Der 4P-Kommentar

Spielebranche in der Krise

Die Krise ist längst da, obwohl sie viele lieber wegdiskutieren möchten. Vogel Strauß-Taktik hilft aber nicht weiter: 2006 ist bislang ein Jahr des Niedergangs für die Spieleindustrie, die Verkäufe dümpeln vor sich hin. Im letzten Weihnachtsgeschäft brachen die Umsätze der tonangebenden US-Branche um bis zu 18 Prozent ein, die Gewinne schrumpften und die Kosten für Produktion und Vermarktung explodierten gleichzeitig.

Wenn Großunternehmen wie Electronic Arts davon Husten bekommen, erwischt es die Mittelfirmen mit Lungenentzündung und andere liegen schon längst tot im Keller, ohne dass wir uns an ihre Leichen erinnern. Verantwortlich sei -das wird gebetsmühlenhaft allerorten wiederholt- die Umstellung auf die neuen Konsolen. Klar, dass PS3, Wii und Xbox 360 von den Publishern als die Heilsbringer gefeiert werden, die die Verkaufszahlen wieder nach oben treiben sollen. Aber stimmt das auch? Und was, wenn es anders kommt?

Ist es nicht so, dass wir auch in eine Krise der Spielinhalte geschlittert sind, die einfallsloser nicht sein könnten? Egal ob nach Effekt haschender Weltkriegs-Shooter, blutleeres Action-Rollenspiel oder Echtzeit-Strategie von der Stange - es wird der xte Aufwasch desselben Spielprinzips reproduziert. Mit sündteurem Marketing wird dann meist versucht, so etwas wie einen Hype zu kreieren und das Zeug an den Mann oder die Frau zu bringen. Die Verantwortlichen denken scheinbar, dass Erfolg so berechenbar wird. Egal ob Electronic Arts, Take 2 oder Activision - neue Impulse können oder wollen sie nicht liefern. Was sie können, ist vielversprechende Lizenzen einzukaufen und bis zum Gehtnichtmehr auszuschlachten. Bestes Beispiel ist die Herr der Ringe-Kuh, die EA bis heute melkt. Kreativität ist nicht gefragt, im Gegenteil: sie wird abgewürgt, da sie ein zu großes wirtschaftliches Wagnis darstellt.

Doch Innovation ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Spielebranche, da nur sie neue Möglichkeiten schafft. Das gilt aber nicht nur bei der Hardware, wo Hersteller wie Nintendo deutlich innovationsfreudiger sind, es gilt auch für die Spiele selbst. Nur so entsteht etwas Neues, das vielleicht zum Dauerbrenner wird und so die Publisher in Zukunft ernähren kann. Derzeit haben wir eher Beharren, Stillstand und Rückgang, auch deshalb, weil mitreißende Inhalte fehlen. Die Spieler üben sich auch in Kaufzurückhaltung, weil sie die ewig gleiche Leier nicht mehr ertragen können. Denn was hilft die schönste Konsole, wenn es auf ihr nichts Gescheites zum Zocken gibt? Letztes Beispiel ist doch die Xbox 360. Wer hätte sie gekauft, wenn Microsoft nicht auch mit Oblivion gelockt hätte?


Bodo Naser
Redakteur

Autor: Bodo Naser
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Kommentare

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  • Nunja, wie werden denn solche Spiele beworben? Ist doch viel ehr so das altbackene Spiele oft gehypt werden bis sonst wo hin, solche Geheimtips nennt man meist nicht umsonst so, weil sie einfach nicht dementsprechend beworben werden. Aber es stimmt schon, viele Leute die sich heutzutage Spieler  [...] Nunja, wie werden denn solche Spiele beworben? Ist doch viel ehr so das altbackene Spiele oft gehypt werden bis sonst wo hin, solche Geheimtips nennt man meist nicht umsonst so, weil sie einfach nicht dementsprechend beworben werden. Aber es stimmt schon, viele Leute die sich heutzutage Spieler schimpfen leben bei ihrem Hobby ganz nach dem Motto "Was der Bauer nicht kennt frisst er nicht". Ich denke aber auch, das diese Verhalten der Spieler auch durch die Publisher/Entwickler geprägt ist. Vor der PlayStation gab es einfach eine buntere Mischung von Spielen, die die Spieler aber auch gern gekauft haben und auch offener für neues waren. Die heutigen Spielefans sind einfach ganz anders und wurden auch durch die Publisher/Entwickler in die Richtung hin erzogen.
  • ich hab jetz nicht alles durchgelesen, aber zu folgendem Post möcht ich was sagen. trialversion schrieb:
    Stimmt alles und ist alles längst bekannt. Wer hier aber mal wieder fehlt bei der Aufzählung der Schuldigen sind die Spieler selbst ! Es gab so manches gute und innovative
     [...]
    ich hab jetz nicht alles durchgelesen, aber zu folgendem Post möcht ich was sagen. trialversion schrieb:
    Stimmt alles und ist alles längst bekannt. Wer hier aber mal wieder fehlt bei der Aufzählung der Schuldigen sind die Spieler selbst ! Es gab so manches gute und innovative Spiel, das auch in der Fachpresse hoch gelobt wurde und sich trotzdem nicht verkauft hat, weil sich viele Spieler lieber doch für bewährtes und immer gleiches interessieren, als sich auf was neues einzulassen. Es heist die Welt sei so schlecht wie sie es verdient. Vielleicht gilt das eben auch für die Spielewelt. Manchmal denke ich das jedenfalls.
    dito Bestes Beispiel: Beyond Good & Evil. Von den Zeitschriften gelobt, ist es trotzdem nicht wie erwartet beim Spieler angekommen. Is aber ein Top-Game, was mittlerweile recht selten geworden ist :(
  • Trotzdem ist es traurig ich will denen ja nicht vorschreiben was sie zu tuen haben aber ich frag mich wirklich wie lange die leute sich das Bieten lassen. Anscheinend zu lange....