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Spielkultur | Special | 4Sceners

28.03.14, 21:30 Uhr, Bobic

Als der führende Grafikkartenhersteller NVIDIA im Jahr 2008 zum ersten Mal eine eigene Demo-Party ausrichtete, ging ein Aufschrei durch die Demoszene. Nahezu alle namhaften Gruppen wollten bei dem Spektakel mitmischen. Dementsprechend hochwertig waren die auf der NVScene '08 veröffentlichten Releases, mit Über-Demos wie Stargazer, Into the Pink oder Midnight Run. Sechs Jahre später veranstaltete NVIDIA erneut ein Szene-Event. Die Aufbruchstimmung und Euphorie wie seinerzeit konnte die NVScene 2014 allerdings nicht entfachen, was aber auch an der leicht schwächelnden PC-Demoszene liegt, die in den letzten Jahren nicht mehr ganz so stark unterwegs wie seinerzeit ist. Nichtsdestotrotz war der Demo-Wettbewerb mit guten, abwechslungsreichen Releases gesegnet.

Wo 2008 noch satte 15 Demos am Wettbewerb teilnahmen, waren es bei der Demo-Competition der NVScene 2014 nur noch neun Werke. Die präsentierten sich zwar allesamt in überdurchschnittlicher bis sehr guter Qualität, dennoch konnte man merken, dass der Funke der Begeisterung dieses Mal nur recht träge übersprang. Mit Fairlight, STILL, Conspiracy und Rebels waren auch nur einige wenige Top-Gruppen am Start, die dieses Mal aber nicht allesamt zu überzeugen wussten. Weiterhin ging der im Vorfeld so groß angekündigte Android-Demo-Wettbewerb völlig unter, da gerade einmal zwei Demos ins Rennen geschickt wurden, was wir wirklich Schade finden. Dabei ließ die superstylische Invitation-Demo der Gruppe Kewlers, die für Android-Geräte gemacht wurde, gerade hier auf zahlreiche Knaller hoffen. So retteten Fairlight mit ihrem tollen Feed me Lies NVIDIAs Shield und Co. Auch der 4k Procedural Graphics-Wettbewerb war mit vier eingereichten Bildern eher dünn besetzt, bot mit den Werken von der Gruppe Loonies und von Archee jedoch visuelle Kost auf allerhöchstem Niveau. Und bei den großen Demos überraschten neben den Style-Spezialisten von Satori vor allem die Newcomer in der Szene.

Ebenso waren die zahlreichen Seminare hochinteressant. Blueberry / Loonies erzählte beispielsweise etwas über Effekte aus alten Amiga-Demos. Das Thema Realtime Raytracing hatte sich Smash / Fairlight ausgesucht. IQ / RGBA gab seine Erfahrung über neue Techniken und Ideen zur Darstellung von Bildern in Echtzeit wieder, während Pixtur / STILL über Demo-Design sprach. Wir hoffen darauf, dass die Seminare in Kürze auf den Servern von Scene.org zum Download bereitstehen werden, damit diese (und alle anderen) informativen Vorträge auch den Leuten zur Verfügung stehen, welche die Veranstaltung nicht per Live-Stream mitverfolgen konnten.

Warum die NVScene 2014 nicht ganz so bombastisch ausfiel als erwartet, dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Vielleicht war der Zeitpunkt etwas unglücklich gewählt, da man direkt nach dem Tokyo Demo Fest 2014 die Pforten öffnete und die wichtigste Demo-Party des Jahres, die Revision 2014 in Saarbrücken, die pünktlich zum Osterfest beginnt, gerade einmal drei Wochen später stattfindet. Doch genug der Spekulationen. Erfreuen wir uns einfach an den Werken, die uns die NVScene 2014 geschenkt hat. Produktionen wie:


Feed me Lies / Fairlight (Android Demo, 1st at NVScene 2014)

Zum ersten Mal sind Fairlight auf Android unterwegs, schon rummst und wackelt das Smartphone in der Hosentasche vor Freude herum. In einer toll texturierten Lagerhalle platziert Smash erst eine, danach gleich drei offene Kisten, in deren Innerem sich einiges abspielt. Mal schießen Würfelflächen aus der Rückwand hervor, dann gibt's flüssigen Nachschub und fette Physik-Spielchen. Dass das gesamte Geschehen eigentlich nur aus Grautönen besteht und jeglichen Farbtupfer vermissen lässt, ist überhaupt kein Problem. Atmosphärisch ist das Ding nämlich dichter als jeder zugenagelte Sarg. Das wiederum ist mit ein Verdienst von Musiker lug00ber, der einen fantastischen Drum 'n' Bass-Soundtrack diesem Smartphone-Spektakel zugeschustert hat.


Secret Rooms / Philip Lafleur (Windows / Linux, 1st at NVScene 2014)
Wenn NVIDIA eine Demo-Party ausrichtet, rechnet man eigentlich damit, dass Szenegiganten wie ASD, Farbrausch, STILL, und wie sie alle heißen mögen, am Ende die spektakulärste Demo präsentiert haben. Dass am Ende ein junger Mann namens Philip Lafleur, von dem noch nie zuvor jemand etwas gehört hat, ganz oben auf dem Podest stehen würde, damit konnte nun wirklich keiner rechnen. Die Fakten sprechen jedoch für sich. Was der Newcomer Mr. Lafleur in seinem Werk Secret Rooms zeigt, gebührt tiefsten Respekt. Er zeigt Effekte, die man so noch nie zuvor in der Szene gesehen hat. Technisch kramt er mal ganz tief in der Trickkiste, dann lässt er es wieder ein wenig langsamer angehen. Er mischt gekonnt 2D- und 3D-Stuff, bietet ein unheimlich weites, abwechslungsreiches Spektrum davon, das normalerweise gleich für fünf ausgewachsene Demos reichen würde. Und er hat mit Mikael Fyrek einen alten Hasen als Musiker engagiert, der mit melodischem, ruhigem Klangspiel auch die Ohren zu verzaubern mag. All dies ist der Grund dafür, warum der Herr Unbekannt alle anderen Demos weit hinter sich gelassen hat. Doch auch wenn das, was Philip Lafleur hier zeigt, überwiegend ganz große Demokunst ist, es finden sich auch ein paar Schattenseiten in Secret Rooms. Zum einen fällt das allgemeine Design sehr unruhig aus. Viele Effekte sind für diese ruhige Musik zu schnell, zu hektisch und damit unpassend. Ein treibender Goa-Soundtrack würde zu vielen der Kaleidoskop-artigen Effekte besser passen. Auch fehlen zumeist harmonische Übergänge beim Szenenwechsel. Das können die alten Hasen definitiv besser. Aber unser Tausendsassa kann dies mit seiner nächsten Szenedemo besser machen. Die wird dann hoffentlich auch wieder so frisch und überraschend wie Secret Rooms.


Eternal Dream of Beauty / STILL (Windows, 2nd at NVScene 2014)
In der Readme-Datei zu Eternal Dream of Beauty steht, man solle sich nicht über die Farben, die Schriftart und die Animation des Einhorns beschweren. Liebe STILLer, es tut uns wirklich leid, aber wir können einfach nicht anders! Dieses Ding hier ist sowas von kitschig, dass es wirklich weh tut. Dieser kunterbunte Farb-Overkill wirkt, als würde Lady Gaga zusammen mit dem weltberühmten Clown Oleg Popow ins zuckersüße Candyland abtauchen. Klar ist das gewollt und auch der Hinweis auf ein 'Minus-Release' wie bei Farbrausch ist als Warnung zu verstehen. Dennoch ist es schwer, nach all den bildgewaltigen, monumentalen und düsteren Meisterwerken von STILL aus den letzten Jahren, sich mit diesem Bonbon anzufreunden. Auf der anderen Seite gelingt es den Jungs von STILL dennoch, eine gewisse Faszination zu versprühen. Dafür ist zum einen der Oldskool-Happy-Hardcore-Soundtrack von JCO verantwortlich, der einen doch beschwingt auf dieser farbenfrohen Reise begleitet. Zum andern gibt es ein paar leckere Effekte und Szenen wie etwa Jesus und seine Engel ganz am Schluss. Wer also keine Angst vor dem Color-Schock hat und schon Mitte der 1990er Jahre kunterbunte Rave-Videos geliebt hat, der findet hier vermutlich eine kleine Offenbarung.


Min / Loopit (Windows, 3rd at NVScene 2014)
Wenn es irgendwo scheppert, flackert und glüht, ist zumeist der Name Loopit mit im Spiel. So ist das auch bei Min, dem neuesten Streich der Dänen. Hier geht's zumeist in Blau und recht düster zu, wobei genug Glow eingesetzt wird, um das solide Demo-Fundament ringsherum zu beleuchten. Objekte drehen sich passend zur Musik, werden immer mal wieder auseinander gerissen und anschließend durch ganz ähnliche Ringe, Kugeln und sonstiges ersetzt. Das unterhält in Bewegung durchaus gut, zumal speziell die Endsequenz mit den zerberstenden Gruppennamen für viel Stimmung sorgt. Schade nur, dass das Design so durchschaubar ist. Es gibt keine Grafikfitzelchen zur Auflockerung, Objekte drehen sich grundsätzlich nur im Zentrum des Bildes und das viele Blau ist eigentlich ein wenig zu düster. Aber diese Endsequenz...!


Supermode / Conspiracy (Windows 64k Intro, 4th at NVScene 2014)
Supermode ist eigentlich nur ein 'test run' für die brandneue PhoeniX-Engine von Conspiracy. Damit geben die Ungarn ihr Comeback in der Demoszene und möchten demnächst vor allem im Intro-Sektro wieder ganz groß mitmischen. Die Grundlagen dafür sind gegeben, denn der neue Antrieb wirft schon jetzt hervorragende Bilder auf den Schirm. Natürlich liegt das in erster Linie am Gespür von Grafiker Zoom, der schon immer die richtige Farbwahl getroffen hat und mit stylischen Kamerablickwinkeln nicht geizt. Es liegt aber auch an der passenden Musik von Gargaj, die den hübschen Schnellschuss-Szenen die notwendige Dynamik verleiehen. Alles in allem also ein gutes Comeback, das natürlich noch ausbaufähig ist. War ja auch nur ein 'test run'.


Secondrealm.is / Satori (JavaScript, 5th at NVScene 2014)
Unser heimlicher Sieger des Demo-Wettbewerbs der NVScene 2014! Wenn der Name Satori fällt, dann weiß man in der Regel, dass hier eine ziemliche 'Strange'-Demo an den Start geht. Flackernde Objekte, wilde Mixturen und viel technoider Kram werden hier normalerweise verwurschtelt und scheiden die Geschmäcker. Secondrealm.is ist zwar ein typischer Satori, aber dennoch etwas anders. Es ist zwar gewohnt abstrakt und mit viel Geometrie versehen, aber nicht ganz so Linien- und Punktverwirrend wie andere Werke von Coder Zden. Das Hauptthema rund um das Security-Unternehmen Nethemba zieht sich wie ein roter Faden durch, wird von interessanten Szenen, einer guten Farbwahl und einem stylischen Soundtrack (ja, von Raiden!) begleitet. Eine Javascript-Demo mit viel Atmosphäre, die zwar immer noch die Gemüter spalten wird, die meisten aber angetan zurücklassen dürfte.


Stringtheory / Rebels (Windows, 6th at NVScene 2014)
Ganz, ganz viele, leckere Partikel-Effekte stecken in String Theory von den fleißigen Rebels. Hier geht's ohne viel Firlefanz, ohne Grafik-Layer oder sonstigem Schnickschnack sofort zur Sache. Partikel bilden die Credits, aus Partikel setzen sich die einzelnen Objekte zusammen. Sie werden verformt, auseinander genommen, wieder zusammengesetzt und rotiert. Alles sehr stylisch gemacht und einer echten Szenedemo würdig. Nur der viel zu oft und vor allem zu stark eingesetzte Blur-Effekt schmälert das Vergnügen an ansonsten gut gemachten Visuals und passender Electro-Step-Mucke.


Subspace / Science (Windows, 8th at NVScene 2014)
Science machen nur alle paar Jahre eine Demo. Zuletzt schickten sie 'Proton' ins Rennen, eine Demo für… die NVscene 2008! Nun, sechs Jahre später, gibt es wieder eine Science-Demo. Und erneut ist die NVidia-Party die ausgewählte Veranstaltung. Subspace heißt das neueste Werk, das ganz und gar einer typischen Szenedemo der aktuellen Zeit entspricht. Es hat Dubstep-Musik, einen ausgewogenen Mix aus zweidimensionalen Effekten und 3D-Szenarien, sowie perfekt auf die Musik abgestimmtes Design. Eine grundsolide Demonstration die gut unterhält, aber nicht zu Begeisterungsstürmen hinreisst, da man vom technischen Gesichtspunkt her alles bereits gesehen hat.


Holly / Cabbibo (JavaScript, 8th at NVScene 2014)
Der Autor selbst hält zwar nicht viel von seinem Erstlingswerk, wir sagen ihm jedoch an dieser Stelle, dass er irrt! Denn mit der JavaScript-Demo Holly zeigt er uns ein paar richtig schöne Blumen und Partikeleffekte, die stylisch inszeniert sind. Auch hat das gute Stück für ein 'Firstie' genau die richtige Länge und wird dadurch keinesfalls langweilig. Wir sind gespannt, was nach Holly kommen wird!


4k Procedural Graphics @ NVScene 2014:


Leggy / Loonies (1. Platz) (Bildquelle: Pouet.net)


 Lego Tutorial / Archee (2. Platz) (Bildquelle: Pouet.net)

Invitation-Demos für die NVScene 2014:


NVScene 2014: The Ink Test / CNCD & Fairlight (Windows)


NVite / Kewlers (Android)
 
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