EA bleibt am Ball
Auf der Hauptjahresversammlung Take-Twos hatten die Anteilhaber des Publishers die Ausgabe zusätzlicher Aktien im Falle einer versuchten Übernahme bewilligt. Wäre die so genannte Giftpille - siehe auch hier für Erläuterungen - nicht durchgewunken worden, dann wäre dies laut einigen Analysten ein Zeichen dafür gewesen, dass ein Großteil der Aktionäre bereit sind, ihre Anteile zu den derzeitigen Konditionen an Electronic Arts abzutreten.
Dies scheint allerdings nicht der Fall zu sein - vermutlich, weil darauf spekuliert wird, dass Riccitiello & Co., so nah und doch so fern, ihr Angebot nochmals etwas erhöhen werden. Deren Frist verstrich am folgenden Tag; EA hatte es nicht geschafft, sich mindestens die Hälfte der Anteile zu sichern.
Der Marktführer wirft nun allerdings nicht die Flinte ins Korn und gab bekannt, dass die Frist abermals verlängert wird: Das Angebot gilt nun bis zum 16. Mai. Da das Stockholders Rights Agreement genehmigt wurde, senkte man zudem wie angekündigt den Preis von 26 auf 25,74 Dollar.
Bisher hatte das Unternehmen versucht, den Deal unbedingt vor der Veröffentlichung von Grand Theft Auto IV
abzuwickeln. Take-Two hat zwar Gesprächsbereitsschaft für die Zeit nach dem Release signalisiert, lehnt das derzeitige Angebot aber weiterhin ab - es handle sich dabei schließlich um die gleiche Offerte, die man zuvor nach ausführlicher Analyse abgelehnt hatte; der Publisher wolle sich nicht unter Wert verkaufen. Das, so das Management, würden auch die Aktionäre so sehen, schließlich hätte sich EA bis zum vorherigen Fristende gerade einmal 8,3 Prozent der Anteile sichern können - mehr als 50 Prozent wären aber notwendig, um die Kontrolle zu übernehmen.
Der omnipräsente Analyst Michael Pachter geht nach wie vor davon aus, dass die Mannen um Riccitiello den längeren Atem haben werden. Die könnten nun versuchen, den Aufsichtsrat neu zu besetzen, darauf hoffend, dass die Mehrheit der Aktionäre dem Vorhaben zustimmt. Im Gegensatz zur Hauptjahresversammlung wären in diesem Fall auch alle Anteilhaber stimmberechtigt, die erst nach dem 19. Februar - dem Tag, als die Offerte EAs öffentlich gemacht wurde - Aktien Take-Twos erworben haben.
Der Kurs des TT-Werpapiers bewege sich im Moment im Bereich des Preises, den der Konkurrent geboten hat, so Pachter. Das habe nichts mit der finanziellen Performance Take-Twos zu tun - die Aktionäre würden eher mit einer Übernahme rechnen und darauf hoffen, dass die Offerte noch um ein oder zwei Dollar aufgestockt wird.