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30.08.09, 00:33 Uhr, Bobic
Der Fall der Ghostbusters - Urheberrechtsverletzung mit Musik aus der Demoszene?

"Eine liebevolle Hommage an glorreiche Ghostbusters-Zeiten", ist, laut 4Players-Tester Paul Kautz, das kürzlich erschienene, neue Ghostbusters-Spiel. Wunderbar getroffen seien die Figuren, das Design des Spiels stimmig und lebendig, leider aber auch mit zu vielen Wiederholungen gespickt, so seine Meinung. 73% erhielt Ghostbusters - The Video Game in der Endabrechnung für PS3 und Xbox 360. Ein gar nicht mal so übler Wert für einen Lizenztitel.

Ein paar Monate nach dem offiziellen Release ist nun jedoch ein Schatten auf das von Terminal Reality entwickelte und von Sony, beziehungsweise Atari, veröffentlichte Spiel gefallen. Der Grund ist in einer recht unscheinbaren Szene versteckt, die man im Spielverlauf zu Gesicht bekommen kann. Anstrengend ist der Alltag als Geisterjäger, Entspannung und Abwechslung erwünscht, weshalb sich die Protagonisten des Spiels an umherstehenden Spielhallenautomaten vergnügen dürfen. Hier erregt vor allem ein Gerät Aufmerksamkeit, das ein Ballerspiel klassischer Machart zeigt. Nicht das Spiel selbst ist jedoch von Interesse, sondern vielmehr die Musik, die beim Spielen wiedergegeben wird - zu sehen und zu hören in diesem Video auf YouTube. Langjährigen Spielern werden die Klänge sofort vertraut vorkommen, handelt es sich doch um einen Remix des bekannten Turrican Titelthemas, das im Original von Chris Hülsbeck stammt. "The Titan Turrican" heißt der im Spiel verwendete Remix und wurde vom Demoszene-Musiker Svenzzon erstellt. Genau hier fangen die Probleme an.


Da Schlottern die Glieder! In "Ghostbusters - The Video Game" wurde unerlaubt
Musik aus der Demoszene verwendet. Den Beweis gibt es auf YouTube.

Weder Svenzzon, noch Chris Hülsbeck selbst wussten von der Verwendung dieser Musik, bis einige Käufer des Spiels die Melodie erkannten und die beiden Musiker informierten. Auch ist keiner der beiden Namen in den Credits als Komponist oder Urheber vermerkt. Ein peinlicher Fehler, der für Sony und Atari nun rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann. Wie in einem Thread beim Szene-Portal pouet.net nachzulesen ist, hat Chris Hülsbeck wohl bereits seinen Rechtsanwalt mit der Prüfung des Falls beauftragt, denn die Rechte an der Musik zu Turrican liegen natürlich bei ihm. Welche Schritte Svenzzon einleiten wird, ist bislang nicht bekannt. Klar ist, dass er die Genehmigung von Chris Hülsbeck hatte, diesen Remix zu veröffentlichen. "The Titan Turrican" wird unter anderem mit dem kostenlosen Musikprogramm MilkyTracker vertrieben, einem Music-Tracker, mit dem sich ohne teure Ausstattung Musik erstellen lässt.

Aktuell scheint dies nicht der einzige Fall einer Urheberrechtsverletzungen von Atari zu sein. Erst kürzlich hatte man einige Lernspielklassiker von Ron Gilberts Firma Humongous Entertainment im Wii-Homebrew-Channel veröffentlicht, dabei aber übersehen, dass die mit der Portierung beauftragte Firma Mistic Software nicht die Spiele selbst, sondern nur die kostenlose Emulator-Software ScummVM, die zum Spielstart benötigt wird, portiert hat. Mithilfe von ScummVM lassen sich viele ältere Adventure-Spiele, darunter die Titel von LucasArts, Revolution Software oder eben die Titel von Humongous, auf modernen Plattformen starten. Benötigt werden nur die Originaldateien der Spiele. Erhältlich ist ScummVM, das von einem Fan-Team erstellt wurde, für Windows, Linux, NDS, iPhone und viele weitere Systeme, wobei es unter der GPL-Lizenz vertrieben wird. Das hat Atari nicht beachtet, denn Nintendo erlaubt es nicht, unter GPL lizenzierte Software zu vertreiben.

Erstaunlich ist, dass solche Fehler und Urheberrechtsverletzungen großen Publishern immer wieder passieren. Besagter Thread auf pouet.net enthält noch viele weitere Hinweise auf andere Fälle, wobei es zumeist um Musik geht, die aus der Demoszene stammt und illegal weiterverwendet wurde. Hier ist auch die wohl inzwischen bekannteste Geschichte eines so genannten "Rips" nachzulesen, der mit der Welt der Computer- und Videospiele allerdings nichts zu tun hat. Vielmehr geht es um den Rapper und Starproduzenten Timbaland und dessen Song "Do it", den er für Nelly Furtado geschrieben hat. Zwischen seine Beats und Samples hat er piepsige Chipmusik aus der Demoszene, die deutlich herauszuhören ist, gemischt. "Acid Jazz" heißt der Song, komponiert von Glenn Rune Gallefoss auf dem Commodore 64! Auch hier handelt es sich um einen Remix. Das Original namens "Acidjazzed Evening" wurde auf dem Commodore Amiga "getrackt" und stammt von Janne "Tempest" Suni. Tempest hat den Prozess gegen Timbaland übrigens gewonnen, denn auch Musik die kostenlos im Internet erhältliche ist, ist natürlich nicht frei von Rechten und darf kommerziell verwendet werden. Dass dem nicht so ist und immer ein Urheberrecht besteht, dürfte Mr. T jetzt wohl wissen. Welche Summe Tempest letztendlich als Entschädigung erhalten hat, ist leider nicht bekannt. Darüber mussten beide Seiten Stillschweigen halten. Auch Glenn Rune Gallefoss hat Timbaland verklagt, war allerdings nicht ganz so erfolgreich. Immerhin hat ihm das Gericht in einem Anklagepunkt Recht gegeben, was hier nachzulesen ist.

Zumindest in der Demoszene hat das Gezeter mit dem US-Rapper noch ein lustiges Ende gefunden. Seit diesem Vorfall spricht man bei unerlaubter, kommerzieller Verwendung von Szenemusik nicht mehr von einer Urheberrechtsverletzung, sondern nennt das Ganze nur noch "it's a Timbaland". Welche Bezeichnung wohl nun "Ghostbusters - The Video Game" erhält? Hach ja, wir ahnen es...

 
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