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Spielkultur | Special | 4Sceners

07.06.07, 15:14 Uhr, Paul Kautz

Manchmal bringt es einen vorwärts, einen Blick nach hinten zu werfen. Zumindest scheint das für Musiker JONSON funktioniert zu haben, als er ein komplettes Album auf einem Amiga 1200 komponiert hat. »Chiplandschaften«, auf der diesjährigen Mikrolux veröffentlicht, baut auf die kratzigen 8 Bit-Klangästhetik einer veralteten Hardware - umgeben von einer wundervoll melodischen 16 Bit-Hülle. Eine Kombination, über die wir mehr erfahren wollten.

Text: Alexander Scholz (as@sceen.org)
Übersetzung: Paul Kautz (paul.kautz@4players.de)
Erstveröffentlichung (in Englisch) in SCEEN Issue 1.

Chiplandschaften basiert zu einem großen Teil auf 8 Bit-Einflüssen, die eine dahinter steckende Story vermuten lassen. Wie kam der Amiga ins Spiel?

Eher durch Zufall. Der Amiga hat mich vor ein paar Jahren gefesselt, zu einer Zeit, als die Plattform allgemein schon als tot galt. Ich erinnere mich überdeutlich, welchen irren Eindruck manche Demos auf mich hinterlassen haben: Ich durfte audiovisuelle Echtzeit-Produktionen auf dem Amiga bewundern, erschaffen von hochtalentierten Menschen ohne jegliche grafischen oder akustischen Hilfsmittel! Das war einfach faszinierend. Als ich kurz darauf die Gelegenheit hatte, einen Amiga 1200 günstig zu erstehen, habe ich zugegriffen.
Abgesehen von ein paar Experimenten mit Trackern habe ich mit dem Amiga nicht viel gemacht, bis ich es schaffte, simple Synthesizer-Sounds und einfache Sequenzen zu generieren, indem ich den Soundchip direkt programmierte. Ich habe mich ernsthaft in seinen kratzigen Charakter verliebt - der für mich, einen sonst ernsthaften Musiker, der nur gebräuchliche Synthesizer gewohnt war, etwas völlig Neues darstellte. Tatsächlich war es für mich der allererste Schritt in Richtung Sounderstellung mithilfe eines Computers (grinst).

Schwein gehabt, dass Commodore, unabhängig von Markt- und User-Forderungen, niemals seine Audio-Hardware änderte. Dein Amiga 1200 hat also den gleichen Soundchip wie der erste Amiga von 1986.

Das wusste ich gar nicht. Da ich nie Teil der Amiga-Community war und auch nicht mit der Plattform aufwuchs, war ich nie wirklich mit den Hardware-Spezifikationen und seinen Wurzeln vertraut. Auf der anderen Seite hätte eine HiFi-Version von Paula (dem Amiga-Soundchip, Anm. d. Red.) sicherlich einen Einfluss auf meine Faszination des speziellen 8 Bit-Sounds gehabt - wer weiß, ob ich dann überhaupt jemals damit angefangen hätte?

Wie hast du den Amiga-Sound aufs Album bekommen?

Vor ungefähr fünf Jahren hat das Ganze als reines Experiment gestartet. Ich nutzte die SoftSynth-Software, um verschiedene Sounds auf dem Amiga zu programmieren, und nahm sie dann einfach mit meinem Yamaha A5000 auf. Die von dieser Stelle ausgehenden Möglichkeiten, wie polyphonische Sounds zu spielen oder Effekte und Filter zu nutzen, führten schließlich zu meinem ersten Song, der nur auf diesen 8 Bit-Samples basierte. Und er hat mich weggeblasen (grinst)!

Chiplandschaften by JONSON, released at Mikrolux / Elektrolux in 2005.
www.jonson-music.com
www.mikrolux.com

Welche Hard- und Software nutzt du?

Ich weiß den Namen der Amiga-Software nicht mehr, aber der Sequenzer, um die Noten aufzunehmen, war wie üblich Logic. Die Soundhardware umfasste neben dem Amiga 1200 als Soundquelle schlicht einen (!) Yamaha A5000-Sampler als Instrument. Schlussendlich wanderten vier bis acht Kanäle in den analogen Mixer, um dort abgemischt, gefiltert und um einige Effekte erweitert zu werden. Speziell der Halleffekte kam nicht aus dem Sampler, aber die meisten anderen schon.
Mit diesen eher bescheidenen Mitteln konnte ich ein ganzes Album erstellen. Chiplandschaften nutzt nicht mal 15 MB an Sample-Daten! Ich hätte natürlich mein gesamtes vorhandenes Studio-Equipment nutzen können, doch die künstliche Beschränkung auf die minimal benötigte Hardware war sehr spannend, und schlussendlich auch der Grund für den speziellen Klang des Albums.

Hast du auch andere Software-Synthesizer in Betracht gezogen, vielleicht sogar auf anderer Hardware?

Als ich am ersten Song arbeitete, erschien ein neuer Synthesizer namens »QuadraSID«, der den Sound des C64 verdammt gut emulierte. Obwohl ich sehr zufrieden mit ihm bin, blieb ich bei meinem ursprünglichen Konzept und nutzte ihn nicht für Chiplandschaften.

  

 
 
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Kommentare zum Thema
4S-Bobic
Siehe Links im Kasten - www.mikrolux.com
PARALAX
Sehr interessanter Bericht.:) Wo bekommt man seine Musik bzw. wo kann man sie bestellen?
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