GFW - Ein leeres Versprechen?
"Games for Windows", Microsofts angekündigte Initiative, frischen Wind in den PC-Spielemarkt zu bringen - was aber tut eigentlich der Initiator selbst für die Plattform? Schon Valves Doug Lombardi hinterfragte das Ansinnen und spekulierte, dass es sich vielleicht auch nur um eine Aktion handele, die dazu dienen solle, die Verkäufe von Vista anzukurbeln.
Auch das Bestreben, den Xbox Live-Dienst in Form von GFW Live auf den PC bringen, hat bisher keine Anhänger gefunden; außer Microsoft scheint sich nämlich bisher niemand dafür begeistern zu können. Selbst Epic, mit denen man im Falle von gewissen 360-Shootern erfolgreich kooperiert hat, kritisierte jenen Onlineansatz für den PC deutlich.
Nachdem er die Testversion der PC-Umsetzung von Halo 2 in seinen Händen hielt, fing auch Jason Cross, tätig beim US-Technologiemagazin ExtremeTech, an über Microsofts Bemühungen zu sinnieren. Und kommt zu dem Schluss, dass da jemand bisher "Mist gebaut hat."
So sei GFW Live in der derzeitigen Form unbrauchbar. Hatte Microsoft vor einem Jahr auf der E3 noch eine mit Xfire vergleichbare, separate Applikation vorgeführt, mit der man mit anderen Chatten oder von diesen eingeladen werden konnte, so ist von dieser Vision nicht viel übrig geblieben. Denn man ist nämlich nur dann in Live, wenn man das entsprechende Spiel (Halo 2 oder Shadowrun) laufen hat - ein wenig sinnvoller Ansatz. Auf der Xbox 360 sei man schließlich auch zu Live verbunden, wenn man sich im Dashboard befindet und anderen Aktivitäten nachgeht.
Das Interface habe man hingegen genau umgesetzt - "zu genau". Dieses sei eher für Controller gedacht und nicht wirklich an PC-Gegebenheiten angepasst. Der größte Fehler sei aber die Annahme Microsofts, den PC als geschlossene, kontrollierbare Plattform wie die Xbox (360) sehen zu können. Eine "kurzsichtige, gierige" Herangehensweise, die nicht berücksichtigt, dass PC-Spieler Vergleichbares auch anderweitig kostenlos gewohnt sind. Und wohl kaum für etwas bezahlen wollen, das weniger Features habe als Konkurrenten wie Xfire.
Zwänge, Einschränkungen sowie die Festlegung auf Vista würden GFW Live gänzlich unattraktiv für Dritthersteller machen. Diese müssten ihre Kunden nämlich davon überzeugen, Geld für gewisse Features zu zahlen, die vorher Standard waren. Dieses Geld wiederum fließe dann aber auch nur in Richtung Microsoft. Der Erfolg von XBL, so Cross, habe wohl die Wirklichkeitswahrnehmung der Firma verzerrt.
Auch habe Microsoft viel über die Wichtigkeit des PC-Spielemarkts erzählt - den Worten aber keine Taten folgen lassen. Ganz im Gegenteil, PC-Spielern präsentiere man die Umsetzung eines 2,5 Jahre alten Xbox-Spiels, das optisch aktuellen Shootern "dramatisch unterlegen ist", und verlange auch noch den vollen Preis dafür. Während Xbox 360-Nutzer in einigen Monaten bereits den dritten Teil der Serie genießen können. Eigentlich müsse Microsoft das Spiel kostenlos mit Vista ausliefern, es zumindest aber im mittleren Preissegment ansiedeln.
Cross fragt sich zudem, warum Geometry Wars für Vista 7,95 Dollar kostet, wenn die ältere 360-Version doch nur mit 5 Dollar zu Buche schlägt. Ähnlich sähe es bei Titeln wie Luxor 2 aus.
Auch habe man in diesem Jahr nicht einen einzigen hochklassigen exklusiven PC-Titel im Angebot. Hätte es Microsoft wirklich darauf angelegt, wäre ein Spiel wie Gears of War auch bereits für jene Plattform im Angebot. Auch Halo 3 und Forza 2 wären Spiele, die sich auch auf dem PC heimisch fühlen könnten. Selbst die eingeschworenen PC-Spezialisten von Ensemble Studios sitzen an einem vorerst nur für die Xbox 360 geplanten Echtzeitstrategiespiel (Halo Wars), obwohl der PC doch eigentlich besser für jenes Genre geeignet sei. Mit der derzeitigen Strategie, schlußfolgert Cross, zeige Microsoft eher, wie wenig man vom PC-Spielemarkt halte.