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Spielkultur | Special | 4Sceners

03.05.11, 22:32 Uhr, Bobic

In eingefleischten Demokreisen mag die The Gathering, trotz ihrer Größe mit mehreren tausend Besuchern, nicht allzu hoch im Kurs stehen. Man kann jedoch nicht darüber hinwegsehen, dass die Veranstalter mächtig die Werbetrommel für die faszinierenden, großen und kleinen Effektkracher aus der Szene rühren. Immer wieder lassen sie sich neue Ideen einfallen um "frisches Blut" anzuwerben und für die Demoszene zu begeistern. So fand etwa die Preisverleihung der 9th Annual Scene.org Awards in diesem Jahr im hohen Norden statt (wir berichteten) und fand regen Zuspruch. Noch beeindruckender waren hingegen die Demos und Intros, die in diesem Jahr auf der TG11 präsentiert wurden. Mit Bombastwerken von CNCD und Fairlight, PlayPsyco, Loonies und vielen anderen Gruppen, wirbelte die Demoszene bei den zahlreichen Gamern das bisherige Computerkunstverständnis mächtig durcheinander und ließ sie für einige Zeit sogar die Spielewettbewerbe vergessen. Was in Norwegen alles an interessanten Werken gezeigt wurde, möchten wir euch an dieser Stelle vermitteln.


1. Platz, Demo: We crave sustenance / PlayPsyco

Der Name PlayPsyco stand schon immer für brachiale Effektkost, grandios hämmernde Soundtracks und perfekte Abstimmung zwischen Visuals und Musik. We crave Sustenance passt erwartungsgemäß in dieses Schema, nur dass die Norweger hier noch eine Schippe drauflegen und alles noch heftiger gestalten. Da pulsiert, teilt und verwächst sich ein Würfelobjekt zu tiefstem Bassgewummer, Lichteffekte krachen auf fein texturierten Boden und im tiefsten Blur-Hintergrund bahnt sich etwas wahrhaft Mächtiges an. Ein technoides Spinnenwesen zeigt, in perfektem Rhythmus zur Musik, wie Ringe über seine Beine wachsen, es erzählt von den Greetings und stapft dann auf ein monströses Raumschiff zu. Das ist Maschinensex in Reinkultur und sorgt beim Betrachter für feuchte Augen - Independence Day und Skyline lassen grüßen! Neben all dem technisch herausragend inszenierten und zumeist in Blau und Grautönen getauchten Brachialchaos, keimt ein wenig naturelle Hoffnung auf. Mit Blumen, Pflanzen, Bäumen - doch schon nach wenigen Augenblick übernimmt das Science-Fiction-Erlebnis wieder das Szepter und konfrontiert uns mit weiterem harten Bass- und Störfilter-Gedöns, das uns völlig geplättet zurücklässt.


2. Platz, Demo: Numb Res / CNCD & Fairlight

Nicht erst seit dem letzten Jahr wissen wir, dass es in der Demoszene absolute Ausnahmekünstler gibt, die schlichtweg immer etwas Neuartiges, übergeniales, atemberaubendes zeigen. Leute wie Smash (Fairlight) und Destop (CNCD). Diese beiden Jungs sprühen geradezu vor Ideen. Während der eine (Smash) den Ideen des anderen (Destop) mit brachialem Technik-Know-How Leben einhaucht, kann Destop seiner Kreativität unbeschwert seinen Lauf lassen. Heraus kommen dabei einzigartige New-Media-Werbeclips, die auf dem Echtzeitdemo-Sektor ihresgleichen suchen. Werke wie Agenda Circling Forth etwa, dem großen Abräumer bei den 9th Annual Scene.org Awards. Nun legen die beiden Künstler ein weiteres Atmosphäre-Schwergewicht vor. Numb Res heißt es, in dessen schwarz/weißem Partikel-Universum Planeten und Sonnen kreisen, und in welchem wir das Zählen lernen. Denn sowohl visuell, als auch innerhalb der brillanten Musik, werden Zahlenfolgen eingespielt. Danach folgen imponierende Wasserspiele, in physikalisch korrekter Form, versteht sich, bevor die Punkte wieder die Oberhand gewinnen. Mit Numb Res legen Fairlight und CNCD also ein weiteres Meisterwerk in Design, visueller Gestaltung, Code und Musik vor. Phew!


3. Platz, Demo: Struct / Outracks

Wer Abwechslung sucht, sollte besser woanders fahnden als in der neuen Demo von Outracks. Hier basiert das Geschehen nur auf wachsenden und wuchernden Würfelkonstruktionen. Allerdings ist es hier der Pinselanstrich und die Musik, die für Faszination pur sorgen. Nicht nur die Farbgebung ist schlichtweg brillant und perfekt ausgeleuchtet, auch die Musik passt wie die Faust aufs Auge und ist mal wieder ein echter Ohrwurm. Weil das Geschen so perfekt miteinander harmoniert, die Effekte trotz Wiederholungsattentat erste Sahne sind und alles so schön im Rhythmus blitzt, tanzt und blendet, sind wir nur eines: Restlos begeistert!


4. Platz, Demo: Spheres on a plane / Dead Roman

Dead Roman sind zurück - und das weckt Erwartungen. Denn dies ist das andere Demoprojekt von Szene-Urgestein Hyde / Andromeda. Mit Spheres on a plane gelingt dem norwegischen Meisterprogrammierer wieder einmal großartiges, doch man muss sich darauf einstellen, dass dieses Werk so gänzlich anders als die meisten Demos sind. Als physikalisches Experiment mit Noise-Einschlag könnte man es bezeichnen. Farbarme, graue Szenen überwiegend, werden durch Zen-artige Objekte, wie sie in einem Puzzelspiel vorkommen könnten, abgelöst. Doch zumeist bewundert man Kugeln, die so frappierend an Tischtennisbälle erinnern, wie sie auf einer Ebene rollen, der Kinetik zum Opfer fallen, als leuchtende Lampen fungieren und ein beeindruckendes Spiel mit der Physik treiben. Dass die Soundkulisse zumeist aus Rauschen und Soundeffekten besteht, verstärkt den experimentellen Charakter dieses Werks. Interessant und ungewöhnlich!


5. Platz, Demo: Hobots / Kvasigen

Wie ein Miniaturmodell einer futuristischen Stadt wirkt die City-Scene, welche uns Kvasigen in ihrer Demo Hobots zeigen. Aufgrund fehlender Texturen und Farben, aber mit fantastischem Licht- und Schattenwurf versehen, erinnern die Wolkenkratzer und Straßenschluchten wie von meisterhafter Modellhand geklebt. Hier zieht die Kamera ihre Kreise, wobei sie immer wieder auch einen von fünf fein gestalteten, knuffigen Robotern in den Fokus rückt. Die Blechkumpel zeigen uns die Greetings, sie marschieren herum und werden als Disco-Laserlight genutzt. Und auch hier treffen wir auf diesen tollen Schattenwurf. Mit ein wenig zuviel Gepiepse bei der Musik und etwas besserer Designkunst wäre hier noch mehr dring gewesen. So können wir nur sagen, dass dieses Schatten- und Lichtballet der wahre Grund sind, warum wir uns die Hobots immer wieder anschauen.


6. Platz, Demo: Nitesco / Youth Uprising

Nitesco wurde von Gunda programmiert und visuell gestaltet, einem Newcomer bei Youth Uprising und der Demoszene im Allgemeinen. Schon mit seinem Erstlingswerk zeigt der Knabe, was in ihm steckt. Er spielt kunstvoll mit Licht und Schatten auf einem untexturierten, stylischen Objekt, setzt zum Tunnelflug inklusive Grußbotschaften an und verfremdet einen mit transparenten Rechtecken belegten Ball als bunten und stylischen Equalizer. Was Gunda macht, ist nicht nur eine stilvolle und technisch gelungene Huldigung an die Objekte und Szenen in Demos der vergangenen Jahre, er beweist mit Nitesco, dass wir noch mehr von ihm erwarten können. Ein perfekter Einstieg in die Demoszene, den Ferris von Youth Uprising mit guter und passender Musik versehen hat.


1. Platz, 4k Intro: Michigan / Loonies

Fairlight und CNCD haben mit ihrer Demo 'Agenda Circling Forth' die Sensation des Demo-Jahres 2010 abgeliefert. Einzig und allein aus Partikeln bestehen ihre komplexen, atemberaubend schönen Szenen. Es war nur eine Frage der Zeit bis andere Gruppen diesen Knallereffekt kopieren und in eigene Werke einbauen. Eine der ersten davon sind Loonies. Allerdings zaubern die Intro-Meister ihre Partikelschwärme in nur 4096 Bytes Größe. Würfel, Hochhäuser, ein Modell eines Herz und andere Verwirbelungen bauen sie aus ihrem Partikelstaub auf, nur um ihn dann kurze Zeit später wieder hinwegzupusten. Das sieht schon mit DX10 hervorragend aus, entfaltet aber unter DX11 noch mehr Kraft. Natürlich ist auch die Musik gelunge, womit wir hier ein echt fettes, kleines Ding vorliegen haben.


2. Platz, 4k Intro: Milk / Compo Xaviours

Wenn eine Executable gestartet wird, die gerade mal 2493 Bytes groß ist, sind die Erwartungen gemeinhin als eher gering eingestuft. Ertönt dann allerdings gleich zu Beginn, und das nach relativ kurzer Wartezeit, glasklare, tolle Musik, ist die Überraschung geglückt. Die Compo Xaviours zeigen in ihrem Winzling, wieviel man aus einem einzelnen Würfel holen kann. Mit feiner Technik und raffinierter Zellteilung lassen sie ihren kurzen Ausflug in die Gefilde der 4k Intros zu keinem Zeitpunkt langweilig werden.

 
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