E3-Eindruck: Klassisch und modern
Es ist ein kleines Wunder, dass die Saw-Serie sich zu einem derartigen Phänomen entwickelt hat und dabei beinahe aus dem Nichts das Subgenre des Torture-Horrors schuf. Weniger wundersam ist angesichts des anhaltenden Erfolges, dass irgendwann jemand auf die Lizenz aufmerksam würde und sich an eine Spielumsetzung machte.
Dass das Ergebnis angesichts der Vorlagen sowie der zeitlichen Einordnung zwischen den ersten beiden Jigsaw-Spielereien enorm verstörend und morbide wirkt, dürfte hingegen kaum jemanden überraschen. Man leidet mit den Figuren, man freut sich, wenn man Jigsaw ein Schnäppchen geschlagen hat, nur um mit dem nächsten Problem konfrontiert zu werden.
Saw ordnet sich spielerisch irgendwo zwischen klassischem Survival-Horror inkl. typischer Schockmomente und atmosphärischer Licht/Schatten-Effekte auf der einen sowie Rätseln auf der anderen Seite ein. Dass diese Rätsel meist unter Zeitdruck stattfinden und häufig den typischen Twist haben, den man mit Jigsaw verbindet, macht das Erlebnis nur noch authentischer.
Bereits der Anfang der spielbaren E3-Demo zieht einen in die Saw-Welt: Mit einem Quicktime-Event muss man eine tödliche Metallmaske von seinem Kopf entfernen, bevor es zu spät ist. Dann muss man "nur" noch aus dem Toilettentrakt entkommen, der mit einem Zahlenschloss verriegelt ist. Da ist doch rote Farbe (ja klar, es ist nur Farbe?!?) auf den Türen. Also die Türen verschlossen und siehe da: Es sind die gespiegelten Zahlen 4, 3 und 1. Um auf Nummer sicher zu gehen, einen kurzen Blick in den Spiegel geworfen. Doch was ist das? Mehr Rot auf dem Spiegel. Man muss sich nun in den richtigen Blickwinkel begeben, um festzustellen, dass die 1 eigentlich eine 7 ist. Ich will auch gar nicht wissen, was passiert wäre, wenn ich die falsche Zahl eingegeben hätte.
Später muss man auf der Flucht mit einem KI-gesteuerten weiteren Gefangenen zusammenarbeiten (hier bietet sich auch ein Mehrspieler-Modus an, zu dem es hier leider keinen Kommentar gab), um eine Explosion zu verhindern, aus einem mit Spritzen vollgestopften Wassertank in einem Geschicklichkeitsspiel eine Sicherung für eine Sicherungsbox herausholen, barfuß möglichst schadlos einen mit Glasscherben gespickten Fußboden überqueren, wie es sich für Survival Horror gehört klassisch kämpfen und einiges mehr. Und das alles unter Jigsaws wachsamen Augen und mit der eigenen Menschlichkeit bzw. dem Moralverständnis sowohl als Gegner als auch als Opfer - eben so, wie man es aus den Filmen kennt. Angesichts der sich schnell aufbauenden Spannung und Atmosphäre kann ich die derzeit noch ab und an auftretenden visuellen Schwächen in der verwendeten Unreal Engine leicht ignorieren.
E3-Fazit: Unverhofft kommt immer wieder. So auch im Falle Saw, das ich im besten Falle als ambitionierten Horror mit einer interessanten Lizenz auf dem Radar hatte. Doch das Ergebnis ist überraschend: Die Essenz der Filme scheint wunderbar erfasst zu werden und bietet sowohl Spannung als auch Rätsel, Terror und nicht zuletzt auch kompromisslosen Gore. In einer Zeit, in der der klassische Survival Horror in modernen Variationen meist Richtung Action tendiert, wirkt Saw höchst angenehm anachronistisch und lässt kalte Schauder die Wirbelsäule herunterrieseln. Auf Rückfrage erklärte uns Konami, dass man versuchen werde, Saw mit einer 18er-Freigabe durch die USK-Prüfung zu bringen.
E3-Eindruck: sehr gut