Kommentar: Das japanische EA?
Im Glanz vergangener Tage
Erinnert ihr euch an Final Fantasy VII? Werden bei Vagrant Story
, Parasite Eve, Brave Fencer Musashi oder Chrono Cross
Erinnerungen wach? Square war viele Jahre lang der Impulsgeber des fernöstlichen Rollenspielmarktes. Und auch wenn ich erst spät auf die Meister des Fachs aufmerksam geworden bin, so dass mir die zündende Ideenvielfalt mancher Perle entgangen ist, wusste man stets, dass eine Neuankündigung der Japaner neuen Sprit in den Spielemotor gießen würde.
Gestern war es dann so weit: Ich stürze zu meinem Termin mit dem Entwickler und vertrete mir erst einmal die Füße am Stand. Ganz klar, dass das eben erst in Übersee veröffentlichte Final Fantasy XII
ein Schwerpunkt sein würde - an acht Konsolen läuft das Epos zum Probezocken. Ich habe einen Blick auf das neue Kampfsystem geworfen und mir die Details erklären lassen. Klasse, das will ich haben! Weiter geht's zu Final Fantasy VII: Dirge of Cerberus
, ebenfalls an acht Stationen spielbar. Auch interessant, zumal Handy-Zocker den Ableger Lost Episode sogar unterwegs zocken können. Damit war meine Zeit auf dem Stand auch schon um, denn ich konnte noch einen Platz in Square Enix' Kinovorstellung ergattern: eine halbstündige Trailershow im eigenen Vorführraum. Erwartungsgemäß fliegen mir dort zuerst Bilder aus dem zwölften Teil entgegen, bevor die Videoshow Schlagseite bekommt und zum Final Fantasy VII-Spektakel mutiert: Before Crisis, das auf Handys ein Prequel im bekannten Universum erzählt, Crisis Core für PSP sowie Dirge of Cerberus - die komplette Riege war dabei. Ebenso Advent Children, das bereits in meiner Reisetasche auf den Rückweg wartet.
Schöner die Kassen nie klingeln...
Verdammt noch mal, hat Square denn nichts anderes im Programm? Ja, ich will mehr über den Klassiker erfahren, der mich damals japanisches Rollenspielblut hat lecken lassen. Ja, auf Advent Children
habe ich jahrelang gewartet. Ja, ich kehre jederzeit gerne in lieb gewonnene Welten zurück. Aber wie würdet ihr denn reagieren, wenn es bei EA Sports nur Fußball zu sehen gibt, während der Rest des Programms wie hier an zwei kleinen Wänden präsentiert wird? Von Final Fantasy VII Snowboarding fange ich erst gar nicht an und dass Square Enix auf der letztjährigen E3 die Möglichkeiten von Sonys Next Generation mit einem FF:VII-Teaser angepriesen hat, ist euch sicher ebenfalls noch im Gedächtnis. Ach wenn das Ausschlachten des bekannten Namens ungewöhnliche Ableger hervorbringt (denkt an das actionreiche Dirge of Cerberus), kommt selbst für Fans irgendwann der Punkt, an dem sie in den Augen des Publishers nur noch Yen-Zeichen sehen. Und wenn man nur noch klingelnde Kassen statt ideenreicher Märchen entdeckt, könnte sich die Fantasie beim Spiel ganz schnell zu Lethargie beim Kauf entwickeln. Meine Stimmung stellte sich gestern jedenfalls innerhalb dieser halben Stunde von Euphorie auf Ernüchterung um.
XIII - Unglück für Fans?
Was wird passieren? Nimmt der Publisher mit den Erweiterungen bekannter Namen genug Geld ein, um damit fortzufahren oder kann ihn die Forderung nach einer Rückkehr zu den Wurzeln bekehren? Vielleicht ist es dazu aber sowieso zu spät, denn wichtige Impulsträger haben längst die Koffer gepackt und lassen ihren Ideen anderswo freien Lauf: Hironobu Sakaguchi, der Erfinder der Serie, hat sein eigenes Studio gegründet; An seiner Seite stehen viele ehemalige Square-Veteranen, u.a. Komponist Nobuo Uematsu. Ihr Projekt: Blue Dragon
für Xbox 360. Ob die Herren sich selbst verwirklichen wollten oder keine Lust auf den Sequel-Wahn hatten, ist natürlich eine Spielwiese für Spekulanten. Dass sie zur Zeit der Neuausrichtung ihres ehemaligen Arbeitgebers gegangen sind, darf aber als Indiz gewertet werden.
Blieb nur die Frage, wo Square Enix nach dem Ausschlachten des siebten Final Fantasys hin will. Darauf hat mir der Publisher eine unmissverständliche Antwort gegeben: Unter dem Namen Final Fantasy XIII
sind zahlreiche Fortsetzungen geplant. Dass mit dem initialen Werk, Agito sowie Versus gleich drei Titel unter dem gleichen Namen angekündigt wurden, setzt auf jeden Fall schon jetzt klare Zeichen.