und hoffentlich werden neue Helden geboren.

Jörg Luibl
Chefredakteur

Spielefresser, Biomonster & Fanboys
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Geschichten aus der Welt der Videospiele
Ausgewählte Kolumnen von Jörg Luibl, Chefredakteur bei 4Players.de, in einem Taschenbuch des CSW-Verlags.

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Kommentare

nowadays81 schrieb am
KleinerMrDerb hat geschrieben:
Sayth hat geschrieben:Uncharted als grafischer Höhepunkt? ...na ja, ich weiß nicht, da hat man doch bisher bereits besseres gesehen.
Uncharted hat sicherlich einen eigenen Stil aber wenn man wirklich NUR die Grafik betrachtet, Texturauflösung, Shader verwendung etc. dann ist Uncharted wirklich immer noch gut an der Spitze.
Auf den ersten Blick gefällt mir z.B. MGS 4 auch besser aber bei genauerer Betrachtung sind dort viele Texturen nur farbiger Matsch.
Stimmt haargenau! Man darf sich bei Uncharted von dem leicht bunt-comichaften Stil nicht täuschen lassen. Die Texturen sind wunderbar hoch aufgelöst, die Schatten einfach nur klasse und gänzlich OHNE Flimmern (MGS4, GTA IV usw.), das Motion Capturing super. Zudem ist das alles ruckelfrei bei konstant hoher FPS. Wenn ich da an die AC-Ruckelorgie denke...
Auch aus meiner Sicht einer DER grafisch herausragenden Titel, bis dato vielleicht sogar DAS herausragende Spiel.
MemmphiS schrieb am
E³ ist und bleibt das Maß aller Dinge bei Spielermessen. Auch wenn die GC es nicht wahr haben will, '07 konnte man ohne Probleme feststellen das die Masse der Spiele auf der GC auch schon auf der E³ zu sehen waren. Neuheiten oder Neuveröffentlichungen gleich fehlanzeige. Der World in Conflict Trailer und das Crysis anspielen waren meine Höhepunkte auf der GC letztes Jahr aber richtig erstaunliches bot sie im Vergleich zu der E³ nicht.
TNT.ungut schrieb am
das liegt wohl wirklich an dieser neulingswelle. seitdem spiele zum massenmedium geworden sind ist die anzahl der spieler größer geworden, die eben sowieso nicht soviel spielen, oder vorher kaum etwas gespielt haben. diesen leuten kann man wohl kaum etwas verkaufen, was sie nicht einmal durchschaffen, oder evtl nur von den 10% hardcore gamern, die sie dann neidvoll anschauen müssten.
dann wären sie aber wohl kaum noch für videospiele zu begeistern.
ich hoffe ja auch, daß sich das irgendwann einpendelt, denn einen unendlich großen kundenstamm kann man ja nicht erschliessen. irgendwann sollten dann vorallem die heutigen noob massen doch etwas höhere ansprüche stellen.
schrieb am