Der 4Players Kommentar: Der StarCraft II-Dreiteiler

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Kommentar

hundertprozent subjektiv

KW 43
Freitag, 24.10.2008

Der StarCraft II-Dreiteiler


Geldgier in Reinkultur! Was fällt denen ein, meine Lieblinge erst im Add-On zu bringen, anstatt sofort? Über 100 Euro für ein Echtzeit-Strategiespiel - geht's noch? Machen die mit World of WarCraft nicht schon genug Geld? Was war denn da los, fragt ihr euch? Das waren erste Reaktionen auf die Ankündigung, dass die StarCraft II-Kampagne in drei Blöcke aufgeteilt wird - in eine "Vollversion" und zwei "Add-Ons".

Nach der ersten Ankündigung war ich als StarCraft-Zergling etwas vor den Kopf gestoßen. Wie jetzt? Soll StarCraft II etwa wie Half-Life 2 Episode 1 bis 3 schrittweise veröffentlicht werden? Darauf kann und will ich nicht warten! Erst nach einigen Erklärungen von Rob Pardo auf der BlizzCon und in unzähligen Interviews (wir berichteten) ergab die Dreifach-Staffelung langsam Sinn - vor allem, wenn man die Alternativen im Auge behält.

Doch zunächst zur Ausgangslage: Laut Blizzard soll jede der drei Kampagnen (Terraner, Zerg und Protoss) rund 25-30 Missionen lang sein, nichtlineare Elemente beinhalten und viele neue Charaktere einführen, mit denen der Spieler wie in einem Mini-Adventure außerhalb der Einsätze interagieren kann. Mehr (Ingame-)Zwischensequenzen werden versprochen, zugleich lässt sich die Umgebung wie Computerkonsolen oder Galaxiskarten dazu nutzen, um mehr Hintergrundinformationen über das StarCraft-Universum zu erfahren. Darüber hinaus bekommt jede Fraktion ein einzigartiges Feldzug-Element (weitere Details).

Dieses recht aufwändige Design ist der Knackpunkt, warum sich Blizzard für die Dreiteilung entschieden hat. Nach eigenen Aussagen fehlt es ihnen an internen Entwicklungsressourcen (Zeit, Teamgröße, etc.): Würde jedes Volk zum Verkaufsstart die lange Kampagne bekommen, wären das rund 80-90 Missionen, was zwar ein fantastischer Umfang wäre, aber bei gewohnter Blizzard-Terminierung stände es frühestens im Jahr 2014 im Laden. Bis dahin will niemand warten, insbesondere wenn man die grafische/technische Inflation im Hinterkopf behält. Ob mehr Personal (Kosten, Einarbeitungszeit, etc.) helfen, darf kontrovers diskutiert werden.

Kann man die Kampagne nicht kürzen? So auf acht bis zehn Einsätze pro Fraktion wie beim ersten StarCraft? Meiner Meinung nach: Nein, auf keinen Fall! Wie soll man einen nichtlinearen und mit Auswahlmöglichkeiten versehenen Feldzug von rund 25-30 Missionen beschneiden, ohne dass der Rahmen - die Story - verloren geht? Im Filmbusiness ist solch eine Extrembeschneidung eher üblich und wenn man beispielsweise die Geschichte à la "Babylon AD" zu Gunsten der Action kastriert, ist das Ganze eine unbefriedigende Lachnummer. Hätte ich die Wahl zwischen "einer zehn Missionen langen Missionsabfolge mit Mini-Story und keinen Wahlmöglichkeiten, dafür in dreifacher Ausführung" oder "einer epischen Geschichte mit markanten Charakteren und dazugehörigen nichtlinearen Passagen", wäre mir die zweite Variante lieber, trotz einseitiger Sichtweise. Allerdings kann das nur funktionieren, wenn die Story fesselnd, überraschend und gekonnt inszeniert ist.

Das Echtzeit-Strategiespiele gerade wegen einer Story richtig aufleben können, zeigte C&C 3: Tiberium Wars : Das EA-Spiel zog seinen Unterhaltungswert primär aus der topinszenierten "Story" mit markanten Charakteren wie Kane. Das eigentlich simple Echtzeit-Strategie-Spielchen dahinter wurde dank der Geschichte aufgemöbelt und die Story zum motivierenden Faktor, wenn auch das Erzählte nicht allzu episch war und viel mehr Potenzial gehabt hätte. Hier wartet nun die Herausforderung für Blizzard, nämlich das StarCraft II-Universum mit Leben, Charakteren und interessanten Geschichten anzufüllen - und zwar in einem Ausmaß, der den Verzicht auf zwei Start-Kampagnen wettmacht! Schließlich zieht StarCraft seinen Reiz gerade aus den drei unterschiedlichen Fraktionen...

Ich kann natürlich verstehen, wenn sich Zerg- oder Protoss-Fans über die vertagte Kampagne ärgern und lieber sofort mit ihren Lieblingen in die Geschichte stürzen wollen, jedoch möchte ich beim jetzigen Wissensstand keinesfalls die angekündigten Features missen. Mir ist eine gut gemachte lange Kampagne mit sinnvollen Wahlmöglichkeiten lieber als eine überstürzte und kurze Abfolge von Missionen, die kaum Flair entfaltet: Ich möchte mehr Atmosphäre, Geschichte und Tiefgang als eine oberflächliche, zu schnell erzählte Kost ohne "Lasting Appeal". Ich will keinen 08/15-Mist, den ich nach zwei Wochen wieder vergessen habe! Ich möchte etwas Besonderes, etwas Nachhaltiges... hmmm, klingt schon fast politisch!

Wollt ihr eh nur im Multiplayer-Modus spielen, kann euch das Splitting prinzipiell egal sein: Den Mehrspieler-Modus wird diese Trennung nicht beeinflussen. Mit der Terraner-Fassung bekommt ihr Zugang zum Battle.net und könnt alle Rassen spielen. Da die Trainingszeit für die anderen Fraktionen logischerweise ausfällt - da keine Kampagne vorhanden ist - wird es spezielle Trainingskarten geben und der Skirmish-Modus tut sein Übriges. Doch welcher StarCraft-Enthusiast möchte auf das Zerg-Add-On warten, während sich alle Welt im Hauptprogramm schon mit dem Schwarm im Gefecht/Mehrspieler-Modus anfreundet?

Trotzdem bleiben (zu) viele Fragen offen: Was ist, wenn ich partout nur Zerg spielen will? Wird mir der Gefecht- bzw. Mehrspieler-Modus im Hauptprogramm ausreichen? Muss ich die StarCraft II: Terraner-Edition kaufen, damit das Zerg-Add-On funktioniert oder wird es eine Stand-Alone-Fassung? Und wenn das Hauptprogramm eine Mini-Protoss-Kampagne enthält, warum bekommen die Zerg keine - wenigstens kurz zum Anspielen als Appetizer? Hier wird ebenfalls der Story-Aspekt fragwürdig: Ergibt die Geschichte ein vollständiges Bild, wenn ich den Terraner-Feldzug nicht spiele und mit den Zerg einsteige oder fehlt mir dann ein Stück vom Puzzle?

Blizzard pauschal als geldgierig zu verurteilen, nur weil sie mit World of WarCraft eine Gelddruckmaschine sondergleichen haben, halte ich für kurzsichtig. Man muss im Auge behalten, was man für sein Geld bekommt und im Hinblick auf den Qualitätsaspekt, haben die Blauen einen guten Kompromiss gewählt - obwohl längst nicht alle Querelen aus dem Weg geschafft sind und nicht alle zufrieden gestellt werden.

Ich hoffe letztlich, dass die Qualität von Kampagne, Story und Missionsdesign für den gewählten Weg sprechen und den Dreiteiler rechtfertigen. Dennoch wäre es schön, wenn im Hauptprogramm (StarCraft II - Terraner) nicht nur eine, sondern zwei kurze Kampagnen mit den anderen Fraktionen vorzufinden wären und beide Add-Ons ohne das Hauptprogramm funktionieren würden!

Spielefresser, Biomonster & Fanboys
Spielefresser, Biomonster & Fanboys
Geschichten aus der Welt der Videospiele
Ausgewählte Kolumnen von Jörg Luibl, Chefredakteur bei 4Players.de, in einem Taschenbuch des CSW-Verlags.

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Kommentare

Kashrlyyk schrieb am
Na_Dann_Ma_GoGo hat geschrieben:Also wer behauptet, dass das Spiele Entwickeln auf Grund besserer Tools etc. einfacher geworden wäre und schneller von statten geht... also ich kann mir das einfach nicht vorstellen.
Zum Beispiel beim Modellieren, während man bei SC1 nur n paar 2D Texturen erstellen musste, benötigt ein heutiges Game scharfe 3D Modelle und die dementsprechenden Texturen. Da es kein Tool gibt, das mal so eben wunderbare, passende Texturen auf ein Modell ablichtet haben die Angestellten hier mit Sicherheit einiges mehr zu tun als damals.
Und auch wenn viele Sachen mit der Zeit vereinfacht wurden (wie Objektbewegungen etc.) fordert die Game Community doch immer genialere Errungenschaften, die erstmal neu entwickelt werden müssen......
Es gibt heutzutage "Mäuse" mit denen man 3dimensionale Bewegung machen kann und Programme mit denen man direkt auf das Model die Textur malt. Zusammen genommen dürfte man sehr nah am Airbrushen sein.
NaDannMaGoGo schrieb am
Selten so viel Schrott gelesen.
Uhhh wie böse, ein Unternehmen will Geld verdienen!!!!
Und sie geben einem auch noch höchste Qualität dazu und probieren ein vielversprechendes neues Konzept!
WAS FÜR SCHWEINEEEEEEEE!
Im Ernst, der einzige schlechte Grund für den Kunden ist jener, dass es keine wirklich Zerg / Protoss Kampagnen im ersten Teil gibt. Sonst existiert im Grunde kein Problem [und dieses wird von der höchstwahrscheinlich daraus resultierenden epischen Kampagne keines darstellen].
Wer denkt, dass 50? für Starcraft2 zu viel sein wird, kein Kommentar.
Und da die Add Ons nicht verpflichtend sind, brauch man über deren Preis, der mit 30? vollkommen in Ordnung ist, gar nicht erst diskutieren.
Wer sich bei nem Blizzardspiel übers Preis/Leistungsverhältnis aufregt... denkt entweder über WoW nach oder ist nicht ganz dicht in der Birne.
Wie sich hier über 1A Qualität aufgeregt wird, einfach nur unbeschreiblich dämlich.
Und wenn mir n WoW Zocker erzählen will, dass er 110? für Komplett SC2 über mehrere Jahre als zu viel ansieht... dann sollte dieser mal gaaaaaanzzz langsam an seinen Mathematikunterricht zurückdenken.
USERNAME_1494092 schrieb am
ich bin immer noch der meinung, dass es abzocke ist:
was spricht dagegen 3 kampgnen parallel zu entwickeln? nicht genug leute?
kann ich mir nich vorstellen und wenn doch, dann stellt man halt genug ein. ausserdem ist die angestrebte spielzeit von 50 stunden in manchen genres ganz normal, z.b. rollen spiele. ich werds mir nicht kaufen, obwohl ich ein unglaublicher starcraft fan bin. aber leider werden die meisten, die jetzt noch meckern, nicht so konsequent sein. war ja beim zu hohen ps3 preis oder der unverschämten rockband preisgebung das gleiche. schade, dass gamer viel zu "preisunbewusst" sind. in anderen sparten klappt das viel besser überteuerte produkte abzustrafen....
WarPImP schrieb am
Zum Glück sind wir hier alle intelligente Individuen und Herren über unsere eigenen Emotionen. Deswegen beleidigt hier auch niemand jemand anderen Aufgrund einer von der eigenen abweichenden Meinung. So etwas wäre nämlich ein wahres Armutszeugniss für eben jene intelligenten Individuen, welche zu einem gewissen Prozentsatz das 18. Lebensjahr bereits vollendet zu haben scheinen. *ironieprozessor: overflow->shutdown*
@Topic: Ich seh das auch wie schon einige meiner Vorredner; die Nachfrage reglet das Angebot und den Preis. Wem SC2 also schmeckt, der wird auch seinen Preis dafür zahlen, alle anderen werden VON NIEMANDEN GEZWUNGEN (das möchte ich hier mal bestärkend hervorheben), sich das Spiel zu kaufen!
In diesem Sinne, einen schönen Abend noch!
Soggy Bottom Boy schrieb am
also mein "Sicher!" galt dem Kritik äußern und nicht dem kommentarlos hinnehmen! ;)
hatte mich da nicht vernünftig bezogen.
schrieb am