Über die Zukunft der Printmagazine
Sean Sands unterhielt sich mit Jeff Green über die wachsende Bedeutung des Onlinemarktes und die daraus folgenden Implikationen für die alteingesessenen Printmagazine. Und der drückt sich wie gewohnt unmissverständlich aus:
"Spielemagazine waren seit jeher schlecht. So fett und faul. So darauf bedacht, nur die niedrig hängenden, einfach zu erreichenden Früchte abzugreifen. Die Onlinekonkurrenz zwingt nun die Redakteure dazu, einfallsreicher bei dem zu sein, was sie in ihre Magazine packen."
Sagt jemand, der wohlgemerkt Chefredakteur von Games for Windows, dem zweitgrößten PC-Spielemagazin im US-Markt, ist und sich selbst nicht von der Kritik ausnimmt. Green freut sich gar über dadurch entstandene Herausforderung und empfindet die neue Konstellation als etwas Gutes, das die Qualität steigern werde.
Zwar hätte das Internet die Medienlandschaft grundlegend verändert, Printmagazine haben aber nachwievor ihre Berechtigung - so man denn intelligent mit dieser Situation umgeht. Die Redaktionen müssten ihr Produkt verbessern, "wer arrogant genug ist zu denken, dass man alles wie gehabt machen kann, verdient seine baldige Irrelevanz", legt Green weiter nach. Alles, was man mache, betrachte man unter der Fragestellung, wie man es "besser, anders und tiefergehend" angehen könnte als die Onlinepresse, die ein Thema vielleicht schon Wochen früher abdecken konnte. Das könne sehr befreiend sein.
Magazine sollten endlich richtige Schreiber anheuern und sich abseits der üblichen Previews und Reviews um Interessantes bemühen. Auch GFW selbst habe noch einen langen Weg vor sich. Immerhin war man eines der ersten Magazine, die GFW Live kritisch hinterfragten - das volle Interview in der Ausgabe geht noch wesentlich deutlicher ins Detail -, auch ziehen die Mannen um Green in anderen Artikeln und im wöchentlichen Podcast gelegentlich über den Hauptsponsor des eigenen Produkts her. Grundsätzlich habe man vom Ausbau der eigenen, bei 1UP laufenden Onlinesektion profitiert und auch so neue Leser gewinnen können. Im letzten Jahr hatte das Magazin, damals noch als Computer Gaming World bekannt, sogar eine zeitlang darauf verzichtet, Spiele in Reviews mit Punkten, Noten oder irgendeinem anderen System metrisch zu kategorisieren - seit der Umbenennung gibt es allerdings wieder ein Zehner-System.
Aber auch Onlinemagazine sollten nicht mit dem Stand der Dinge zufrieden sein, mahnt Green und empfiehlt abschließend:
"Ich würde sagen, dass ihr etwas mehr Zeit darauf verwenden solltet, eure Artikel zu strukturieren und Korrektur zu lesen. Ich habe gerade wieder echt peinliches Zeug bei einer dieser angeblichen "professionelleren" Magazine gelesen. Wir reden hier über grundlegende Grammatik.
Schluckt außerdem nicht jeden Krümel Hype, den die Spielehersteller in unsere Richtung schmeißen wie Fische, mit denen man Seehunde füttert, und veröffentlicht das dann noch als große sensationelle Enthüllung. Seid kritischer!"