Onlive: Ist wohl pleite

von Julian Dasgupta,
OnLive: Ist wohl pleite
Bildquelle: OnLive
Nicht wenige orakeln, dass es sich beim Streamen per Internet, dem Cloud-Gaming, um die Zukunft der Spiele handelt. Onlive gilt als einer der Pionierdienste in jenem Bereich und war in den USA seit der E3 2010 verfügbar. Seither ließen die Mannen um Steve Perlman neben PC-, Android- und MacOS-Clients auch eine Micro-Konsole vom Stapel laufen, vor einigen Wochen wurde außerdem eine Integration in Smart-TVs von LG angekündigt. Auch gab man bekannt, dass man seinen Android-Client auch auf der Ouya-Konsolen anbieten werde.



Wenn man Berichten aus den USA glauben darf, hat das Unternehmen in jenem Zeitraum allerdings auch anderes bewerkstelligt: Reichlich Risikokapital verbrannt, ohne in der Zwischenzeit ein tragfähiges Geschäftsmodell zu finden.



Laut einigen Quellen hat der Anbieter am Freitag seine komplette Belegschaft entlassen. In einer offiziellen Stellungnahme ließ man verlauten, dass dies "natürlich nicht" der Fall sei. Einem GamePolitics-Maulwurf zufolge habe es aber ein bizarres Team-Meeting gegeben, in dem Perlman mitteilte, dass OnLive aufgrund einer speziellen Regelung im Insolvenzrecht von Kalifornien in seiner bisherigen Form nicht mehr existiere. Sämtliche Anteilsoptionen der Mitarbeiter seien damit hinfällig. Dem Insider zufolge will sich Perlman mit jener Maßnahme dem Zugriff der Gläubiger entziehen - dem Vernehmen nach soll eine neue Firma gegründet werden, die das Geschäft und sicherlich die damit verbundenen Lizenzen übernehme. Allerdings wird wohl nur ein sehr kleiner Teil der bisherigen Mitarbeiter dort Unterschlupf finden können.

Auch heißt es: Angestellte, die einigermaßen rechnen können, hätten eigentlich ahnen müssen, dass das Geld knapp werde. Die Betriebskosten sollen laut Endgadget angeblich fünf Mio. Dollar pro Monat betragen haben. Allerdings habe man immer gehofft, Perlman werde weitere Investoren auftreiben. Viele seien auch davon ausgegangen, dass das letztendliche Ziel die Übernahme durch eine andere Firma sei - die Wahrscheinlichkeit dafür sei aber "recht gering" gewesen. Besser lief es für David Perry: Der von ihm mitgegründete Stream-Dienst Gaikai, der ein etwas anderes Geschäftsmodell verfolgt hatte, war vor einigen Wochen von Sony für 384 Mio. Dollar aufgekauft worden.

Update: Mittlerweile hat sich das Unternehmen mit einer zweiten Mitteilung zu Wort gemeldet. Darin wird bestätigt, dass die Firmen-Assets von einem neu gegründeten, gut finanzierten Unternehmen aufgekauft wurden, welches angeblich einen "großen Prozentsatz" der ehemaligen OnLive-Mitarbeiter anheuern wolle. Der Dienst soll aber in seiner bisherigen Form weiterbetrieben werden.

Bei den Kollegen von TechCrunch wird derweil spekuliert, ob es sich bei jenem Vorgang um eine recht fragwürdige Maßnahme Perlmans handele. Der wolle sich wohl wie einst geplant von OnLive trennen und habe einen Käufer gefunden. Über die Insolvenz kann er das komplette Geschäft mit einer neuen schuldenfreien Firma übernehmen - und entledigt sich zugleich sämtlicher Verpflichtungen gegenüber OnLive-Angestellten, denen Aktienoptionen an der alten Firma zugesagt worden waren.

Update 2: Laut einer Quelle von Joystiq hatte Perlman den Angestellten mitgeteilt, dass OnLive noch weit davon entfernt war, an die Börse zu gehen. Übliche Abfindungen seien nicht gezahlt worden - das Paket habe nur das Gehalt bis Mitte August sowie den finanziellen Ausgleich für noch nicht wahrgenommene Urlaubstage (PTO) umfasst. ein kleiner Teil der 180 bis 200 Mitarbeiter - der Maulwurf tippt auf 20 Prozent - wurde zu einem zweiten Meeting eingeladen, wo ihnen dann das Angebot unterbreitet wurde, für den neuen Eigentümer zu arbeiten. Um wen es sich dabei aber handelt, sei nur diesen Personen bekannt. Angeblich sei es aber kein Unternehmen, sondern eine einzelne Person.

OnLive hatte behauptet, zwei Mio. Nutzer zu haben. Dazu habe aber im Prinzip jeder gezählt, der sich für den Dienst registriert hatte. Zu durchschnittlichen Spitzenzeiten hätten ca. 1800 Nutzer zur gleichen Zeit gespielt.

Die Belegschaft habe sämtliche Schlüsselkarten zurückgeben, persönliche Sachen packen und das Gebäude bis 16 Uhr verlassen müssen. Nachdem das Management mitbekommen hatte, dass sich einige Journalisten auf der Straße befanden und Fotos machten - die Nachricht hatte sich schnell herumgesprochen -, seien die gefeuerten Mitarbeiter angewiesen worden, den Firmensitz über die Garage als Ausgang zu verwenden.

Es habe in den vergangenen Monaten angeblich mehrere Kaufangebote gegeben, darunter auch eines von HP, aber Perlman sei wohl auf eine Summe im Bereich von einer Mrd. Dollar aus gewesen. Die Übernahme Gaikais durch Sony habe ihn entzückt, sei dies doch letztendlich wie eine Bestätigung gewesen, dass man alles richtig gemacht hatte. Da OnLive ungefähr zur gleichen Zeit ein zentrales Patent abgesegnet bekommen hatte, hatte der Gründer intern schon mal freudig angekündigt, dass man die Konkurrenz verklagen wird, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist.

Update 3: Weitere Neuigkeiten gibt es hier und hier.




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