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THQ: Was bringt die Zukunft?

THQ (Unternehmen) von
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Nachdem das Geschäft mit Lizenzspielen weggebrochen war, hatte THQ zwar den einen oder anderen erfolgreichen Titel im Programm. Wirkliche Kontinuität konnte sich aber nie einstellen bei einer Firmenstrategie, die sich gefühlt in jedem Jahr änderte. Allerlei Fehlschläge, Umstrukturierungen und Enttäuschungen wie Red Faction: Armageddon, uDraw oder Homefront resultierten schließlich darin, dass sämtliche finanziellen Reserven des Publishers nach fünf verlustreichen Geschäftsjahren in Folge aufgezehrt worden waren. Am gestrigen Abend folgte schließlich die offizielle Insolvenzmeldung.

Ein Strohmann namens Clearlake

Die Insolvenz sei aber nur ein notwendiger Schritt für die Umwandlung des Unternehmens, heißt es da aus dem Management. In der Tat: Dem Antrag liegt ein taktisches Kalkül zu Grunde. Der Hersteller, der es im Winter zuvor nicht geschafft hatte, einen willigen Investor oder Übernahmeinteressenten zu finden, hatte seit Ende Oktober mit der Clearlake Capital Group verhandelt. Jene Firma agiert allerdings auch nur als Mittelsmann für einen nicht näher benannten Investor, der bereit ist, das notwendige Geld zur Verfügung zu stellen. Dank der offiziellen Insolvenz wäre es ihm nun möglich, Assets wie Studios, Marken und Vereinbarungen zu übernehmen, ohne sich auch noch die finanziellen Verpflichtungen des defizitären Unternehmens ans Bein binden zu müssen. THQ hatte zum Zeitpunkt der Pleite Schulden in Höhe von knapp 100 Mio. Dollar sowie noch darüber hinaus gehende Verbindlichkeiten.

Da der Verkauf der Assets nach Section 363 des US-Insolvenzrechts gehandhabt wird, haben andere Interessenten jetzt die Möglichkeit, innerhalb der nächsten 30  Tage eigene Angebote einzureichen, müssten die derzeit bestehende Offerte aber schon recht deutlich überbieten. Der vom Management auserkorene und durch Clearlake vertretene Wunschpartner hat einen zeitlichen, damit auch strategischen Vorteil und dürfte den Segen der bisherigen Gläubiger haben. Insgesamt 60 Mio. Dollar würden kurzfristig investiert werden; davon sollen zehn Mio. Dollar an die Gläubiger THQs gehen. Diese würden also zehn Prozent dessen erhalten, was man dem Hersteller einst geliehen hatte. Was wohl zähneknirschnend akzeptiert werden würde - im Falle einer Totalpleite würde man schließlich riskieren, kein oder weniger Geld zurückzuerhalten. Dies ist das Szenario, mit dem sich allerdings die normalen Aktionäre THQs  durch die Insolvenz und den Asset-Verkauf konfrontiert sehen.

Sollte sich übrigens doch eine andere Firma einmischen, deutlich mehr bieten und den Zuschlag erhalten, würde Clearlake eine Entschädigung (break-up fee) in Höhe von 1,75 Mio. Dollar zustehen. Darauf hatten sich beide Parteien geeinigt, da die Investmentgruppe eine Abwicklung nach Section 363 eigentlich vermeiden wollte.

THQ zufolge sollen alle Studios (THQ Montreal, Volition, Relic und Vigil) samt der Marken und bestehender Projekte übernommen und wie gehabt weitergeführt werden. Auch alle Lizenzabkommen und Verträge mit anderen Studios seien Teil des Kaufpakets. Dies betrifft insbesondere South Park: Der Stab der Wahrheit von Obsidian Entertainment sowie Metro: Last Light von 4A Games. In beiden Fällen wird das jeweilige Spiel von einem externen Studio produziert, in beiden Fällen handelt es sich um Marken, die nur von THQ lizenziert wurden. (South Park gehört Viacom, Metro ist Eigentum von 4A Ltd. und Dimitri Gluchowki.)

Dass bestehende Verpflichtungen bzw. Zusagen auch unter dem neuen Besitzer honoriert werden sollen, wird in der Involvenzdokumentation ersichtlich. Dort wird im Rahmen der Kostenposten z.B. erwähnt, dass Volition insgesamt ein Bonus von 2,6 Mio. Dollar zusteht für das Erreichen gewisser Profitabilitätsziele bei Saints Row: The Third. Eine Hälfte sei bereits im Mai ausgezahlt worden. Wie das Geld auf die 184 Angestellten verteilt wird, sei der Studioführung überlassen.

Welche Spiele kommen? 

Projekte wie Metro: Last Light, Company of Heroes 2 oder South Park dürften durch die Übernahme abgesichert sein, da sie kurz vor der Fertigstellung stehen. Die Titel von 4A und Relic werden im nächsten Quartal in den Handel kommen, South Park soll noch im Laufe des Frühjahrs folgen. Über das vor Monaten angekündigte Saints Row 4 heißt es: Das Spiel soll im Laufe des nächsten Kalenderjahres erscheinen.

Interessanter ist da schon die Auflistung einiger Projekte, die bisher nicht angekündigt oder näher benannt worden waren. Laut THQ arbeitet Vigil derzeit an einem Projekt mit dem Codenamen Crawler. Dahinter könnte sich natürlich Darksiders III verbergen - was allerdings eher unwahrscheinlich ist angesichts der Verkaufszahlen von Darksiders II und dem Abgang von Joe Madureira. Warhammer 40.000: Dark Millennium wird weder im Studioabschnitt noch in der Übersicht kommender Projekte erwähnt. Ob der Publisher den Titel schlichtweg nicht aufgeführt oder nach einem Umbauversuch mittlerweile offiziell eingestampft hat, ist nicht bekannt.

Der bisher nur kurz und knapp angekündigte Shooter von Turtle Rock (Left 4 Dead) heißt wohl Evolve und wird als Koop-Multiplayer-Action-Spiel beschrieben. Die große neue Marke, an der man derzeit bei THQ Montreal unter der Leitung von Patrice Desilets (Creative Director von Assassin's Creed I & II) werkelt, heißt 1666. In beiden Fällen gilt es aufgrund bereits registrierter Trademarks als wahrscheinlich, dass es sich nicht nur um Arbeitstitel handelt. Relic hat ein Spiel mit dem Namen oder Codenamen Atlas in Arbeit, das 2014 erscheinen soll.

Weiterhin gibt THQ Prognosen für die Gesamtverkaufszahlen der aufgelisteten Spiele ab: So rechnet man z.B. bei Saints Row 4, Homefront 2 und Metro: Last Light mit fünf, vier bzw. 1,9 Mio. Exemplaren. Company of Heroes 2, Evolve und 1666 könnten zwei bzw. jeweils vier Mio. Mal verkauft werden. Darksiders II käme auf 2,4 Mio. Einheiten. 

Auf Basis der angebenen Umsatzschätzungen und Gewinnmargen kann man auch errechnen, wieviel Geld der Publisher für die Produktion und das Marketing des jeweiligen Spiels eingeplant hat. Demnach könnte Darksiders II insgesamt fast 79 Mio. Dollar gekostet haben. Insgesamt geht THQ davon aus, mit dem Spiel einen Verlust von 500.000 Dollar hinnehmen zu müssen. 1666 und Saints Row 4 lässt man sich demnach insgesamt 80 Mio. bzw. gar 120 Mio. Dollar kosten.

Bei Atlas gibt es keinerlei Prognosen für den Absatz - bei Polygon mutmaßt man deswegen, es könne sich um einen Free-to-play-Titel handeln. Einen umfangreichen Content-Plan scheint es auch für Company of Heroes 2 zu geben: 46 Prozent des eingeplanten Gesamtbudgets für das RTS-Spiel wird laut einer zweiten Übersicht trotz der Fertigstellung und Veröffentlichung des Hauptspiels im ersten Quartal 2013 erst in den nächsten beiden Geschäftsjahren (1. April 2013 bis 31. März 2015) ausgegeben. Ganz im Gegensatz zu Metro: Last Light, bei dem keinerlei mittel- oder langfristige Investitionen geplant sind. Auf Basis jener Daten kann man auch davon ausgehen, dass 1666 vermutlich irgendwann zwischen dem 1. April 2014 und dem 31. März 2015 veröffentlicht wird.


In einem Brief wendet sich Jason Rubin an die Spielergemeinde, um die Gemüter etwas zu beruhigen. Clearlake stelle dem Unternehmen das Kapital zur Verfügung, das man für die Fertigstellung von Projekten benötige. Das Ganze sei ein Neustart für den Hersteller. Die Insolvenz sei nicht das Ende von THQ und vieler beliebter Marken - das Gegenteil sei der Fall.

"The most important thing to understand is that Chapter 11 does not mean the end of the THQ story or the end of the titles you love.  Quite the opposite is true, actually.

Chapter 11 is a safety net for U.S. companies. American Airlines is currently in Chapter 11 restructuring, yet I flew back and forth on that airline when I visited Volition two weeks ago.  Donald Trump and his companies have been in Chapter 11 four times.  You can add to that list household names such as Macy’s, Eddie Bauer, the Chicago Cubs, Chrysler, Delta Airlines, General Motors, the Pittsburgh Penguins, Marvel Studios, and MGM, among many others.

MGM filed Chapter 11 two years ago, and this year it released 'Skyfall' and  'The Hobbit', two of the biggest titles of the year. That’s what I mean when I say new start!"

Ob Clearsale oder ein anderer Bieter sich durchsetzt, sei ihm letztendlich egal, solange die Studios und die Marken erhalten bleiben, führt der THQ-Präsident weiter aus.

"So THQ made headlines today – and I am sure there will be tons of click-grabbing headlines over the next month or so. But what matters to us is not what is happening to THQ right now, but what the company and its teams will make of ourselves after we complete the sale.

In short, the teams will be unburdened by the past and able to focus on what they should be focusing on -- Making great games.  

I’m excited about the future and hope to have more to report soon."

Kommentare

greenelve schrieb am
Pioneer82 hat geschrieben:Erstaunlich das über 2 Millionen verkaufte Darksiders Exemplare trotzdem Verlust bescheren.
Spiele kosten. Es reicht auch nicht +- 0 oder leichten Gewinn zu machen. Da müssen mehrere Millionen reingeholt werden, damit es sich lohnt einen weiteren Teil zu finanzieren. 5 Millionen verkaufte Exemplare wurde mal als Grenze von einem Studio genannt. Ist natürlich keine feste Grenze, aber zumindest ein grober Anhaltspunkt.
Serious Lee schrieb am
Alles klar, danke für deine Einschätzung.
Spunior schrieb am
darkrockerXX hat geschrieben:Zu WWE verliert man ja kaum irgendwo ein Wort, obwohl dies die tradionsreichste Reihe des Unternehmens ist. Wäre schön, wenn da mal ein paar Journalisten nachhaken könnten.
Bei WWE scheint sich vorerst nichts zu ändern - die Lizenz würde zum neuen Eigentümer übergehen. Ich hatte es nicht gesondert erwähnt, da a) hier eigentlich nur eine Änderung vom Status Quo wirklich berichtenswert gewesen wäre - und b) ein WWE 2014 auch in der Projektübersicht (siehe Bild im Artikel) aufgeführt wird.
Serious Lee schrieb am
Zu WWE verliert man ja kaum irgendwo ein Wort, obwohl dies die tradionsreichste Reihe des Unternehmens ist. Wäre schön, wenn da mal ein paar Journalisten nachhaken könnten.
Pioneer82 schrieb am
Erstaunlich das über 2 Millionen verkaufte Darksiders Exemplare trotzdem Verlust bescheren.
schrieb am

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