Buchtipp für Spieler: Computer- und Video-Spielmacher - 4Players.de

4Players.de Das Spielemagazin. Kritisch. Ehrlich. Aktuell. 4Players.de Das Spielemagazin. Kritisch. Ehrlich. Aktuell.
Sonstiges
Entwickler: 4Players
Publisher: -
Release:
kein Termin
kein Termin
kein Termin
kein Termin
kein Termin
kein Termin
kein Termin
kein Termin
kein Termin

Wie findest Du das Spiel?

Spielinfo Bilder Videos

Schnäppchen-Angebote

Stellenmarkt Jobbörse Jobware

Nachrichten

Folge uns

       

Buchtipp: Computer- und Video-Spielmacher

Was macht der moderne Spielefreund, wenn er nicht weiß, wann "Electronic Arts" gegründet wurde, wer "Ralph Baer" ist oder wo das "Starbreeze Studio" eigentlich seinen Firmensitz hat? Richtig: Er googelt. Oder er sucht einen Artikel bei Wikipedia. Jedenfalls kann er sich die Informationen in null Komma nichts kostenlos aus dem Internet besorgen.

Wozu braucht man da ein Lexikon in Buchform? Weil man theoretisch besser darin schmökern kann. In einem alphabetisch sortierten Nachschlagewerk blättert man sich von Stichpunkt zu Stichpunkt durch die Welt der Computer- und Videospielmacher - von den Anfängen bis heute. Je weiter man blättert, desto tiefer kann man in die Geschichte der kreativen Entwicklung abtauchen und so einiges Unbekanntes entdecken.

Genau das bietet euch das kompakte Lexikon von Autor Winnie Forster. Der ehemalige Spieleredakteur (u.a. Power Play & Maniac) leitet seit 2002 den Verlag GAMEplan und hat kürzlich sein 400-seitiges Buch veröffentlicht. Bei seiner Recherche hat er Artikel zu mehr als 1300 Teams und über 200 Persönlichkeiten aus aller Welt zusammen getragen, von Amerika über Europa bis Japan, von A wie "Abrash, Michael" oder "Atari" bis Z wie "Zito, Tom" oder "Zuxxez".

Wie bitte? Ihr kennt Michael Abrash nicht? Der Amerikaner hat 1982 Space Strike auf dem IBM PC entwickelt, war dann Grafikleiter für Microsofts Windows NT und hat sowohl Doom 64 programmiert als auch die Quake-Engine für id optimiert! Das ist der Unterschied zu Wikipedia: Wenn man dieses Lexikon aufschlägt, wird man sich selbst als Kenner der Spielewelt unweigerlich wundern, wie viele Spiele, aber wie wenig Persönlichkeiten und Entwickler man tatsächlich zuordnen kann.

Und jetzt mal ehrlich: Wer kennt den Mann auf dem Cover? Na? Es ist Hiroshi Yamauchi. Natürlich werden Marios Freunde ihren japanischen Kaiser kennen, der erst 2002 in den Ruhestand ging , aber ich wette, dass viele PC-Spieler weder mit dem Namen noch dem Bild des ehemaligen Nintendo-Präsidenten etwas anfangen können. Er leitete diese Firma fast ein Leben lang und gilt mit fünf Milliarden Euro Vermögen als der reichste Mann Japans. Um so verwunderlicher ist es, dass es lediglich eine kleine Bildbeschreibung, aber keinen ausführlicheren Artikel zu Yamauchi im Lexikon gibt - schade. Dafür geht ein Artikel ausführlicher auf seinen Nachfolger ein, der bis heute an der Spitze Nintendos steht: Satoru Iwata.

Wer einmal mit dem Blättern beginnt, wird von vielen Namen überrascht und kann sicher sein, dass er vor allem hinsichtlich der Anfänge und wesentlichen Figuren der Spielewelt einen verlässlichen Ratgeber zur Hand hat: Egal ob David Braben (Elite), Hironobu Skaguchi (Final Fantasy) oder Roberta Williams (King's Quest). Auch die wenigen deutsche Prominenten wie Chris Hülsbeck oder Julian Eggebrecht (Factor 5) werden beschrieben. Und manche Artikel, wie etwa der zu Ralph Baer, sind sogar ausführlicher als das deutsche Pendant auf Wikipedia.de. Ab und zu vermisst man eine Zusatznotiz: Man hätte im Atari-Artikel z.B. darauf hinweisen können, dass dieser Steve Jobs, der mal im Jahr 1976 "Breakout" entwickelte, später eine Firma namens "Apple" gründete.

Sehr hilfreich sind die Querverweise innerhalb der Artikel, so dass man schnell zwischen verwandten Themen wechseln kann. Und besonders lobenswert sind die Tabellen der Studios, die für einen Publisher arbeiten: Hier kann man auf einen Blick erkennen, welche Teams in welchem Land z.B. für THQ oder EA aktiv sind. Dass diese Listen teilweise nicht mehr aktuell sind, kann man verschmerzen, aber warum hat man sie nicht konsequent angewendet (eine Lücke bei UbiSoft) oder als Anhang aufbereitet?

Etwas unzuverlässiger werden die Artikel ab dem Zeitpunkt 2006 - diese Aktualität der letzten Jahre muss man im Internet suchen. Manchmal fehlt z.B. die Verknüpfung des Herstellers mit dem letzten großen Spielenamen. Man wird unter "JoWooD" z.B. nichts (!) von "Gothic" lesen, obwohl Teil 2 schon 2002 erschien, dafür noch etwas von AquaNox 2. Unter dem ehemaligen deutschen Entwickler "SEK" findet man "Wiggles", aber von "ParaWorld" (2006) ist genau so wenig zu lesen wie davon, dass das Team mittlerweile (2007) aufgelöst wurde. Unter "Volker Wertich" fehlt der Hinweis darauf, dass er mittlerweile bei EA arbeitet; obwohl Phenomic unter EA wiederum aufgeführt wird. Man wird zu "Media Molecule" (2006) gar nichts finden und unter "Bungie" das letzte Spiel mit Halo aus dem Jahr 2001. Und unter "Molyneux, Peter" fehlt ein Spiel wie Fable - der Artikel endet mit dem ersten Black & White. Natürlich muss sich ein Lexikon beschränken, aber die wichtigen Titel wie Fable und Halo 2 (2004), die vier Jahre auf dem Buckel haben, hätte man erwähnen müssen.

Ärgerlich ist, dass das Lexikon bei aller exotischen Vielfalt und Retrodichte prominente Lücken aufweist: Warum gibt es z.B. keinen Artikel zu Chris Taylor (Total Annihilation)? Und wenn man bei seinem Studio Gas Powerd Games nachschlägt, findet man dort keinen Hinweis auf sein letztes großes Echtzeit-Strategiespiel "Supreme Commander" - das kam Anfang 2007 auf den Markt.

Der Schreibstil ist klar, markant und meist zurückhaltend in der Bewertung von Personen und Ereignissen; bis auf ein "Game Convention" gibt es kaum Rechtschreibfehler. Das Lexikon ist zudem sehr übersichtlich in dreispaltiger Form gestaltet, inklusive Personen- und Spiele-Index am Ende, aber nur spärlich illustriert. Es gibt zwar relativ viele Bilder der Personen, aber diese sind lediglich schwarzweiß gehalten und teilweise veraltet. Das Foto von Michel Ancel (Rayman, Beyond Good & Evil) zeigt ihn z.B. noch als Jüngling. Das unterstreicht andererseits den historischen Charakter des Lexikons, das sich als "sicheres Fundament" versteht, von dem man in das "Datenmeer aufbrechen" kann.

Ich habe das sehr gerne getan und mich beim Stöbern immer wieder über die vielen Unbekannten gefreut, die mir da begegneten. Trotz aller Kritik an den oben beschriebenen Lücken kann ich das Buch als Nachschlagewerk empfehlen - vor allem für jene, die sich mit den Anfängen und Persönlichkeiten der Spielwelt vertraut machen wollen.


Jörg Luibl


Computer- und Videospielmacher ist seit Dezember 2008 in broschierter Form für 27,80 Euro erhältlich.

Kommentare

C64Freak schrieb am
Ich habe das Buch und kann der Rezension nur zustimmen. Es gefällt mir insgesamt ziemlich gut,auch wenn es im Internetzeitalter etwas anachronistisch wirkt. Aber in so kompakter Weise findet man die Informationen auch nirgendwo im Internet.
Ich finde jedoch den Schreibstil, insbesondere den Satzbau manchmal etwas mühsam, so dass ich Sätze manchmal mehrmals lesen musste, um den dahinterstehenden Sinn zu verstehen.
Das dass Buch teils große Lücken bei der Aktualität hat, ist mir auch aufgefallen, obwohl Winnie Forster im Buch selber schreibt, dass bis zur Drucklegung noch Sachen ergänzt wurden. Für ein Ein-Mann-Projekt ist der Umfang aber trotzdem ziemlich beachtlich. Außerdem kann man in ein paar Jahren bestimmt mit aktualisierten Auflagen rechnen, wie das ja auch bei seinem Buch "Spielkonsolen und Heimcomputer" der Fall ist. Letztgenanntes Buch fand ich übrigens beim Layout und der Illustration deutlich besser gelungen. Da war ich schon etwas enttäuscht, als ich das erste mal "Spielmacher" aufgeschlagen habe.
Jetzt warte ich nur noch auf das schon seit 2005 angekündigte Software-Buch von Winnie.
scorpion or monkey schrieb am
Ich als Neuling der Szene sehe natürlich die ein oder andere fehlende aktuelle Information nicht so gerne. Allerdings weiß ich von den Anfängen der Computerspiele nur wenig und habe deshalb großes Interesse an dem Buch. Leider missfällt mir der sachliche Schreibstil, denn obwohl das Ganze eine ernst zu nehmende Enzyklopädie ist, fehlt mir dann doch hin und wieder eine Anmerkung a la Terry Pratchett. Dennoch werd ichs mir besorgen, hoffentlich gibts das in nem Shop bei mir in der Nähe.
Ich danke übrigens der 4players Redaktion für eben solche interessanten Anfügungen neben den Spieletests, viele Magazine haben so etwas nicht zu bieten.
papperlapapp schrieb am
"Spielkonsolen und Heim-Computer 1972 bis 2002" und "Joysticks" von forster sind auch sehr empfehlenswert.
wer seinen horizint jenseits von den aktuellen konsolen erweitern will, sollte sich diese mal leisten.
4P|T@xtchef schrieb am
Es ist broschiert, also mit seinem weichen Umschlag etwas stabiler verarbeitet als ein Taschenbuch. Gebunden wäre es natürlich noch besser.
the_smoker schrieb am
27,80 Euro sind schon ein stolzer Preis, ist das Buch dafür dann wenigstens ein Hardcover oder eher ein lappriges Taschenbuch?
schrieb am

Facebook

Google+