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Haze: Bei den Briten



Bei den Briten
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Fazit Haze, 23.05.2008:

Tut mir leid, Free Radical. Aber das war nix. Die größtenteils vorhersehbare Action von der Stange bietet zwar eine Hand voll interessanter Momente, doch unter dem Strich ist das zu wenig, um auf Dauer zu motivieren. Auch die üblichen Stärken der Briten, also Erzählstuktur, Story und Technik, bieten außer guten Ansätzen nur das Nötigste, um Haze vor dem Absturz in den Shooter-Orkus zu retten. Nektar als Triebfeder und Spielelement verliert etwa zur Hälfte der ca. sieben bis zehn Stunden dauernden Solokampagne an Reiz. Ab diesem Moment sind es nur noch die teils stark überzeichneten Figuren, die die Geschichte zumindest mit einem Hauch von Leben versehen. Und drumherum gibt es lineare Standard-Action, wie man sie schon tausendfach gesehen hat. Nicht wirklich schlecht, aber wahrlich nicht herausragend. Eben genau das, was man als solide bezeichnen würde. Und die Technik? Für das Team, das mit der TimeSplitters-Serie schnelle Ego-Action auf Konsolen salonfähig gemacht hat, ist das Ergebnis schlichtweg enttäuschend. Dass die eigens entwickelte Engine stets flüssig läuft, ist eigentlich selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich wären allerdings auch ansehnliche Texturen gewesen. Doch mit diesen nicht selten stark vor sich hin flackernden und an PlayStation 2-Zeiten erinnernden Tapeten liegt man bis auf sehr spärliche Ausnahmen meilenweit hinter der Konkurrenz zurück - selbst wenn man sich nur auf die PS3 als Vergleichsplattform konzentriert. Bleibt noch der Mehrspieler-Modus - immerhin auch eine der Stärken in der Free Radical-Vergangenheit. Der läuft insgesamt rund, bietet aber auch kaum mehr als Standardware und zeigt sich insgesamt sehr unbalanciert. An dieser Stelle können wir nicht einmal Vorschläge machen, was die Briten hätten ändern müssen, um doch noch auf einen grünen Zweig zu kommen. Mit einem halben oder gar ganzen Jahr mehr Entwicklungszeit alleine wäre es nicht getan. Zu viele Hebel hätten angesetzt werden müssen, um das erste wirklich mittelmäßige Spiel aus der Kultschmiede verhindern zu können. An den grundsätzlichen Zutaten lag es nicht, doch beim Mixen und Verrühren hat Free Radical das Ziel scheinbar aus den Augen verloren...


Kann mich mal einer aufwecken? In welchem Jahr befinde ich mich? Und spiele ich hier tatsächlich auf einer PlayStation 3? So etwas durch und durch Langweiliges habe ich schon lange nicht mehr erlebt - dagegen bietet das bescheidene Dark Sector ja ganz großes Actionkino! Verdammt, ist das eine Shooter-Enttäuschung. Ich habe mich nicht nur deshalb auf Haze gefreut, weil es einer der wenigen exklusiven Actionschauplätze für die PlayStation 3 hätte werden können, sondern weil es als Antikriegsspiel mit seiner interessanten Story rund um Militärdrogen, Konzernarmeen und Propaganda erzählerisch an Metal Gear Solid 4 erinnert. Genau solche kontroversen Thematiken braucht das Genre! Deshalb wäre mir die schwache, nur in einigen Außenarealen einigermaßen ansehnliche Kulisse, die mit ihrem hoch skalierten Texturen frecher Weise nicht mal volle HD-Auflösung bietet, theoretisch völlig egal gewesen. Aber dann verlange ich, dass mir in dem Moment, wo die Maskerade des sauberen Krieges fällt, die ekelhafte Fratze der Wirklichkeit mit einem dramaturgischen Hammer in den Magen gerammt wird! Aber nix da, nada, laue Luft, dieser Kontrapunkt ist fast gar nicht vorhanden - was hat Free Radical bloß an Potenzial verschenkt! Hier laufe ich seltsam unbeteiligt weiter, hier pumpt weder Adrenalin noch entstehen Emotionen, wenn ich das wahre Gesicht des Krieges sehe. Hier baller ich mich wie in einem 08/15-Shooter der 90er durch eine erschreckend sterile Welt. Hier ist es mir sogar schnurzpiepegal, ob ich für den bösen Konzern oder die guten Rebellen grenzdebile Gegner vollpumpe. Haze ist kein Antikriegsspiel, sondern ein Antispannungsspiel. Man sollte es als Unterrichtswelt für angehende Spieldesigner im Kurs "So macht man keine Shooter" nutzen.

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