Gothic 3: Ersteindruck

von Jörg Luibl,
Bildquelle: JoWooD, Deep Silver
Nach all dem Versionswirrwarr um Gothic 3 waren wir gespannt auf die finale Fassung. Seit letzten Freitag konnten wir in das Abenteuer abtauchen, das die Spielepresse derzeit in zwei Lager teilt: Die einen gaben gar keine Wertung oder zeigten ihre Skepsis in einem durchwachsenen Ersteindruck (PC PowerPlay, Krawall, 4Players), die anderen vergaben gleich zwei Awards oder jubeln noch vor Freude (GameStar, Eurogamer.de).

Ganz Deutschland fragt sich nach der widersprüchlichen Berichterstattung, wie der Stand der Dinge ist. Festzuhalten bleibt: Spiele wirken auf jeden anders, die Wahrnehmung wird von der Herangehensweise bestimmt - auch Gothic 3 wird in dieser Hinsicht Fans und Fachleute spalten. Aber welchen Eindruck hinterlässt die finale Fassung (Version 1.4.25516.1) bisher bei uns?

Einen höchst durchwachsenen. Auf der einen Seite die stimmungsvolle Musik, die derben Dialoge, die schöne Landschaft, die vielen Quests, die schnell das Tagebuch füllen - all das entfacht durchaus eine angenehme Atmosphäre. Die Euphorie vergangener Zeiten will sich allerdings noch nicht einstellen.

Wir haben uns das Spiel hier mit drei Redakteuren angeschaut und manche haben sich gefragt, ob das wirklich die Verkaufsversion ist. Mal abgesehen von den langen Ladezeiten erleben wir regelmäßig Abstürze, die uns auf den Desktop zurückwerfen. Trotz unseres gut bestückten Rechners (Alienware, DualCore Pentium 3,2 Ghz, 2 GB Ram, Nvidia GeForce 7900 GTX) ruckelt es selbst beim einfachen Umschauen und am Strand zeigen sich immer noch die groben Konturbrüche zwischen Meer und Horizont; das Gras wird bei sehr geringer Sichtweite wie ein Teppich weiter vorne aufgerollt.

Hinzu kommen zig Clippingfehler, die Orks und Tiere in Dächern hängen lassen sowie technische Probleme: Sprecher zittern in Dialogen, Feinde bleiben an Kisten hängen. Das Figurenverhalten wurde zwar gegenüber der Vorschaufassung verbessert, aber ist insgesamt eine Enttäuschung. Es kann einfach nicht sein, dass man Fleisch fressenden Waranen fünf Pfeile in die Haut jagen kann und sie sich nur von links nach rechts bewegen, ohne anzugreifen. Die größte Schwäche liegt bisher im Kampfsystem (hier in der Video-Vorstellung): Es ist zwar einfach über Mausklicks zu bedienen und zeigt elegante Manöver, aber lässt jegliche Spannung vermissen. Man kann mit schnellen Rechtsklickorgien selbst Söldner-Champions in der Arena besiegen oder Ork-Anführer niedermetzeln.

Momentan stellen sich für den Test zwei wichtige Fragen:

1. Kann Gothic 3 mit seiner Spielseele, mit seiner Quest- und Rollenspielkultur, mit seiner politischen Spielwelt diese technischen Schwächen und das unbefriedigende Kampfsystem ausgleichen?

2. Was kann der angekündigte große Patch, der zum Release am Freitag erscheinen soll, an technischen und inhaltlichen Fehlern beheben? Wir werden das Spiel für den Test natürlich zur Sicherheit noch auf einem Rechner mit ATI-Grafikkarte und AMD DualCore installieren, um zu vergleichen, ob die Fehler auch hier auftauchen.


Ersteindruck #2: befriedigend


Hier aktuelle Schnappschüsse:

Bilder aus dem Intro

Erste Kämpfe, erste Quests

Menüs & Co

Streifzüge








Gothic 3
ab 1,75€ bei

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Gothic 3