Aussterbende Genres - Die Flugsimulation

 

Das Substantiv »Simulation« beinhaltet das Verb »simulieren«, also etwas nachstellen. Will man den Flug von irgendetwas simulieren, kann man sich an die Ikarus-Methode wagen, die allerdings mit Risiken behaftet ist. Der Griff zum Computer ist weniger brandheiß, war aber lange Zeit aufgrund technischer Unfähigkeit nicht möglich. Denn wenn eine 3D-Welt simuliert werden soll, braucht’s dafür auch 3D-Grafik - und die Rechner der Siebziger waren dazu einfach nicht in der Lage. Die erste wirkliche Simulation kam daher erst im Jahre 1980 auf den Markt, und war auch so pragmatisch wie möglich benannt: Flight Simulator. Aus dem kurze Zeit nach seiner Veröffentlichung der Microsoft Flight Simulator wurde; eine Serie, die 25 Jahre mit neun Nachfolgern und gefühlt 17 Millionen Erweiterungen gesegnet wurde. Und dessen Entwickler Ende 2009 leider dicht gemacht wurde.

Eines der Markenzeichen jeder guten (lies: realistischen) Simulation war der Anspruch, den Spieler durch die selbe Prüfungshölle gehen zu lassen wie einen echten Piloten. Mangels der heute so populären, aber vor 15-20 Jahren noch völlig unbekannten Ingame-Tutorials war das beste Mittel dazu ein möglichst dickes Handbuch - legendär waren in dieser Hinsicht vor allem Spectrum Holobyte, die ihren Falcon-Simulationen Werke beilegten, bei deren Anblick Baumschützer mehrere Herzinfarkte riskierten. Wer einen Hammer wie Falcon 3.0 spielen wollte, musste also nicht nur ein telefonbuchdickes Manual, sondern auch die Belegung einer vollgepackten Tastatur auswendig lernen. Ein weiteres unverzichtbares Utensil: Der solide Flightstick nebst Add-Ons; ein Konglomerat, das gerne mal einen halben Schreibtisch ausfüllte.

In erwähnter Dekade war die Flugsimulation derart populär, dass so manche Entwicklerfirma gar nichts anderes mehr gemacht hat, als eine Simulation nach der anderen - Namen wie Spectrum Holobyte, Microprose, Digital Integration, NovaLogic oder Digital Image Design haben unter Simulationsfans nach wie vor einen guten Klang. Legendär auch die Geschichte zur Entstehung von Microprose: Angeblich war ein junger Mann namens Sid Meier von der durchschaubaren Einfachheit des Red Baron-Spielautomaten derart gelangweilt, dass er mit einem Freund, einem Army-Piloten namens »Wild« Bill Stealey, wettete, dass er innerhalb kürzester Zeit etwas Besseres auf die Beine stellen könnte. Bill hielt die Wette, indem er versprach, wenn Sid das hinbekäme, dann würde er dafür sorgen, dass das Ergebnis in Kürze in den Läden stünde. Sid gewann die Wette, das 1982er »Spitfire Ace« legte den Grundstein für Microprose Software.

 

Im Spielebereich ist Flugsimulation nicht gleich Flugsimulation - da muss man schon deutlich unterscheiden, was Erbsenabhefter wie wir natürlich wahnsinnig gerne machen. Der wichtigste Vertreter für den wahren Fan ist natürlich die beinharte Simulation, in der wirklich simuliert wird, was in den meisten Fällen staubtrocken ist. Spiele wie Falcon 3.0, Airbus A-320, Aces of the Pacific oder Tornado. Das ist übrigens einer der wenigen Simulationsteile, der sich einigermaßen lebendig in die Neuzeit gerettet hat, was Serien wie IL-2 Sturmovik oder X-Plane beweisen.

Eine Extra-Erwähnung haben sich übrigens die Knochentrocken-Simulationen verdient, welche unsere Sphären verlassen und sich mit dem dahinter befindlichen schwarzen Nichts befassen: »Spiele« wie Microsofts Space Simulator oder Virgins Shuttle: The Space Flight Simulator sind feines Fressi für die ganz Wahnsinnigen unter den Simulationsfans. Die Sorte, für die 400 fast identisch beschrifte Schalter sowie kilometerlange Checklisten das Paradies sind.

Der nächste wichtige Vertreter, und auch der mit weitem Abstand am häufigsten anzutreffende, ist die nennenwirsiemal »einfache Simulation«: Noch nicht so ganz Arcade, aber auch kein Spiel, für das man ein abgeschlossenes Ingenieurs-Studium braucht. Also Simulationen, die man tatsächlich einfach genießen kann, in denen Herumexperimentieren nicht gleich mit qualmenden Löchern im Boden bestraft wird. Spiele wie der Microsoft Flight Simulator, Flight Unlimited, Chuck Yeager’s Air Combat, F-15 Strike Eagle 3, F-14 Fleet Defender oder Lucasfilm Games’ Secret Weapons of the Luftwaffe.

 

Der dritte große Vertreter ist die Arcade-Flugsimulation - was natürlich in sich ein Oxymoron ist, denn »Arcade« und »Simulation« schließen sich ja eigentlich aus. Nichtsdestotrotz erfreute sich dieser ebenfalls sehr große Bereich enormer Beliebtheit; Spiele wie TFX, Red Baron, Crimson Skies oder das phänomenale Strike Commander sind populäre Vertreter dieser Kategorie. Mit etwas fröhlichem Willen kann man auch Online-Ballereien wie Air Attack oder die Filmbaukasten/Simulations-Mischung Stunt Island dazu zählen. Der große Vorteil bei den Arcade-Simulationen lag darin, dass man im Grunde einen in der Luft spielenden Shooter vor sich hatte, mit einem einfachen Flugmodell und oft genug auch gewürzt mit viel Story. Ergo: Sehr zugänglich, sehr massenkompatibel - und dadurch natürlich Gift für den wahren Fan.

Dass sich nicht nur Flugzeuge im Himmel tummeln, ist allgemein bekannt - und dennoch nehmen/nahmen die klassischen Flugzeuge den überwältigenden Teil des Simulationssektors für sich in Anspruch. Hin und wieder gab es allerdings eine Ausnahme in Form einer Helikopter-Simulation: Gunship 2000 und LHX Attack Chopper seien repräsentativ für die eher realistischen Simulationen genannt (auch wenn es in LHX einen gefährlichen Gegner namens »Bauer mit Gewehr« gab), während Spiele wie Thunderstrike 2 oder das 1992er Comanche: Maximum Overkill ganz klar in den Arcade-Bereich schrabbelten. Letzteres sieht übrigens aufgrund der ungewöhnlichen Voxel-Darstellungstechnik auch heute noch überraschend gut aus, wie der Autor dieser Zeilen erst vor zwei Wochen unter Zuhilfenahme von DOSBox feststellen durfte.

Wie bereits das eine oder andere Mal erwähnt: Die Flugsimulation ist tot. Aber im Zeitalter der Instrumentenmedizin muss das ja nicht unbedingt etwas Schlimmes bedeuten. Im Gegenteil, denn in einem Bereich, auf den wir noch gar nicht eingegangen sind, ist die Fliegerei lebendig wie ein glückliches Wurstbrot: Auf Konsolen. Ja, man mag der Ansicht sein, dass ein Gamepad und die realistische Simulation einer F-16 nicht so recht zueinander passen mögen. Damit hätte man auch recht. Deswegen gibt es da auch keine Simulationen im eigentlichen Sinne, sondern nur Arcade-Spaß - aber gerade auf aktuellen Plattformen unglaublich gut aussehenden Arcade-Spaß, wie Ace Combat 6 oder IL-2 Sturmovik: Birds of Prey beweisen.

 

Das ist übrigens keine Errungenschaft der Neuzeit: Bereits 1990 durften Spieler auf dem SNES mit Leichtflugzeugen oder am Drachen hängend ihren Pilotenschein machen - Pilotwings weckt schöne Erinnerungen. Hach, Pilotwings...

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