Eindruck: Die ersten beiden Stunden
Viel wurde über Call of Duty: World at War
(der Einfachheit halber nachfolgend CoD5 abgekürzt) im Vorfeld gelästert und gemeckert: Och nee, schon wieder Zweiter Weltkrieg? Schon wieder das typische Pliiing der M1 Garand, wenn das Magazin ausgeworfen wird? Schon wieder Amis und Russen und Deutsche? Ja, ja und ja, allerdings mit ein paar gefälligen Neuerungen. Die wichtigste davon ist die vierte Partei: Die Japaner.
Das Spiel, das wir bisher nur auf der Xbox 360 antesten konnten, beginnt im Makin-Atoll im Südpazifik, wo mein polygonales Alter Ego, Private Miller, gerade seinen vermeintlich letzten Sekunden auf Erden ins Gesicht blickt; einem japanischen Befehlshaber, der die Anweisung gibt, ihn und seinen Kameraden hinzurichten. Im letzten Moment wird Miller gerettet, er bekommt Helm nebst Waffe in die Hand gedrückt und schon ruft die Pflicht - mal wieder.
Spielerisch bleibt in CoD5 alles beim Alten: Ihr seid so gut wie nie allein unterwegs, meist in einer größeren Gruppe, die bemerkenswert gut für sich selbst kämpft. Man kennt ja von anderen Spielen, dass die KI nur zum Hinhalten, aber nicht zum Kämpfen zu gebrauchen ist. Nicht so hier: Zwar gewinnen eure virtuellen Kameraden nicht den Krieg für euch, aber sie kümmern sich kompetent um die kreischenden und Bajonett schwingenden Japaner, die bevorzugt aus Hinterhalten wie hohem Gras oder Bäumen angreifen.
Um dieser Übermacht Herr zu werden, gibt es ein paar neue Spielzeuge des Todes, allen voran den Flammenwerfer: Der speit mächtiges, beeindruckend loderndes Feuer, das unter Feindesscharen schneller aufräumt als der Terminator. Nicht nur das, ihr könnt damit auch die halbe japanische Oberfläche in einen Mondkrater verwandeln. Es sieht bedrückend gut aus, wie z.B. eine mit Flammen behandelte Palme nach und nach verkokelt, ihre Äste abknicken und das Gewächs immer weiter auseinander fällt, während der Wind loderndes Geäst und feurige Partikel wegbläst - toll!
Nach dem Ausflug an den Strand kümmere ich mich um Standard-Missionen: MG-Nester aushebeln, Panzer mit Bazookas zerstören, heranstürmende Feinde mit einem stationären Maschinengewehr ausschalten - das Design der Aufträge ist über weite Teile ziemlich konservativ. Aber immerhin exzellent in Szene gesetzt: Neben dem serientypischen Skript-Overkill beeindrucken vor allem die makellos flüssige Darstellung sowie die großartigen Lichteffekte. Wenn im düsteren Wald auf einmal eine Leuchtrakete aufsteigt und damit das graue Szenario in ein geisterhaftes Zwielicht taucht, in dem die Schatten verrückt spielen, während von allen Seiten schreiende Asiaten auf die eigene Truppe einstürmen, dann gewinnt das in mancher Hinsicht fast schon altmodische Spiel ganz neue Qualitäten.
Schade nur, dass man in der deutschen Version auch nur deutsche Stimmen zu hören bekommt - die jeweilige Originalsprache hätte der Atmosphäre mit Sicherheit noch besser getan, auch wenn die Synchronsprecher bis jetzt ihren Job sehr gut machen. Nach einigen Missionen voller Japaner, Amerikaner, Flugzeuge und Panzer geht es übrigens nach... Stalingrad. Und an dieser Stelle klinken wir uns für heute aus.
Der komplette Test samt Wertung darf erst am Donnerstag online gehen. Bis dahin bekommt ihr in unserem Video einen Eindruck von den ersten Spielminuten.