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Spielkultur | Special | 4Sceners

16.10.14, 23:53 Uhr, Bobic

Der Mann mit der längsten Matte in der Demoszene ist zurück! Moby hat seine legendäre Amiga-Demoszene-Tracks neu eingespielt und auf dem Album Amiga Days 1989 - 1993 (Remasters) kostenlos veröffentlicht. Wir haben bereits reingehört und schwelgen dabei in Erinnerungen.


Geistig gesund
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich Anfang 1994 mit zittrigen Fingern eine Diskette in das Laufwerk meines Amiga 1200 schob, auf deren Magnetscheibe sich die Demo Arte! von der Gruppe Sanity befand. Gerade eben hatte der Postbote ein Paket mit mehreren Disks abgeliefert, die ich vom Nordlicht PD Service, meinem damaligen Stammlieferanten für Amiga Public Domain- und Shareware-Software, sowie Szenedemos, erhalten hatte. So war das damals...

Sanity war seinerzeit eine der berühmtesten Demogruppen und jedes ihrer Werk eine kleine Sensation. Wahrlich nicht verwunderlich, waren doch mit Chaos, Tron oder Mr. Pet einige der begnadetsten Effektcoder überhaupt am Start, von denen einige noch heute im Echtzeitkunst-Sektor aktiv sind. Außerdem hatten ihre Demos immer fantastische Pixelgrafiken zu bieten (Cougar!!!), und die Musik dazu ließ mich grundsätzlich immer ausflippen, Soundmagier Volker Tripp, alias Jester, und meiner, am Amiga angestöpselten Stereoanlage sei Dank.

Gehobenes Programm
Doch dieses Arte!, das kurz vor Ende des Jahres 1993 auf dem legendären Szene-Event "The Party" veröffentlicht wurde, beim dortigen Amiga-Demowettbewerb nur den dritten Platz belegte und vom stimmberechtigten Publikum wohl - auch aufgrund der starken Konkurrenz wie Full Moon und Origin etwas unterschätzt wurde, war anders. Dieses Mal waren es nicht Jester und Cougar, die mich audiovisuell in Extase versetzten. Andere Personen waren dafür verantwortlich, nämlich die neu aufgenommene French Connection um Frederic "Moby" Motte (Musik) und Olivier "Ra" Bechard. Letzter hat mit seinem ungewöhnlichen, völlig abgedrehten aber künstlerisch so wertvollen Grafikstil mal eben die gesamte Demoszene, insbesondere die Logografiken, revolutioniert. Moby hingegen brachte den wahren Funk in diese kreative Computerkunstszene.

Doch zurück zur Diskette, auf welcher dieses Meisterwerk namens Arte! schlummerte und die mir dank Track-Loader-Routine schon nach wenigen Sekunden erste Grafiken und Sounds entgegen schleuderte. Sofort war ich elektrisiert, merkte, wie sich die Haare auf meinen Armen aufstellten und wohlige Schauer meinen Rücken hinab glitten. Dieses Design, diese nahtlosen Übergänge von einem brillant gecodeten, in einer solchen Qualität nie zuvor gesehenen Effekt zum anderen, gepaart mit Grafikpracht und diesen funkigen Gitarrenriffs. Das war neu, das war frisch und schlichtweg eine Sensation, der ich mich bis heute nicht entziehen kann. Und es sollte der Tag werden, an dem sich mein musikalisches Herz den funkigen Grooves öffnete - zum damaligen Zeitpunkt nicht unbedingt eine meiner bevorzugten Musikrichtungen (was sich vier Jahre später beim Drum 'n' Bass, Muffler sei's gedankt, wiederholte. Doch diese Geschichte soll ein andern Mal erzählt werden).

Keiner groovt besser
Jedenfalls war es Moby, der mir Gitarren- und Bass-Sounds um die Ohren schleuderte, wie ich sie in dieser Qualität noch nie aus dem Paula-Soundchip des Amigas gehört hatte. Livin' Insanity heist das gute Stück, das erste von insgesamt dreien, welches in Arte! Verwendung fand. Ein pefekter Titel, weil ich eben in diesem Moment wahnsinnig glücklich war.

Nach drei Minuten Laufzeit konnte ich dann wieder durchatmen, hatte mich bereits auf einen Endscroller eingestellt. Doch bei Arte! war noch lange nicht Schluss. Nach kurzer Ladezeit zupfte der Mann mit der längsten Matte in der Demoszene schon wieder an seiner Gitarre herum, ließ die Finger über die Klaviertasten fliegen und entlockte seinem Bass, Mobys selbsterklärtes Lieblingsinstrument, diesen Rhythmus, bei dem jeder mit muss. Ich ganz besonders. Auch hier war der Titel des Songs wieder Programm: Elekfunk, absolut elektrisierende Funk-Musik.

Nachdem sich nach etwa siebenminütiger Laufzeit mein Adrenalinspiegel gerade wieder zu senken begann, durfte ich die nächste Überraschung in Form einer Texteinblendung erleben. Diese grandiose Technikfeuerwerk, mit all seinen beeindruckenden Effekten und der Farbenvielfalt, war gar nicht speziell für den 256 Farben unterstützenden, schnelleren Amiga 1200 geschrieben worden, sondern lief auch auf einem Amiga 500!? Ja, Chaos, Pet und Co. waren schon immer wahnsinnig - im positiven Sinne.


Erhabene Demokunst und eine der besten Demos aller Zeiten: Arte! von Sanity.

Zeit zum Durchatmen blieb aber nicht, denn bei Arte! war immer noch nicht Schluss. Der Endpart stand an, und auch dieser ließ mir den Atem stocken. Neben der wunderschönen 3D-Welt mit gefüllten Vektoren war es wieder einmal Moby, der jetzt ruhigere Klänge anschlug und mit dem Track "Mobyle" sein vielleicht bestes Stück aller Zeiten ablieferte. Ja, dieses Arte! war schon ein verdammt starkes Stück Demokunst und zählt auch im Jahr 2014 noch zu den Lieblingsdemos, welche ich auf die berühmte einsame Insel mitnehmen würde.

Klangtoll
Nun sind wir also angekommen im Hier und Heute. Und dennoch ist es wie damals, wie vor sage und schreibe 20 Jahren. Denn während ich diese Zeilen tippe, lasse ich mich vom gerade erwähnten "Mobyle" berieseln, neben Livin' Insanity, Elekfunk und Knulla Kuk meine absoluten Lieblingsstücke von Moby, dem Musiker, der mir bis zu meinem Erlebnis mit Arte! noch gar nicht sonderlich aufgefallen war. Zumindest nicht in der Demoszene. Als Haus- und Hofmusiker des Spieleherstellers Coktel Vision hatte er sich jedoch schon einiges an Reputation in der Games-Branche verschafft, obwohl der französische Hersteller eher für leichte, seichte Unterhaltung bekannt war, was erst durch das Knobel-Adventure Gobliiins anders wurde. Nichtsdestotrotz hat Fred Motte schon vor Arte! mit dem Titel-Track zum Erotik-Adventure Fascination ein Klangmeisterwerk abgeliefert. Seine Demo-Soundtracks kannte ich allerdings bis dato nicht. Aber damals war es auch nicht so einfach, wie im heutigen Internet-Zeitalter, um an neue Szenedemos zu kommen. Natürlich hat sich dies schnell geändert und innerhalb kurzer Zeit hatte ich alles nachgeholt, was ich von dem Mann, der irgendwann seinen Namen von Moby zu elMobo änderte, weil plötzlicher ein anderer Musiker mit demselben Namen einen Chart-Erfolg nach dem anderen feierte, noch nicht gehört hatte. Jede Sekunde habe ich genossen, denn Moby versteht wie kein Zweiter Synth-Pop mit kräftigem Gitarren-Funk zu verbinden.

Doch so, wie ich diese Stücke heute höre, habe ich sie nie zuvor gehört, was den Hintergrund hat, dass Moby soeben ein neues Album veröffentlicht hat. Auf Amiga Days 1989 - 1993 (Remasters)  hat das Bass-Genie aus Frankreich seine Amiga-Stücke wiederveröffentlicht. Dieses Mal aber komplett überarbeitet, mit satten, glasklaren Sounds und damit besser klingend als je zuvor.

Alle sind sie mit an Bord, das harte Raging Fire, der legenäre Dragonsfunk oder das spaßige Synthspektakel P.A.T.A.O.P.A. Auch das ultralange More than Musik findet sich genauso in dem kostenlos, beziehungsweise per Pay what you want-Methode verfügbaren Archiv wieder. Man merkt, dass sich Hr. Motte hier verdammt viel Zeit genommen hat, um die alten Zeiten in die Moderne zu transportieren. Dass ihm dies bravourös gelungen ist, darf man bei einem Soundtüftler seiner Klasse erwarten, denn enttäuscht hat uns der Vollblutmusiker bislang noch nie.

Wenn ihr euch also von YouTube und diesem wundervollen Arte! losreissen könnt, dann holt euch Mobys Amiga Days 1989 - 1993. Denn genau so muss gute Tracker-Musik anno 2014 klingen! Weiterhin erhaltet ihr noch ein wunderschönes, hochauflösendes Cover beim Entpacken des Archivs, welches von niemand geringerem als Made gestaltet wurde. Die Elite ist also unter sich, arbeitet immer noch Hand in Hand. Wie früher!


Track-List:
1.    Progressive Funk 11:43
2.    Papoornoo2 04:11
3.    The Last Knight 08:47
4.    Dragonsfunk 05:55
5.    Pelforth Blues 06:22
6.    The Knight is Back 10:22
7.    Knulla Kuk 07:59
8.    Let there be Funk 06:09
9.    Groovy Thing 04:29
10.    88, Funky Avenue 03:11
11.    P.A.T.A.O.P.A. 07:44
12.    Drink My Pain Away 04:29
13.    Kanyenamaryamalabar 08:37
14.    Cortouchka ! 06:05
15.    Heads Up 03:37
16.    Raging Fire 01:04
17.    Livin' Insanity 03:07
18.    Elekfunk 03:18
19.    Mobyle 02:38
20.    More Than Music 22:03
1.



2.
Papoornoo2 04:11



3.



4.

5.



6.



7.
Knulla Kuk 07:59



8.



9.



10.



11.



12.



13.



14.



15.
Heads Up 03:37



16.



17.



18.
Elekfunk 03:18



19.
Mobyle 02:38



20.
 
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