Spielkultur

Meta-Studie über Gewaltwirkung

Vor einigen Wochen bereits hatte sich Prof. Chris Ferguson (Bild unten) von der Texas A&M International University recht deutlich über die Debatte über Gewalt in Medien geäußert und dabei sowohl Politiker als auch Vertreter der allgemeinen Presse scharf kritisiert. Oft würden die sich gar nicht mit der Materie auskennen, und dennoch munter Behauptungen aufstellen, die nicht verifizierbar seien.

Im Journal of Pediatrics wurden jetzt die Ergebnisse einer Meta-Studie vorgestellt (via Telepolis), die Ferguson zusammen mit seinem Kollegen John Kilburn durchgeführt hatte. Basierend auf der Analyse diverser Untersuchungen zu dem Thema schlussfolgert das Duo, dass es insgesamt keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Mediengewalt und Aggression gebe.

Da es allerdings auch diverse Schwankungen gab, nahmen die beiden auch die den jeweiligen Studien zu Grunde liegenden Methoden genauer unter die Lupe. Demnach hätten nur 41 Prozent davon wissenschaftlich validierte Kriterien für Aggression genutzt, während viele vor allem auf "nicht geeignete Fremd- oder Selbsteinschätzungen" gesetzt haben. (Das gelte auch für die von Christian Pfeiffers Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen durchgeführten Analysen, wie die Kollegen von Heise.de an der Stelle anmerken.) Dort, wo wissenschaftlichere Kriterien angewendet wurden, fielen die errechneten Korrelationen tendenziell schwächer aus.

Nur die Hälfte der Studien würden Faktoren wie Familie bzw. soziales Umfeld und Persönlichkeit berücksichtigen. Auch würden viele Untersuchungen unter einem Publication Bias leiden - Ergebnisse seien da eher selektiv veröffentlicht worden, weil die dafür verantwortlichen Personen nicht unbedingt unvoreingenommen mit der Thematik umgegangen waren.

Insgesamt wurden 27 Studien untersucht, die in den vergangenen zehn Jahren veröffentlicht worden waren. Viele Untersuchungen zu jenen Einflüssen seien vor allem mit einem ideologischen oder politischen Hintergrund durchgeführt worden, so Ferguson und Killburn. Ein solcher Dogmatismus würde die Wissenschaftsgemeinde beschädigen.
Autor: Julian Dasgupta
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Kommentare

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  • sarnokh schrieb:
    Das Argument, schon in der Antike hätten die Menschen über Verrohung der Jugend geklagt kenne ich. Leider entkräftet es in keiner Weise was man beobachten kann. Es ist nur ein Schein-Argument. (Sorry)
    Das sorry ist berechtigt, denn einfach zu  [...]
    sarnokh schrieb:
    Das Argument, schon in der Antike hätten die Menschen über Verrohung der Jugend geklagt kenne ich. Leider entkräftet es in keiner Weise was man beobachten kann. Es ist nur ein Schein-Argument. (Sorry)
    Das sorry ist berechtigt, denn einfach zu unterstellen das dies kein Argument sei, sondern ein Scheinargument, ist schlichtweg falsch. Nur weil du es nicht zulassen willst, bzw anzweifelst, macht es das noch nitch zum "Nicht-Argument". Wenn schon seit der Antike ständig beobachtet wird, dass die Jugend immer roher wird, dann gibt es die Möglichkeit, dass dies zutrifft. Das könnte bedeuten wir müssten heutzutagen demzufolge in der Hölle leben. Das mag ich so bezweifeln. Eine andere plausible Lösung wäre, dass jede Generation immer wieder der selben Täuschung unterliegt, das man ja selber in der Jugend noch viel "lieber" war als die neuen Sprösslinge. Mit der im laufenden Alter zunehmenden Entfremdung, prägen immer mehr schlechte Nachichten aus Fernsehen, Zeitung und Bekannten das Bild der Jugend, die schon immer gleich shclecht war, nur der Blick darauf verändert sich. Und das könnte deine Beobachtung völlig relativieren. Und sofern du nicht schilderst, wie "gut" deine Beobachtungen sind, worauf sie sich stützen und wie verlässlich man sie auf die Gesamtheit der Jugend ausrollen kann, steht es nach meiner Rechnung 1 zu 0 in Sachen Argument gegen dich.
  • ico
    sarnokh schrieb:
    Aber wir leben heute in einer Zeit NIE dagewesener persönlicher Freiheit, und ich wage einfach mal zu behaupten, dass die meisten Menschen einfach schlicht nicht moralisch reif für die totale Freiheit sind.
    Darüber hab ich mir auch schon oft  [...]
    sarnokh schrieb:
    Aber wir leben heute in einer Zeit NIE dagewesener persönlicher Freiheit, und ich wage einfach mal zu behaupten, dass die meisten Menschen einfach schlicht nicht moralisch reif für die totale Freiheit sind.
    Darüber hab ich mir auch schon oft Gedanken gemacht. Die Freiheit die man hier genießt ist in häufigen Fällen kontraproduktiv für die Entwicklung. Viele brauchen (um den Bogen auf deine Japanargumentation zu schlagen) eine strengere Art um "in der Bahn" zu laufen. In Japan (und China) übernimmt das die Regierung und die Eltern, in Deutschland weder noch. Ich bin bestimmt kein Freund von harter Erziehung, aber wie du schon geschrieben hast, der Respekt vor älteren Personen ist schon sehr am Boden. Für mein kleines gefährliches Halbwissen ist der nicht vorhandene familiäre Halt ein Problem und nicht die Medien. Kids sind nicht mehr so unter Aufsicht wie früher und sie können mehr machen was sie wollen (Thema Freiheit) und probieren auch Dinge aus die sicherlich nicht gut sind. Schlechte Erfahrungen muss man für die eigene Entwicklung schon machen, aber wenn niemand da ist (Schule, Familie etc.) der sagt, dass man über die Stränge schlägt, meint man schnell sich alles erlauben zu können. Zu spät braucht man dann mit dem erhobenen Zeigefinger nicht mehr zu kommen, dann ist der Zug abgefahren. Ausserdem sollte man in gutem Familenumfeld mit gesundem Umgang und viel Liebe eine gesunde Auffassungsgabe bezüglich Medien und dem Leben entwickeln.
  • Das Argument, schon in der Antike hätten die Menschen über Verrohung der Jugend geklagt kenne ich. Leider entkräftet es in keiner Weise was man beobachten kann. Es ist nur ein Schein-Argument. (Sorry) Tatsache is, dass z.B in Japan weder "ge-scratche" Fensterscheiben noch mit Farbe  [...] Das Argument, schon in der Antike hätten die Menschen über Verrohung der Jugend geklagt kenne ich. Leider entkräftet es in keiner Weise was man beobachten kann. Es ist nur ein Schein-Argument. (Sorry) Tatsache is, dass z.B in Japan weder "ge-scratche" Fensterscheiben noch mit Farbe besprühte Wände existieren, und dass obwohl in Japan nicht ein Terror-Regime der Unterdrückung existiert. Aber wenn man sich mal das (aus unserer Sicher total kindisch wirkende) Fernsehen ansieht, oder die zumeist ebenso bonbon-haften Spiele, die die meisten dort spielen, dann kann man schon einige Wahrscheinlichkeiten ziehen. Ja, alle Alten haben gemeckert. Aber wir leben heute in einer Zeit NIE dagewesener persönlicher Freiheit, und ich wage einfach mal zu behaupten, dass die meisten Menschen einfach schlicht nicht moralisch reif für die totale Freiheit sind. Klar, ich freue mich auch, dass wir nicht mehr in einer 50er Jahre Moralität leben, aber die 68er haben das Kind sozusagen mit dem Bade ausgeschüttet, und heute sind Moral und anständiges Verhalten praktisch Tabu-Themen. Oder Themen die Extermisten besetzen. Mit unserem unvergleichbar detaillierten Wissen über die Gesellschaft durch Medien, durch wissenschaftliche Beobachtung usw wissen wir einfach VIEL genauer über die Gesellschaft bescheid als ein alter Grieche in seiner Hütte. Ja, das haben alle Alten gesagt. Aber, provkant gesagt, wir haben diesmal Recht, das ist der Unterschied.