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Goodgame Studios - Gründung eines Betriebsrats blockiert? Schwerbehinderter entlassen? ver.di schaltet sich ein

Goodgame Studios (Unternehmen) von Goodgame Studios
Goodgame Studios (Unternehmen) von Goodgame Studios - Bildquelle: Goodgame Studios
Der Trubel rund um die Goodgame Studios geht weiter. Schon im November deuteten mehrere Meldungen (u.a. basierend auf Aussagen von Ex-Mitarbeitern) darauf hin, dass das in Hamburg ansässige Unternehmen mit über 1.200 Mitarbeitern die Gründung eines Betriebsrats blockiert haben soll. Entsprechend engagierte Personen mussten die Goodgame Studios wohl verlassen. "Goodgame feuerte offenbar ohne Rücksicht auf Verluste: Einer der Entlassenen ist schwerbehindert mit dem höchstmöglichen Grad der Behinderung, heißt es von Verdi. In solchen Fällen muss das Unternehmen laut Gesetz alle Möglichkeiten prüfen, den Angestellten innerhalb des Unternehmens weiterzubeschäftigen", heißt es in einem Bericht des Spiegel-Jugendportals Bento. 28 Leute waren von der Entlassungswelle betroffen.

Goodgame erklärte wiederum, von den Plänen zur Gründung eines Betriebsrats erst nach den Entlassungen gehört zu haben und die Kündigungen mit "Leistungs- und Verhaltensdefiziten" bei den betroffenen Mitarbeiter begründet. Bento berichtet weiter: "Dieser Vorwurf macht die Gekündigten fassungslos. 'Das ist eine kleine Branche, so etwas spricht sich rum', sagt eine. Außerdem sei der Grund vorgeschoben: Jeder der Entlassenen habe mindestens ein Jahr für Goodgame gearbeitet, viele haben bento gute und hervorragende Bewertungen ihres Arbeitgebers vorgelegt, teils wenige Monate alt." Zugleich stehen die Kündigungen in seltsamer Relation zu der Tatsache, dass das Unternehmen dringend neue Arbeitskräfte sucht und über 90 Stellenangebote ausgeschrieben hat.

Die Mitarbeiter, die den Betriebsrats initiieren wollten, standen ebenfalls mit der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) in Kontakt, um sich über die Gründung solch eines Rates zu informieren. Nach den Kündigungen hat ver.di die Vertretung der Entlassenen übernommen, die mittlerweile Klage gegen ihre Kündigung vor dem Arbeitsgericht Hamburg eingereicht haben. In einer Stellungnahme von ver.di steht: "Seit Frühjahr diesen Jahres standen wir mit mehreren Beschäftigten in Kontakt um endlich einen Betriebsrats bei GOODGAME zu wählen", sagte Gabriele Weinrich-Borg von ver.di Hamburg. "Dass fast allen, die sich im Vorfeld engagiert haben, gleichzeitig gekündigt wird, spricht eine deutliche Sprache. Hier drängt sich der Verdacht auf, dass ein Branchenriese die betriebliche Mitbestimmung der Beschäftigten attackieren will. (...) Das positive Image dieses Unternehmens deckt sich nicht mit dem Umgang zu seinen Beschäftigten. Vier Wochen Jahresurlaub, viele Befristungen und bei einigen gibt's gerade mal den Mindestlohn, und jetzt diese Kündigungen - das nenne ich deutlich BADGAME!"

Vergangenen Freitag wurde trotz der Kündigungen zu einer Betriebsversammlung bei den Goodgame Studios einladen, um mit der Betriebsratswahl zu beginnen. Bento meldet, dass das Goodgame-Management vor die Belegschaft trat: "Mit brüchiger Stimme habe Kai Wawrzinek [Gründer, Geschäftsführer und Chief Executive Officer von Goodgame Studios] der Gewerkschaft Verdi vorgeworfen, die Firma auseinandernehmen zu wollen, berichten Anwesende. Man solle gezwungen werden, eine Betriebsratswahl abzuhalten. Entweder ihr seid für uns oder gegen uns, das sei die Botschaft gewesen. (...) Hinter den Kulissen wird anscheinend weiter mit harten Bandagen gekämpft: Eine Einladung von Verdi zu einer Betriebsversammlung, bei der die Wahl eines Betriebsrates vorbereitet werden könnte, leitete die Firma nicht an ihre Angestellten weiter, weil die Einladung nicht auf Englisch vorliege."

Die Goodgame Studios haben u.a. Goodgame Empire und Empire: Four Kingdoms entwickelt, die teils ausufernd im Fernsehen beworben wurden. In der Selbstbeschreibung der Goodgame Studios ist zu lesen: "Goodgame Studios ist ein führendes Unternehmen für Spielesoftware und spezialisiert auf das Segment Free-to-play. Wir bieten Mobile- und Browser-Games für über 280 Millionen Spieler weltweit. Mit über 1200 Mitarbeitern aus 60 Nationen sind wir Deutschlands größtes Spieleunternehmen. Unser Ziel ist klar: Wir wollen die weltweit führende Spielefirma werden. (...) Wir glauben, dass nur die besten Talente die besten Produkte kreieren und so ein Unternehmen zum Erfolg führen. Wir erreichen unsere Ziele gemeinsam als Team, das mit seiner Expertise und Ambition Goodgame Studios voran bringt. Respekt, Wertschätzung und Vertrauen sind die Basis unserer Arbeit."

Quelle: Bento, Golem, Goodgame Studios, ver.di, Games-business

Kommentare

maho76 schrieb am
sorry für die Panikmache.^^
ich wollte damit nur ausdrücken dass Führungskräfte die solch schlechten Bedingungen entstehen lassen bzw. glauben dass es so sein muss den begriff "Betriebsfrieden" entweder erst gar nicht kennen oder ihn eben völlig falsch interpretieren à la "solange mir keiner meiner angestellten offen ins gesicht spuckt ist alles ok.". solche menschen sehen diese Probleme einfach nicht solange der betrieb irgendwie halbwegs funktioniert.
ansonsten bin ich da völlig bei dir.
Panikradio schrieb am
maho76 hat geschrieben:@Panikmache
Weshalb diese Polemik?
der Betriebsfrieden für die Chefs der erwähnten tausende von betrieben sieht im schnitt so aus: "alles tanzt wie ich es will, basta." ob das sinnvoll ist (sicher nicht) und die Firma nach vorne bringt (sicher nicht) sieht so jemand nicht.
Wenn du dir nur die Hälfte meiner Posts durchliest, lässt sich keine vernünftige Diskussion aufbauen. Denn ich weiß nicht, wohin du hiermit eigentlich willst.
maho76 schrieb am
@Panikmache: der Betriebsfrieden für die Chefs der erwähnten tausende von betrieben sieht im schnitt so aus: "alles tanzt wie ich es will, basta." ob das sinnvoll ist (sicher nicht) und die Firma nach vorne bringt (sicher nicht) sieht so jemand nicht.
Panikradio schrieb am
maho76 hat geschrieben:und @panikradio:
Gesetze gut und schön, das Problem ist nur angesprochene Praxis. da wird beim kleinsten gerücht betreffs BR die kuh fliegen gelassen, leute unter druck gesetzt, pro-forma vorabkündigungen verteilt und leute mundtot gemacht, ganz davon abgesehen dass jeder heute angst um seinen wenn auch noch so beschissenen Arbeitsplatz haben muss (wer will das einem familien-fürsorgenden Elternteil auch übelnehmen? ). Gesetze werden gebeugt, ignoriert, verdreht und schlicht gebrochen, solange es nicht nach aussen dringt bekommt es ja keiner mit. arbeitsplatzgröße, mitarbeiterüberwachung, überstundenregelungen, Urlaubsanspruch, Erreichbarkeit in der Freizeit, pausenregelungen... das alles ist in der Praxis oft viel weicher als es im gesetz "hinterlegt" ist. LEIDER.
Du hast natürlich nicht ganz Unrecht. Man muss den Kampf "Betriebsrat gründen" jedoch nicht alleine gehen. Kann man, muss man nicht. Gewerkschaften beispielsweise begleiten einem in diesem Prozess, auch wenn es großteils daran gebunden ist, dass sich die AN in großen Teilen gewerkschaftlich engagieren, insofern sie es nicht schon tun.
Dennoch bleibt eins klar festzuhalten: die erste Stufe, einen BR zu gründen, ist immer die, dass ein so genannter Wahlvorstand gegründet wird, der fortan sämtliche Formalitäten bis zur Ernennung des eines Betriebsrats übernimmt. Jetzt denken viele: "Wahlvorstand, na und? Dann entlässt der Arbeitgeber die Leute einfach! Ist ja schließlich noch kein Betriebsrat gewählt worden." Das Gesetz aber sagt: Pustekuchen! Selbst die Leute, die den Wahlvorstand bilden, genießen bereits einen gesetzlichen Kündigungsschutz. Es müssen sich eben nur die richtigen Leute dafür finden, die das übernehmen und sich in die Materie einarbeiten. Der Arbeitgeber hat ab dem Moment an, ab dem ein Wahlvorstand das Gründen eines Betriebsrats ankündigt, im Prinzip kaum noch...
maho76 schrieb am
"die dinge wie "unser unternehmen" oder "die säule unserer Firma" sind doch reine marketingsprüche für firmenbroschüren und Websites für gutmensch-kunden."
;)
leider leider ist das vorherrschende Meinung, ebenso wie man fehler immer auf untergebene abwälzt und das lob für gute Leistung selbst dann für sich beansprucht wenn man nur zugehörige E-Mail weitergeleitet hat während hans-otto die letzten 3 Wochen tag und nacht an dem projekt gearbeitet hat (man natürlich dann noch mal die Signatur des dokuments auf sich selbst umschreibt, kann ja nicht sein dass da der Name eines pupsigen angestellten drin steht, da gehört chefsignatur hin).
warum fallen mir bei sowas immer die Prinzen ein, jetzt krieg ich den Ohrwurm wieder nicht aus dem kopf. :(
schrieb am

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