Der 4Players Kommentar: Das vorzeitige Online-Gameover

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Kommentar

hundertprozent subjektiv

KW 11
Freitag, 16.03.2012

Das vorzeitige Online-Gameover


Electronic Arts holt mal wieder zum Rundumschlag aus und nimmt Server vom Netz: Ab dem 13. April ist damit eine weitere Auswahl an EA-Titeln zum Offline-Dasein verdammt (siehe News). Auf der einen Seite lässt sich die Entscheidung nachvollziehen, denn die Unterhaltung der Geräte kostet Geld – und sparen muss heutzutage jeder. Vor allem, wenn man wie EA rote Zahlen schreibt. Und mal ehrlich: Will man heute angesichts eines großartigen FIFA 12 tatsächlich noch in einem mittelmäßigen FIFA 10 auf dem Online-Platz um Tore kämpfen oder noch in Need for Speed: Pro Street seine Runden drehen?

Doch in letzter Zeit scheint nicht nur das Alter, sondern zunehmend der kommerzielle Erfolg das Schicksal der Servererhaltung zu bestimmen. MMA ist nicht mal zwei Jahre alt, das Gleiche gilt für das kostspielige Fitness-Programm EA Sports Active 2.0, das sogar als Online-Plattform etabliert werden sollte. Und jetzt wird einfach der Stecker gezogen – ohne Rücksicht auf Verluste.

Es ist bedenklich, wie der Publisher die Zeiten immer weiter verkürzt, in denen die Spiele am Netz bleiben dürfen. Gerade angesichts der Tatsache, dass Gebrauchtkäufer mit Onlinepässen mittlerweile zusätzlich zur Kasse gebeten werden und EA diese Idee als „Project 10 Dollars“ ursprünglich sogar geboren hat. Videospiele kosten eine Menge Geld. Und da man für die Onlinefunktionen mit bezahlt, sollte man auch erwarten können, eine Zeit lang etwas davon zu haben. Doch wenn es in diesem Tempo weitergeht, wird man bald nicht mal mehr die Chance haben, rechtzeitig alle Achievements oder Trophäen abzugreifen, die man nur in Onlinepartien gewinnen kann.

Außerdem ist schon seit ein paar Jahren ein trauriger Trend zu beobachten: Mehrspielermodi stehen immer häufiger ausschließlich über das Internet zu Verfügung! Versucht mal, ein Gran Turismo 5 mit ein paar Leuten zu spielen, falls Sony sich entschließen sollte, die Server abzuschalten. Das ist genauso unmöglich wie bei Forza Motorsport 4...oder sogar einem Shooter wie Medal of Honor. Dabei könnte man die Mehrspielerkomponente zumindest halbwegs am Leben erhalten, wenn man die Spiele zusätzlich mit einer LAN-Option (bzw. System Link) ausstatten oder sie bei einer bevorstehenden Abschaltung der Online-Server zumindest nachreichen würde. Doch das Gegenteil ist der Fall, wie aktuelle Beispiele zeigen: Damit Käufer schön brav online spielen und im Fall von Xbox Live sogar zusätzlich dafür zahlen, wird die LAN-Alternative erst gar nicht angeboten – eine Frechheit!

Doch das ist erst die Spitze des Eisberges: Richtig brisant wird es, wenn Server für solche Spiele abgeschaltet werden, die einzig auf das Onlineerlebnis ausgelegt sind und gar keine Offline-Inhalte mehr bieten. Sollte sich EA also irgendwann dazu entschließen, The Old Republic die Server-Macht zu entziehen, wird das Spiel genauso unbrauchbar wie ein Battlefield: 1943, Final Fantasy XI oder Shadowrun. Auch Titel, deren Kampagnen mit Mehrspielererfolgen verzahnt sind, würden nach der Abschaltung einen herben Verlust erleiden. Aber vielleicht ist das der Preis, den wir für die moderne Unterhaltung zahlen müssen: Wir bekommen zwar in Spielen dank der Onlineanbindung mehr Möglichkeiten geboten als früher, aber müssen im Gegenzug akzeptieren, dass sie endlich sind und uns ohne Ersatz wieder weggenommen werden können.

Trotzdem plädiere ich dafür, dass sich alle Hersteller unabhängig des kommerziellen Erfolgs zu einer Mindestlaufzeit ihres Serverbetriebs verpflichten und diese auf der Verpackung angeben. Klar, dass diese über den knapp 17 Monaten eines EA Sports Active 2.0 liegen sollte – zwei Jahre müssten eigentlich das Minimum sein. Die Realität sieht leider anders aus: EA räumt sich derzeit ausdrücklich das Recht ein, die Onlinefunktionen seiner Spiele jederzeit mit einer Frist von nur 30 Tagen einzustellen. Bekomme ich in dieser Frist auch einen Teil meines Geldes zurück? 

Michael Krosta
Redakteur
Spielefresser, Biomonster & Fanboys
Spielefresser, Biomonster & Fanboys
Geschichten aus der Welt der Videospiele
Ausgewählte Kolumnen von Jörg Luibl, Chefredakteur bei 4Players.de, in einem Taschenbuch des CSW-Verlags.

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Kommentare

dobpat schrieb am
@ColdFever:
Danke für deinen Einsatz. Finde ich super!
Glaube nebenbei auch das EA dt. Recht verletzt.
Vor so "großen" Namen sollte man eh keinen Respekt haben, das die auch viel falsch machen sieht man immer wieder.
Gerade aktuell ja die Klage gegen Blizzard in Korea.
Zu der Server Thematik, die ganze Problematik wäre für alle gelöst, wenn der Publisher EA einfach Server(Software) zur Verfügung stellt.
Sprich falls eine Community noch ein Spiel im MP spielen will, lässt sie selber einen Server laufen, egal ob auf einem einsamen Rechner zu Hause, oder einem gemieteten für ein paar Euro im Monat.
Also so wie früher und so wie es immer sein sollte. Wo ist eigentlich das Problem ?
Warum haben die überhaupt damit angefangen das die Server nur noch von EA installiert werden können ?
War doch früher auch so das es die offiziellen Server gab und die inoffiziellen.
Na und wenn EA irgendwann keine Server mehr zu Spiel X betreiben will, dann gibt es halt nur noch inoffizielle Server von Usern zu einen Spiel, aber es gibt sie dann wenigstens noch.
Also ich verstehe einfach nicht wieso das alles aufkam.
Auch im Serverbrowser wäre es kein Problem offizielle Server anders zu markieren als inoffizielle, sodaß ein Nutzer bei der Serverauswahl auch bescheid weiß auf welchen Server er sich verbindet.
Das Leben könnte so einfach sein...
nov26ooo schrieb am
Welche Gründe EA auch immer haben mag, um Spiele-Server abzuschalten ... für mich als Käufer sind die überhaupt nicht von Interesse. Ich hab mein Geld für die Spiele ausgegeben (evtl. auch noch DLC´s dazu gekauft; neue MP-Karten etc.) und möchte sie voll nutzen. Die Spiele werden mit Online-Anbindung beworben, also muss EA zusehen, wie sie ihr "Versprechen" einhalten. Was EA dafür bezahlt und/oder tun muss, muss mich als Käufer überhaupt nicht interessieren. Das ist Sache der Firma, nicht meine. Also, EA (oder wer auch immer) stellt das Spiel her, Verkauft es und verdient sein Geld damit (auch mit den "Online-Vesprechen"). EA hat die Aufgabe, das ganze am Laufen zu halten. Ich (der Käufer), habe die Aufgabe, das Spiel zu kaufen und zu spielen - mehr nicht. Es sollte nicht meine Aufgabe sein, mir darüber Gedanken machen zu müssen, wie arm EA wird, nur weil ich ein Spiel von denen spielen möchte. Und ganz bestimmt ist es nicht die Aufgabe des Kunden, im Namen EA´s Entschuldigungen für Abschaltungen zu suchen/finden.
Kerenski schrieb am
wenn ich manche kommentare lese kommt mir´s kotzen! seitwann ist man dumm nur weil man sich ein spiel bei ea kauft? wieviele von euch superkritikern haben denn ein i-phone? apple bringt auch nur updates der hardware raus und trotzdem kaufen sich die meisten hirni´s jedes jahr das supertolle superflotte/flache was weis ich phone. genauso ist es beim zocken,wenn ein spiel gut gemacht ist sollte man es doch auch kaufen dürfen ohne gleich als mainstreambiber beschimpft zu werden,zumal dieses "wir sind underdogs,kampf dem mainstream" gehabe doch mittlerweile selbst schon zum mainstream geworden ist. sieht man in allen bereichen des lebens.
@topic: klar wäre es geil wenn sie ne mindestserverlaufzeit machen müssten,aber ich denke man könnte es auch wie valve machen und einfach ein kleines dedicatet server programm für jedes spiel mit drauf haun. ich denke mal das könnte man evtl. sogar mit ner petition usw. erreichen,denn "kampf" bringt gar nichts,weil es immerwieder leute geben wird die das untergraben,sei es weil sie das spiel geil oder es einfach lächerlich finden wegen zocken so nen aufstand zu machen.
ps: ja ich habe gelernt gross und klein zu schreiben,bin aber stinkend faul.
johndoe702031 schrieb am
Nuracus hat geschrieben: Nachtrag: Zu den Prioritäten im Leben ... ein Hersteller produziert ein Produkt, das mir gefällt. Ich kaufe es. Solange dieser Hersteller nicht Robbenbabys tötet, 8jährige Chinesen in seinen Fabriken arbeiten lässt oder Giftmüll ins Mittelmeer entsorgt, find ich das völlig in Ordnung.
Finde ich auch, solange man seine Meinung nicht anderen überstülpt. Gilt auch für die Gegenseite, die schon beim leisesten Anflug eines DLCs oder DRMs sofort "Firmenboykott 4 ever!!!11" brüllen und die Mistgabeln und Fakeln schon griffbereit haben. Da sind wir hier im Forum immer sehr schnell bei den Schubladen: Konsumjunkie, willenloser Casual-Mainstream-Zombie, oder ganz übel: CoD-Kiddy. Ist ja nur ein Hobby. Und ich finde es schon legitim, in bestimmten Bereichen seines Lebens (gerade bei seinem Hobby!) überwiegend aus Lust und Laune zu handeln und sich seinen sorglosen Zeitvertreib nicht mit allen möglichen spielepolitischen Nebenkriegsschauplätzen kaputt zu problematisieren - solange das mit den Robbenbabies nicht passiert :wink: . Da immer mit dem mahnenden Zeigefinger rumzufuchteln und den "politisch überkorrekten", stets besonnenen, weitsichtigen bla blubb... Gamer zu fordern, ist sicher überzogen und diesem Anspruch hält ja auch niemand stand, wenn's hart auf hart kommt. Spielen ist eben auch einfach Lust, Eskapismus, sorgenfreies Refugium und der ganze Kram.
Trotzdem sollte man in etwa die Tragweite seines Handelns überblicken und dann konsequent sein. Wenn du z.B. vorzeitige Server-Abschaltungen doof findest und dir dennoch Fifa kaufst, hat das ja nur mittelbar was miteinander zu tun. Aber wenn hier jemand im Forum über Day-1-DLCs rumheult, aber dennoch beteuert, er "müsse" sich einen solchen ja wohl oder übel zwingend z.B. wegen Storyrelevanz etc. kaufen (und sowas...
Nuracus schrieb am
EinfachNurIch hat geschrieben:
Nuracus hat geschrieben: Nun ...
führt aber manchmal ganz einfach kein Weg dran vorbei, an Electronic Arts.
Wenn ich Fußball haben will, greif ich zu Fifa. Es gäbe zwar mit PES eine Alternative, aber das Spiel sagt mir ganz einfach nicht so zu wie Fifa, es gefällt mir nicht so sehr.
Du solltest vielleicht deine Prioritäten im Leben überdenken. Du hörst dich wie ein Junkie an, wenn das so ist, dann Entschuldigung und suche dir einen guten Arzt. Ich kann wirklich nicht verstehen wie man Spiele als so notwendig erachtet um einfach alles andere auszublenden.
Ein richtig dicker Lachanfall ist gerade verebbt, ich danke dir :D
ich frag mich wirklich, was für Komplexe man haben muss, um aus einer harmlosen Aussage wie "EA macht die besten Fußballspiele, also kaufe ich EA-Produkte" ein "ich kann nicht mehr ich brauch ganz schnell EA bitte bitte EA macht mir Fußball auuuuuuuu oh Gott ich halte es nicht mehrl änger aus EA ICH WILL FUSSBALL!!!!" zu machen.
Wenn nächstes Jahr SEGA hingeht und macht ein revolutionäres Fußballspiel, das EAs Fifa in den mir wichtigen Belangen schlägt, dann ... oh, dann greife ich natürlich zur Ersatzdroge.
Was soll ich machen? :D
Ich spiele nunmal gerne Fußballspiele, weil ich Fußball gerne mag!
Du bist witzig, du hast Talent.
Nachtrag: Zu den Prioritäten im Leben ... ein Hersteller produziert ein Produkt, das mir gefällt. Ich kaufe es. Solange dieser Hersteller nicht Robbenbabys tötet, 8jährige Chinesen in seinen Fabriken arbeiten lässt oder Giftmüll ins Mittelmeer entsorgt, find ich das völlig in Ordnung.
schrieb am

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