Ärger mit Silicon Knights
Zahlreiche Projekte werden derzeit mit der Unreal Engine 3 verwirklicht. Auch Silicon Knights (Eternal Darkness) gehört zu den Lizenznehmern. Wirklich Feuer und Flamme scheint man bei den Kanadiern allerdings nicht für die Technologie zu sein - die Mannen und Denis Dyack haben nun Epic kurzerhand verklagt. Worum geht es?
Das Team, das die Unreal Engine 3 zuerst für Too Human lizenziert hatte, wirft dem Technologieanbieter vor, unzureichend Support geleistet und stattdessen die Einahmen durch die Gebühren verwendet zu haben, um vor allem die eigenen Projekte an den Markt zu bringen. Damit hätte man die Produktionen anderer Entwickler "sabotiert."
Beispielsweise habe Epic nicht die Zusage einhalten können, die Xbox 360-Version der Engine innerhalb der ersten sechs Monate des entsprechenden Devkits (September 2005) zugänglich zu machen. Erst im November 2006 habe man eine funktionierende Fassung der Technologie bekommen, allerdings ohne irgendwelche Informationen, wie man diese nun implementieren könne.
Epic sei eigenen Verpflichtungen nicht nachgekommen und habe vielmehr damit zu tun gehabt, an Unreal Tournament 3 und Gears of War zu arbeiten. So hätte man keine Hilfestellung bei Modifizierungen und Erweiterung der Engine gewährleistet und dies damit begründet, dass es sich dabei um spielespezifische, nicht engine-spezifische Features handle. Die Tatsache, dass Epic anderen Entwicklern später kostenfrei einen großen Teil des Quellcodes von Gears of War zur Verfügung gestellt habe, sei als Eingeständnis dessen zu werten.
Der Klageschrift zufolge arbeiten die Kanadier nun mit einer eigenen, "Silicon Knight Engine" genannten Technologie. Die ständigen Verzögerungen und Steigerungen der Kosten durch die nicht funktionierende Technologie Epics und die Gefahr, das Projekt einstellen zu müssen, habe diesen Schritt, den man ja ursprünglich hatte vermeiden wollen, letzendlich unumgänglich gemacht. Die eigene Engine befindet sich seit Mai 2006 in Entwicklung und sei eine Erweiterung der Unreal Engine 3. Mittlerweile sei sie größtenteils unabhängig vom Original, könne als "Erweiterung" im Sinne des Lizenzabkommens mit Epic gesehen werden und gehöre somit Silicon Knights. Der Anteil des Codes von Epic an der Technologie soll nach und nach verringert werden. Nach der Veröffentlichung von Too Human werde man den Rest dann vollständig tilgen.
Manche werden sich noch an die E3 2006-Demo des Spiels erinnern, die von der Presse mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde und so einigen Unmut bei den Entwicklern erzeugt hatte. Man selbst habe keine funktionierende Technologie gehabt, CliffyB & Co. hätten hingegen Gears of War in bestem Zustand vorführen und so auch den "Best Game of Show"-Preis für sich verbuchen können. Epic habe nicht nur anderen Teams geschadet, sondern auch sich selbst einen "unfairen Vorteil" verschafft.
Im Falle der PS3 hätte Epic zudem zum wiederholten Male eine zeitliche Zusage nicht erhalten. Obwohl die finalen Devkits seit Mitte August 2006 erhältlich gewesen seien, habe man bis zum versprochenen Termin (Februar 2007) keine Engine zur Verfügung gestellt bekommen.
Das kanadische Entwicklerhaus fordert nun in der Klage, dass die Vereinbarung zwischen den beiden Firmen für null und nichtig erklärt wird. Allerdings sollte man weiterhin das Recht haben, die Engine ohne Einschränkungen zu modifizieren, ohne die Eigenentwicklungen Epic oder anderen Firmen zugänglich machen zu müssen. Zudem soll klargestellt werden, dass die Silicon Knights Engine dem kanadischen Team gehöre. Last but not least: Epic solle die Gewinne, die man mit Gears of War gemacht hätte, als Entschädigung an andere Entwickler ausschütten.
Gegenüber Gamedaily sagte SK-Chef Denis Dyack, dass man sich viel lieber auf die Produktion konzentrieren würde, Epic habe sie aber letztendlich zu diesen Schritt gezwungen. Der Anbieter sei nicht bereit gewesen, die Unzulänglichkeit des eigenen Codes und den dadurch bei anderen Teams verursachten Schaden einzugestehen. Mehr als ein Jahr habe man versucht, mit Epic zu einer Einigung zu kommen. Man hoffe allerdings immer noch darauf, eine vernünftige Geschäftslösung mit den Unreal-Machern finden zu können.
Mark Rein, Vizepräsident und Sprachrohr Epics, ließ nur verlauten, dass Vorwürfe völlig unbegründet seien und man sich diesbezüglich verteidigen werde. Aufgrund des laufenden Verfahrens wolle er sich aber nicht weiter dazu äußern.