Warum Guitar Hero scheiterte...
Die Schuld an der Einstellung der Guitar Hero-Reihe trägt Activision, und zwar wegen der generellen Geldgier des Unternehmens. Dies sagte Kelly Sumner (ehemaliger Chef von Guitar Hero-Entwickler Red Octane) gegenüber dem Branchen-Magazin MCVUK: "Jeder wollte ein Rockstar sein und vor Guitar Hero gab es so etwas noch nicht auf dem Markt. (...) Aber sie [Activision] versuchten, aus der Marke zu viel rauszuholen und dies viel zu schnell. Sie haben Guitar Hero missbraucht."
Seiner Ansicht nach gibt es keinen Grund, warum Guitar Hero nicht weiterbestehen soll. Schließlich kann nicht jede Serie Umsatz in Milliardenhöhe abwerfen, aber Activision scheint dies zu wollen. Allein 2009 erschienen acht Guitar Hero-Spiele und obgleich Activision im Folgejahr nur zwei Titel veröffentlichte, bezeichnet Kelly Sumner die Marke trotzdem als ausgebeutet. So wurden laut MCVUK in fünf Jahren über 30 Rock Band- und Guitar Hero-Spiele herausgebracht, Veröffentlichungen mit Zubehör nicht eingerechnet. Als Gegenbeispiel nennt er Grand Theft Auto
von Rockstar Games: Die Entwickler lassen sich Zeit zwischen den Spielen und wollen den Markt nicht bloß aus Profitgier überschwemmen.
Überflutung des Marktes
Neben der Marktüberflutung identifiziert Paulina Bozek (u.a. SingStar) ein weiteres Problem, nämlich den relativ hohen Preis, u.a. aufgrund des Zubehörs bzw. der speziellen Controller. Unabhängig von der Allgegenwärtigkeit dieser Spiele haben sich die "normalen Spieler" von den hohen Preisen abschrecken lassen und als Gegenbeispiel wird das Tanzspiel Just Dance
von Ubisoft angeführt. Rod Cousens (Chef von Codemasters), der schon immer Musikspiele für den abnehmenden Umsatz in der Spieleindustrie verantwortlich gemacht hat, überspitzte es und meinte, dass die teuren und übergroßen Packungen nur dafür sorgen, dass die Konsumenten schreiend aus den Läden laufen.
Fehlende Innovation
Ein weiterer Grund für das Guitar Hero-Ende wird an den fehlenden Innovationen festgemacht, schließlich habe sich der Kern des Spiels seit sechs Jahren nicht weiter entwickelt - auch die neuen Ideen in Rock Band 3
und DJ Hero
hätten nicht gefruchtet.
Zudem scheint sich das Interesse der Kunden verlagert zu haben: Von "Gitarre spielen" in Richtung "Tanzen" - auch ein Grund für den Erfolg von Just Dance. Diese Trendänderung schien Harmonix (Rock Band) relativ früh bemerkt zu haben, weshalb sich der Entwickler dann auf Dance Central
für Kinect gestürzt habe. Nur Activision verpasste diese Chance scheinbar...
Die Zukunft der Musikspiele
Auch der Community Manager John Drake von Harmonix sei traurig über das Ende von Guitar Hero, obgleich Rock Band ebenfalls mit schwächeren Verkaufszahlen zu kämpfen hatbe Dafür erweise sich das Rock Band Network als gute Einnahmequelle, bei Guitar Hero würde das Geschäft mit Download-Titeln hingegen nicht in diesem Ausmaß funktionieren.
Es bleibt daher abzuwarten, ob und wann ein Comeback anstehen könnte, schließlich werden Musikspiele bei MCVUK als eine Art Kreislauf beschrieben: Zuerst kam Dance Revolution, dann SingStar, anschließend Guitar Hero und jetzt sind wieder Tanzspiele angesagt.